Teil eines Werkes 
1837 = [Neue Nr. 3446] (1937) Berlin-Nord : [geologische Karte] / geolog. und agronom. für die 2. Aufl. bearb. durch C. Dietz ; unter Benutzung der Aufnahme von G. Berendt vom Jahre 1881/82 für die bebauten Gebiete
Entstehung
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Urstromtal 21

voll Wasser, da das Grundwasser im Urstromtale zu jeder Zeit sehr hoch gelegen hat. In den Tümpeln entwickelte sich ungestört eine reiche Fauna und Flora, und je nach dem Überwiegen des einen oder: des anderen"Teils wurden Faulschlamm oder Torf oder auch beide vermischt abgelagert. Dann ergriff die Spree als Flußlauf Besitz vom Urstromtal, und durch das fließende Wasser wurden Sande und Kiese in die Kolke hineingespült, sie überdeckten dann die Moorlager. Ver­legte der Fluß aus irgendeinem Grunde seinen Lauf, so konnten sich wieder Torf und Faulschlamm in den Kolken ablagern. Ganz zum Schluß vermoorten größere Teile des Spreetales, die Moore überdeckten auch die tiefen Rinnenzüge, so daß es bisher schwer war, die für die Bebauung gefährlichen, tiefgründigen Moorgebiete von den flacheren zu unterscheiden. Erst die Bohrungen haben hierin Klärung geschaffen. Bei genauer Betrachtung der Karten wird man unter der dichten Topo­graphie der Innenstadt die mit Faulschlammkalk bezeichneten lang­gestreckten Rinnen erkennen. Soweit als angängig sind auch in den Kolkgebieten wichtige Bohrungen eingetragen, deren Schichtenver­zeichnisse Aufschluß über die Zusammensetzung des tieferen Unter­grundes geben solien.'

Auf dem Blatte Berlin-Süd überquert eine solche Rinne das May ­bachufer, sie zieht sich unter dem Alluvium des Spreetales von der Pflügerstraße bis zur Reichenberger Straße. Eine Fortsetzung der Rinne nach NW oder SO ist nicht bekannt.

Die tiefer vermoorten Geländeteile längs der Spree von Stralau bis zur Mühlendammschleuse sind in ihrer Entstehung auf den Flußlauf selbst zurückzuführen, auch die Moorgebiete am Kupfergraben bis zur Alten Leipziger Straße gehören mit dazu. Nun beginnt die tiefe Rinne, die im NW an der Oranienburger Straße in drei Teilstücken über den Neubau der Augen- und Frauenklinik, über die Museumsinsel bis zum Mühlengraben verläuft. Der nördlichste Abschnitt erstreckt sich von der Oranienburger Straße über die Spree bis zum Kaiser­Friedrich-Museum(J. HESsEMANN 1929). Die Stadtbahn verläuft über einen Querriegel aus Sand mit flacher Moorbedeckung, dann fällt der Kolk unter dem Pergamon-Museum zur größten Tiefe ab, die in Berlin überhaupt beobachtet ist, nämlich bis 48,60 m unter Tage oder bis 16,25 m unter NN. Dieser zweite Abschnitt endet im S unter der

Spree an der Schloßbrücke. Der letzte Kolk dieser Rinne liegt im

Untergrunde des Mühlengrabens.

Die nächste Rinne liegt teilweise im Zuge der Panke und geht über den Bahnhof Friedrichstraße weiter bis zur Aula der Uni­versität. Im N liegt ein kleines Rinnenstück unter der Geologischen Landesanstalt. Von der Karlstraße ab bildet der Rinnenzug einen zu­sammenhängenden Verlauf unter dem Theater des Volkes hindurch bis über die Stadtbahn hinaus. An der Staatsbibliothek und unter der Aula liegen zwar kurze, aber tief eingesenkte Rinnenstücke.