Die„Schälke.“
die Menschenkenner, ja sogar die Aerzte ein solches Frauenzimmer bezeichnen. Man nennt sie. Schälke“. In Lavaters Physiognomik würden sie erwähnt. Der Name bedeute hier„ein Frauenzimmer, das einer Person, von der es abhängt, durch Gleichgültigkeit, Kälte und Zurückhaltung, die sich oft in eine Art von Krankheit verhüllen, das Leben sauer macht.“ Es komme vor, dass es von einer schönen Frau heisse: „Aber sie ist ein Schalk.“ Ferner hat Goethe zu Riemer gesagt(27.°4. 1814):„Weiber, die in der Jugend Charakter haben, würden, wenn die Liebhaber sich verlieren, Schälke.“ Wahrscheinlich wird unter Schalk das verstanden, was jetzt manche Aerzte den hysterischen Charakter nennen. Vielleicht soll besonders ein krankhaftes geschlechtliches Empfinden angedeutet werden. Auf krankhafte Abweichungen des Geschlechtsgefühles kommt Goethe an verschiedenen Stellen zu sprechen, ich will aber hier nicht darauf eingehen.
Höchst bemerkenswerth ist das zutreffende Urtheil des alten Goethe über die Nervenschwäche und die Verkehrtheit der neuen Zeit. Was er sagt, das kann heute der Arzt fast ohne Weiteres unterschreiben, und ich kann mich nicht davon enthalten, die Hauptstellen wiederzugeben.
„Das Schwache ist ein Charakterzug unseres Jahrhunderts. Ich habe die Hypothese, dass es in Deutschland eine Folge der Anstrengung ist, die Franzosen loszuwerden. Maler, Naturforscher, Bildhauer, Musiker, Poeten, es ist, mit wenigen Ausnahmen, alles schwach, und in der Masse steht es nicht besser.“(Zu Ecker