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Die hier vorgestellten Gewichtsschwankungen bei gleichaltrigen Nestlingen des Bluthänflings sind sicher der Grund dafür, dass für die Nestlingszeit die große Spanne von 12-17 Tagen angegeben wird, was allerdings auch auf andere granivore Passeres teilweise zutrifft(BAuEr et al. 2005). Nach unseren Erfahrungen ist eine Altersbestimmung der Nestlinge auf Grund ihres Gewichtes nicht oder nur mit einem großen Fehler möglich.
Die unterschiedliche Nestlingsdauer kann nur mit wenigen eigenen genauen Daten gestützt werden. Im Alter von elf Tagen flüchteten in einem Fall alle Jungen nach der Beringung. In zwei Nestern verließen die Jungen mit 14 Tagen das Nest. Das Nesthäkchen einer Brut brauchte 15 Tage, bis es allein das Nest verlassen konnte.
3.7 Brutverluste
Die Ursachen für das Verlassen von Vollgelegen ebenso wie für Gelege- bzw. Jungenverluste bleiben meistens unklar. Einige Besonderheiten sollen aber erwähnt werden.
In den Kartoffelrosen traten Mäuse verstärkt als Prädatoren oder Nestnutzer(mitunter Fund von Mäusekot) auf. Einzelne Nester waren mit Blütenblätternoder mit zahlreichen Hagebutten ausgefüllt. Ein Gelege war Anfang August durch Kerne und Schalen von Hagebutten völlig zusammengeklebt. Mitunter lag die Innenpolsterung locker im Nest. Bei einer Kontrolle saß einmal eine Maus unter dieser Innenpolsterung. In einem anderen Nest fand ich bei der erstmaligen Kontrolle ein abgebissenes Bein vor. Das einzige Junge im Nest
Prozentualer Anteil
3 4 Junge/Nest * Abb. 7: Prozentualer Anteil der Brutgrößen des Bluthänflings. Fig. 7: Percentage of brood size of the Linnet.
Otis 21(2014)
überlebte ebenfalls nicht, einige Tage später lag dessen Schädel auf dem Nestrand.
Mitte August wurde ein Nest entdeckt, weil die Jungen laut riefen. Obwohl sie noch nicht flügge waren, saßen sie bereits außerhalb um das Nest herum, das wie sie selbst dicht mit Milben besetzt war. Immer wieder traten schiefe Nester auf. Ein aus dem Nest gefallener unterkühlter Jungvogel wurde wieder in das Nest gesetzt und flog einen Tag später als seine Nestgeschwister aus. Vermutlich durch Windeinwirkung war ein Nest in einem Schneebeerenstrauch am freien Hang des Kienberges seitlich total zusammengequetscht worden. Zweimal wurden alle Jungvögel einer Brut von Maden durchsetzt bzw. bereits als Gerippe gefunden. An einem warmen Maitag befanden sich in einem Nest vier eintägige Nestlinge. Von zwei noch verbliebenen Eiern hatte eines ein großes Loch, war aber nicht gesprungen. Der völlig ausgetrocknete, bewegungslose Nestling wurde aus dem Ei befreit und zu den Nestgeschwistern gelegt. Später flogen aus diesem Nest sechs, inzwischen beringte Junge aus.
3.8 Reproduktion
In 202 Nestern waren nachweislich Eier gelegt worden, aber nur 181 Nester wurden erneut kontrolliert bzw. überhaupt erst zu einem späteren Brutzeitpunkt gefunden. Dabei wurde der Verlust von 56 Gelegen festgestellt, d.h. in 69% der begonnenen Bruten schlüpften Nestlinge. Von den 125 Nestern mit geschlüpften Nestlingen wurden 14 nicht erneut kontrolliert, in weiteren 20 Nestern verschwanden die Nestlinge vor dem Ausfliegen(siehe voriges Kapitel). Aus 91 Nestern flogen Junge aus, was einem Ausfliegeerfolg von 82% entspricht. Während der Nestlingszeit der Jungen sind die Totalverluste geringer als während der Zeit der Bebrütung der Gelege. Bezogen auf die Gesamtheit aller begonnenen Bruten waren 56% erfolgreich(= Nesterfolg nach BAIRLEIN 1996).
Betrachtet man dagegen nur den Teil der Nester, bei dem die Vollgelegestärke bekannt war(n= 150), ergeben sich ähnliche Erfolgsquoten. Diese Nester wurden ebenfalls nicht alle erneut kontrolliert. Für 115 Bruten wurde letztlich der Schlupf- und Ausfliegeerfolg ermittelt. Aus 65 begonnenen Bruten