Heft 
(1928) 37
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liches Gemeindeoberhaupt war. Er war großzügig in seinem Wirt­schaftsbetrieb und weniger als andere Landwirte auf Erwerb bedacht, hielt z. B. zeitweilig 6-8 Pferde, während die andern Großbauern nur 4-6 hatten. Mein Großvater mütterlicherseits, also der unmittelbare Vorfahr dieses tüchtigen Stammhalters, wohnte in der Zeit, in den fünf­ziger und sechziger Jahren mit seiner sehr tatkräftigen Gattin als Alt­sitzer auf dem schönen Hofe und genoß von den Seinen alle ihm ge­bührende Rücksicht und Ehre. Er liebte es, im Winter am Ofen vor dem Kamin zu sitzen, in dem das würzige Kienholz brannte, und von seinen Kriegszeiten zu erzählen. Nach seinem Tode wurde der Kamin leider zugemauert, der dem Zimmer an Winterabenden einen so an­heimelnden Anstrich gegeben hatte. Mein Großvater hatte die Freiheits­kriege mitgemacht, war zweimal in Paris unter Feldmarschall Blücher als Gardesoldat eingezogen, unverwundet zurückgekommen und lebte mit seinen Erinnerungen natürlich sehr in den Kriegszeiten. Er starb, 83 Jahre alt, im Jahre 1871, hatte also noch den 70 er Krieg erlebt. Uebrigens war auch mein Großvater väterlicherseits Landesverteidiger gewesen, aber gleich in den ersten Kämpfen gegen Napoleon im Inlande schwer verwundet und kriegsunfähig geworden, aber sonst wieder ganz hergestellt, so daß er ebenfalls ein hohes Alter erreichte. Die militä­rischen Ueberlieferungen in dem Ragower Stammhause meiner Mutter wurden durch zahlreiche Nachkommenschaft in ihm lebendig gehalten. Vier der fünf Brüder meiner Mutter hatten ,, des Königs Rock getragen". Auch die sonstigen Höfe stellten viele Soldaten. An den hohen kirch­lichen Feiertagen belebten die zahlreichen Urlauber, meist Gardekavalle­risten, in ihren ,, Extrauniformen", das Straßenbild und nahmen natürlich auch an den Festgottesdiensten teil. Kein Wunder daher, daß auch die Dorfjugend für das Heer sehr begeistert war, niemand darunter jedoch mehr als ich, der ich in meiner Eigenschaft als Lehrersohn und als Be­sitzer einer Trommel und eines Säbels ein gewisses Uebergewicht über meine Schulkameraden besaß und an ihnen willige Gefolgsleute fand. Ich war also der Höchstbefehlshaber und Trommelschläger in einer Per­son, da ich keines von diesen beiden hohen Aemtern abgeben mochte, zumal niemand so gut trommeln konnte, wie ich, und ich im Exerzieren manches den Soldaten abgesehen hatte. Im übrigen waren unsere Ju­gendspiele die auf dem Lande üblichen, wie Handball, Jäger und Wolf, Räuber und Gendarm, sowie das beliebte Anschlagen und Versteckspie­len, das aber nur abends oder in der Dämmerstunde auf dem dem Schul­hause gegenüberliegenden Kirchhofe ausgeübt wurde, wobei die Kirchen­tür die Anschlagstelle und die Grabhügel und die Grabbäume die Ver­stecke bildeten. Das gelinde Gruseln, das mit den Spielen auf dem Kirch­um so anziehender. hofe verbunden war, machte das Spiel nur Erzählungen in der Dämmerstunde bildeten natürlich auch eine ange­nehme Unterhaltung, wobei einzelne Dorfjungen eine große Erzählergabe und Gedächtnisstärke für Märchen bekundeten. Manche von diesen, die

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