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Blatt Lübben
liegen. In ihrem agronomischen Verhalten beruht ein wesentlicher Unterschied darin, daß infolge der meist geringen Mächtigkeit der Moorerde, welche schon von Natur aus einen erheblichen Prozentsatz mineralischer Bestandteile enthält, diese meist stärker verwittert ist, außerdem der Mineralboden der Oberfläche nahe ist. Dagegen ist der Torf erheblich mächtiger — in den Rinnen der diluvialen Hochfläche und in der Spree- waldeniederung wird er oft mehr als 2 m mächtig —; der Mineralboden kann daher nicht mehr von den Pflanzenwurzeln erreicht werden; die Pflanzen finden im Torf auch keine ursprünglichen mineralischen Bestandteile. Die Moorerde wird daher meist beackert und zeitigt, mit passender Frucht bestellt, hohe Erträge — besonders an Gemüse —, aber auch Flachs gedeiht auf ihr vortrefflich. Der Torf wird dagegen, wo er nicht gestochen wird zum Wiesenbau benutzt. Letzteres gilt auch für die ausgedehnten Flächen der Spreewaldwiesen. Hier walten, wie bereits früher kurz erwähnt, besondere Umstände. Jährlich sind vom Herbst bis Frühjahr mehrere Quadratmeilen Landes überschwemmt. Auch im Sommer bei tiefstem Wasserstand ist der Verkehr nur in Kähnen möglich. Zwar gibt es im Spreewalde Verbindungen durch etwas erhöht angelegte und daher meist trockene Fußsteige. Diese sind aber nur vereinzelt, gehen meist nicht weit in den Spreewald hinein und können wegen des weichen Torfgrundes nicht befahren werden, ohne die Wiesen schwer zu beschädigen. Auch in der Ernte ist aus diesem Grunde die Verwendung von Pferd und Wagen nur lokal, diejenige von schweren Maschinen überhaupt nicht zulässig; aus demselben Grunde werden ferner die Wiesen nicht als Weiden benutzt. Die Wiesen können also nur mit der Hand gemäht werden; sie geben zwei, stellenweise drei Schnitte, müssen jedoch, um das Überwuchern saurer Gräser über die süßen zu verhindern, gedüngt werden. Nicht selten verdirbt eine unzeitig zur Heuernte einsetzende Überschwemmung die Ernte, indem das steigende Wasser die zum Trocknen ausgebreiteten Heumassen fortschwemmt und an anderen Stellen wieder ablegt, wo sie dann nicht nur selbst faulen, sondern auch die Grasnarbe darunter zum Faulen bringen. Diese Verhältnisse lehren, wie labil und wie sehr ein Produkt der Kultur der gegenwärtige Zustand der Wiesen ist trotz des durch Geradelegung vieler Fließe (Spreearme) und Schleusen gesenkten und regulierten Wasserstandes. Die ursprüngliche Vegetationsform der Spreewaldwiesen ist der Wald, speziell der Erlenbruchwald, der heute noch, allerdings in einem durch Forstwirtschaft geregelten Betriebe, große Flächen der Spreewald-Niederung im Bereiche der Lieferung und darüber hinaus einnimmt. Trotz der geringen Ursprünglichkeit der gegenwärtigen Bestandsform sind heute noch die beiden Typen des Erlenmoors, Erlen- standmoor an trockenen Stellen (mit einer Unterflora von Urtica dioica, Impatiens nolitangere, Paris quadrifolia ) und Erlensumpfmoor an nassen Stellen ( Iris pseudacorus, Sium latifolium ) mancherorts ausgeprägt. Die gegenwärtigen Erlenwaldungen sind durchforstet; die Gestelle sind Wasserwege mit meist erhöhten Rändern, welche auch im Herbst und im Frühjahr trocken bleiben. Die jungen Erlen müssen stellenweise auf Rabatten gepflanzt werden. Infolge der Durchforstung und des lichten Standes der Erlen erhält der Waldboden hinreichend Licht, um als Wiese genutzt und gemäht zu werden. Wenigstens ist in fiskalischen Erlenwaldungen die Wiesennutzung an Bauern verpachtet.