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17. (6. ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.
schichten — den heutigen Septarientou — mit vielen Schnecken und Muscheln abgelagert wurden, die heut zur Zement- und Ziegelfabrikatiou verwendet werden. „Forschen wir aber dem Oligozän nach, in dem jetzt Spuren des Menschen gefunden sein sollen, so müssen wir annehmen, schreibt Solger, daß seitdem mindestens eine, wahrscheinlich aber über zwei Millionen Jahre verflossen sind. Solche Zahlen erregen mit Recht auf den ersten Blick das Mißtrauen des Laien.“*) Wir können z. B. an den Kreidekiisten Rügens beobachten, wie die fortschwemmende Brandung die schweren Feuersteine liegen läßt, die geradezu mitunter ein Steinpflaster bilden. Um ein solches Pflaster scheint es sich bei Boncelles unweit Lüttich zu handeln. Es ist dort von Sandeu bedeckt, die sich durch eingeschlossene Tierreste als eine Bildung der Oligozänheit erkennen lassen. Damals muß also das Steinpflaster schon vorhanden gewesen sein und wenn seine Feuersteine wirklich vom Menschen benutzt wurden, so reicht letzterer auch bis in die Oligozän- zeit zurück. Auffallend wäre es allerdings, fügt Solger hinzu, daß diese „Kultur“ sich während des ganzen Restes der Tertiärzeit, also doch wahrscheinlich eine Million Jahre hindurch nicht merklich weiter entwickelt hat, denn auch im Miozän, also in den erheblich jüngern Schichten der Auvergne, finden wir noch Eolithe von überraschend einfacher Form.**) Vorsicht ist also jedenfalls am Platze, ehe wir den Fund von Boncelles rückhaltlos für ein Anzeichen des Menschen ansprechen.
Mehr oder minder wohl erhaltene Kadaver von weltlichen Elefanten hat man —als Mammut, Elephas primigenius Blb. definiert— wie ihnen allen bekannt bislang nur im vereisten Sibirien gefunden. Gebeinreste des Mammuts, insbesondere Backzähne sind dagegen bekanntlich in der Nähe Berlins im Diluvium vielfach gefunden, wie u. A. die zahlreichen Fundstücke aus den Kiesgruben unseres Mitgliedes Franz Körner in Rixdorf und Britz, Kreis Teltow, beweisen. Es kommen dort auch Backzähne eines älteren Elefanten, wenngleich viel seltener, vor, des Elephas antiquus. In Sibirien hat man diese ältere Elefantenart in „Haut und Haar“ bislang nicht zu entdecken vermocht. Völlig über- raschendjkommt daher die Nachricht daß in Südost-Galizien in einer Erdwachsgrube zu Starunia bei Nadworna unweit der Quellen des Pruth Reste des Elephas antiquus in ungewöhnlich guter Erhaltung auch der Weichteile aufgefunden sein sollen.
*) Soweit es sich um den Menschen handelt, vor der Hand ganz besonders auch das Mißtrauen der Geologen. E. Fr.
**) Der Mensch hat sich, nach allem was wir allmählich erfahren, sowohl körperlich wie intellektuell unglaublich langsam entwickelt, auch wird man beim Oligozü 11 ' Menschen wohl nicht an den alluvialen, auch nicht einmal an den diluvialen Menschen denken dürfen, sondern vermutlich an einen Vorläufer des Menschen, aus dem sich erst nach vielleicht von Millionen Jahren der eigentliche Mensch entwickelt hat. E. Fr.