Schopenhauers Person.
Vortrefflichkeit seines Wesens, die Fruchtbarkeit und Kraft seines Intellects, den Ernst und Adel seiner Gesinnung. Es ist fast unglaublich, dass ein junger Mann von kaum 30 Jahren„die Welt als Wille und Vorstellung“ geschrieben hat. Man muss sich vorzustellen suchen, was herausgekommen wäre, wenn man selbst im gleichen Alter ein derart umfassendes Buch hätte schreiben sollen. Aber auch im Vergleiche mit anderen grossen Männern ist eine gleiche Frühvollendung höchst selten anzutreffen. Merkwürdigerweise ist die„Philosophie des Unbewussten“ des 27jährigen E. v. Hartmann das am ehesten anzuziehende Beispiel.„Mein Werk, schrieb Schopenhauer an Goethe, ist die Frucht nicht nur meines hiesigen Aufenthalts, sondern gewissermaassen meines ganzen Lebens, denn ich glaube nicht, dass ich je etwas Besseres oder Gehaltvolleres zu Stande bringen werde.“ Er hat damit vollständig Recht. Er hat ferner Recht, wenn er sich Goethes Lob, er habe treu und redlich sich mit jenen Fragen[der Farbenlehre] befasst, aneignet und hinzufügt:„Nicht nur was ich in diesem beschränkten Felde gethan habe, sondern alles, was ich in Zukunft zu leisten zuversichtlich hoffe, wird einzig und allein dieser Treue und Redlichkeit zu danken sein.“ Jedes Buch ist nicht ein nur intellectuelles Erzeugniss, sondern eine moralische Handlung; in ganz besonderem Maasse muss das von einem Buche gelten, in dem ein Mensch sein innerstes Wesen kund giebt(les grandes pens6es viennent du coeur.). Niemand, der Schopenhauers Buch ernstlich liest, kann daran zweifeln, dass der
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