Urstromtal 21
voll Wasser, da das Grundwasser im Urstromtale zu jeder Zeit sehr hoch gelegen hat. In den Tümpeln entwickelte sich ungestört eine reiche Fauna und Flora, und je nach dem Überwiegen des einen oder: des anderen"Teils wurden Faulschlamm oder Torf oder auch beide vermischt abgelagert. Dann ergriff die Spree als Flußlauf Besitz vom Urstromtal, und durch das fließende Wasser wurden Sande und Kiese in die Kolke hineingespült, sie überdeckten dann die Moorlager. Verlegte der Fluß aus irgendeinem Grunde seinen Lauf, so konnten sich wieder Torf und Faulschlamm in den Kolken ablagern. Ganz zum Schluß vermoorten größere Teile des Spreetales, die Moore überdeckten auch die tiefen Rinnenzüge, so daß es bisher schwer war, die für die Bebauung gefährlichen, tiefgründigen Moorgebiete von den flacheren zu unterscheiden. Erst die Bohrungen haben hierin Klärung geschaffen. Bei genauer Betrachtung der Karten wird man unter der dichten Topographie der Innenstadt die mit Faulschlammkalk bezeichneten langgestreckten Rinnen erkennen. Soweit als angängig sind auch in den Kolkgebieten wichtige Bohrungen eingetragen, deren Schichtenverzeichnisse Aufschluß über die Zusammensetzung des tieferen Untergrundes geben solien.'
Auf dem Blatte Berlin-Süd überquert eine solche Rinne das May bachufer, sie zieht sich unter dem Alluvium des Spreetales von der Pflügerstraße bis zur Reichenberger Straße. Eine Fortsetzung‘ der Rinne nach NW oder SO ist nicht bekannt.
Die tiefer vermoorten Geländeteile längs der Spree von Stralau bis zur Mühlendammschleuse sind in ihrer Entstehung auf den Flußlauf selbst zurückzuführen, auch die Moorgebiete am Kupfergraben bis zur Alten Leipziger Straße gehören mit dazu. Nun beginnt die tiefe Rinne, die im NW an der Oranienburger Straße in drei Teilstücken über den Neubau der Augen- und Frauenklinik, über die Museumsinsel bis zum Mühlengraben verläuft. Der nördlichste Abschnitt erstreckt sich von der Oranienburger Straße über die Spree bis zum KaiserFriedrich-Museum(J. HESsEMANN 1929). Die Stadtbahn verläuft über einen Querriegel aus Sand mit flacher Moorbedeckung, dann fällt der Kolk unter dem Pergamon-Museum zur größten Tiefe ab, die in Berlin überhaupt beobachtet ist, nämlich bis 48,60 m unter Tage oder bis — 16,25 m unter NN. Dieser zweite Abschnitt endet im S unter der
Spree an der Schloßbrücke. Der letzte Kolk dieser Rinne liegt im
Untergrunde des Mühlengrabens.
Die nächste Rinne liegt teilweise im Zuge der Panke und geht über den Bahnhof Friedrichstraße weiter bis zur Aula der Universität. Im N liegt ein kleines Rinnenstück unter der Geologischen Landesanstalt. Von der Karlstraße ab bildet der Rinnenzug einen zusammenhängenden Verlauf unter dem Theater des Volkes hindurch bis über die Stadtbahn hinaus. An der Staatsbibliothek und unter der Aula liegen zwar kurze, aber tief eingesenkte Rinnenstücke.