Heft 
Band 21
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Die hier vorgestellten Gewichtsschwankungen bei gleichaltrigen Nestlingen des Bluthänflings sind sicher der Grund dafür, dass für die Nestlingszeit die große Spanne von 12-17 Tagen angegeben wird, was allerdings auch auf andere granivore Passeres teilweise zutrifft(BAuEr et al. 2005). Nach unseren Erfahrungen ist eine Altersbestimmung der Nest­linge auf Grund ihres Gewichtes nicht oder nur mit einem großen Fehler möglich.

Die unterschiedliche Nestlingsdauer kann nur mit wenigen eigenen genauen Daten gestützt wer­den. Im Alter von elf Tagen flüchteten in einem Fall alle Jungen nach der Beringung. In zwei Nestern verließen die Jungen mit 14 Tagen das Nest. Das Nesthäkchen einer Brut brauchte 15 Tage, bis es al­lein das Nest verlassen konnte.

3.7 Brutverluste

Die Ursachen für das Verlassen von Vollgelegen ebenso wie für Gelege- bzw. Jungenverluste bleiben meistens unklar. Einige Besonderheiten sollen aber erwähnt werden.

In den Kartoffelrosen traten Mäuse verstärkt als Prädatoren oder Nestnutzer(mitunter Fund von Mäusekot) auf. Einzelne Nester waren mit Blüten­blätternoder mit zahlreichen Hagebutten ausgefüllt. Ein Gelege war Anfang August durch Kerne und Schalen von Hagebutten völlig zusammengeklebt. Mitunter lag die Innenpolsterung locker im Nest. Bei einer Kontrolle saß einmal eine Maus un­ter dieser Innenpolsterung. In einem anderen Nest fand ich bei der erstmaligen Kontrolle ein abgebissenes Bein vor. Das einzige Junge im Nest

Prozentualer Anteil

3 4 Junge/Nest * Abb. 7: Prozentualer Anteil der Brutgrößen des Blut­hänflings. Fig. 7: Percentage of brood size of the Linnet.

Otis 21(2014)

überlebte ebenfalls nicht, einige Tage später lag dessen Schädel auf dem Nestrand.

Mitte August wurde ein Nest entdeckt, weil die Jungen laut riefen. Obwohl sie noch nicht flügge waren, saßen sie bereits außerhalb um das Nest herum, das wie sie selbst dicht mit Milben besetzt war. Immer wieder traten schiefe Nester auf. Ein aus dem Nest gefallener unterkühlter Jungvogel wurde wieder in das Nest gesetzt und flog einen Tag später als seine Nestgeschwister aus. Vermut­lich durch Windeinwirkung war ein Nest in einem Schneebeerenstrauch am freien Hang des Kien­berges seitlich total zusammengequetscht worden. Zweimal wurden alle Jungvögel einer Brut von Ma­den durchsetzt bzw. bereits als Gerippe gefunden. An einem warmen Maitag befanden sich in einem Nest vier eintägige Nestlinge. Von zwei noch ver­bliebenen Eiern hatte eines ein großes Loch, war aber nicht gesprungen. Der völlig ausgetrocknete, bewegungslose Nestling wurde aus dem Ei befreit und zu den Nestgeschwistern gelegt. Später flogen aus diesem Nest sechs, inzwischen beringte Junge aus.

3.8 Reproduktion

In 202 Nestern waren nachweislich Eier gelegt wor­den, aber nur 181 Nester wurden erneut kontrolliert bzw. überhaupt erst zu einem späteren Brutzeit­punkt gefunden. Dabei wurde der Verlust von 56 Gelegen festgestellt, d.h. in 69% der begonnenen Bruten schlüpften Nestlinge. Von den 125 Nestern mit geschlüpften Nestlingen wurden 14 nicht erneut kontrolliert, in weiteren 20 Nestern verschwanden die Nestlinge vor dem Ausfliegen(siehe voriges Ka­pitel). Aus 91 Nestern flogen Junge aus, was einem Ausfliegeerfolg von 82% entspricht. Während der Nestlingszeit der Jungen sind die Totalverluste ge­ringer als während der Zeit der Bebrütung der Ge­lege. Bezogen auf die Gesamtheit aller begonnenen Bruten waren 56% erfolgreich(= Nesterfolg nach BAIRLEIN 1996).

Betrachtet man dagegen nur den Teil der Nester, bei dem die Vollgelegestärke bekannt war(n= 150), ergeben sich ähnliche Erfolgsquoten. Diese Nester wurden ebenfalls nicht alle erneut kontrolliert. Für 115 Bruten wurde letztlich der Schlupf- und Aus­fliegeerfolg ermittelt. Aus 65 begonnenen Bruten