Heft 
Band 3 Heft 1/2
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T. NoAH: Limikolenzug an den Schlepziger Fischteichen

Odinshühnchen(Phalaropus lobatus)

Zwei Feststellungen dieses seltenen Durchzüglers liegen vor: 04.09.1993- 1 dj. Ind.; T. Noah, A. Weingardt; 30.05.-01.06.1995- 1 Weibchen im Prachtkleid; T. Noah, H. Haupt.

6. Diskussion

Oberflächlich betrachtet scheint die vorwiegend von Wald umgebene, relativ kleine Schlepzi­ger Teichanlage nicht unbedingt für regelmäßige und größere Watvogelansammlungen geeig­net. Andererseits üben hier die Leitlinienwirkung der Spreeniederung sowie die überwiegend günstigen Rastmöglichkeiten eine große Anziehung aus.

Die hohe Beobachtungsintensität der letzten Jahre ergab fast lückenlose Datenreihen für die

gesamten Zugperioden. Dadurch kamen aussagefähige Beobachtungsreihen zur Auswertung, die für die Klärung offener Fragen zur Zugphänologie einiger Arten von Nutzen sind. Beim Sandregenpfeifer und Alpenstrandläufer wurde das Auftreten der Unterarten in Bran­ denburg bisher kaum ernsthaft angesprochen, obwohl es beispielsweise für die in näherer Zu­kunft erscheinende Landesavifauna von Interesse wäre. Auch die in der älteren Literatur oft­mals schon fast dogmatisch dargestellten Übersommerungen einiger Tringa-Vertreter sind nach Ansicht des Verfassers in möglichst lückenlosen Beobachtungsreihen nicht als solche erkennbar, sondern mehr oder weniger deutlich als Heim- und Wegzug getrennt.

Natürlich müssen hier weitere Untersuchungen über längere Zeiträume folgen, um zur ein­deutigen Klärung dieser Problematik beizutragen.}

In der vorliegenden Auswertung können für einige Arten auch differenzierte Aussagen zum Auftreten von Alt- und Jungvögeln während des Wegzuges getroffen werden. Selbst in der letzten Avifauna Brandenburgs(RUTSCHKE 1987) fehlen derartige Angaben weitgehend. So sind beispielsweise zum Wegzug des Zwergstrandläufers in Brandenburg (W. Mädlow briefl.) bisher nur wenige eindeutige Daten zum Verhältnis von Alt- und Jungvögeln bekannt gewor­den.\. Die Zugphänologie der häufigeren Arten deckt sich überwiegend mit den anderen Untersu­chungsgebieten Brandenburgs . Unterschiede lassen sich auf den sommerlichen Rastplatzman­gel zurückführen.

Von überregionaler Bedeutung sind die im Gebiet festgestellten Ansammlungen verschiede­ner Wasserläufer und der Bekassine.

Im Beobachtungsgebiet wurden bei Ausschluß von Mehrfachzählungen während des Weg­zuges 1994 für den Bruchwasserläufer(384 Ind.), Waldwasserläufer(90 Ind .), Grünschenkel (103 Ind.) und die Bekassine(1380 Ind .) Rastzahlen errechnet, die den gesamten Durchzug betreffend wohl noch um einiges höher liegen dürften. Besonders bei Arten mit ausgeprägter Rastplatztradition, wie z.B. Kampfläufer(RIESELFELDER MÜNSTER 1981) wird der Wegzug der Altvögel aufgrund jährlich stark wechselnder Bedingungen deutlich unterrepräsentiert sein.

Die Ergebnisse verdeutlichen, das sich die Fischteiche Schlepzig zu einem bedeutenden Limikolenrastgebiet innerhalb Brandenburgs entwickelt haben. Neben den für Watvögel wich­tigen Trittsteinen auf ihren Wanderungen profitieren eine ganze Reihe anderer Arten von ab­gelassenen Teichen. So wurden beispielsweise für den Schwarzstorch, See- und Fischadler, verschiedene Schwimmentenarten und den Bergpieper beachtliche Konzentrationen festge­stellt.