Heft 
(1928) 37
Seite
45
Einzelbild herunterladen

I

1

r

n

T

45

stellt wurden, der am frühen Nachmittage eines herrlichen Herbst­tages, also am 18. Oktober 1863, vor sich ging. Es war ein Kiefern­wäldchen, etwa eine halbe Stunde vom Dorf ab, in dem die., versunkene Glocke" eines früheren Dorfes, der Wüste- Mark, liegen sollte. Ein halbes Jahr später sah ich in Berlin vor dem Krollschen Theater am Tiergar­ten das Lager unserer Truppen, die zur Befreiung der Elbherzogtümer von dänischer Zwangsherrschaft ausrückten, und abermals etwas später auf dem Platze vor der Universität und dem Opernhause, ein österreichi­sches Infanterieregiment, das in seine Heimat zurückkehrte und vom alten Kaiser Wilhelm, damals noch König von Preußen, zu Fuß besichtigt wurde. Mit diesen Vorgängen wurde nach 50 Jahren friedlichen Daseins die große neue Zeit Deutschlands eröffnet, in der unser Volk die rühmlichsten und erfolgreichsten Kriegestaten vollführte, aber schließlich einer ganzen Welt von Feinden und einigen schweren Fehlern der Staats- und Kriegs­leitung, aber mit hohen Ehren unterlag, immerhin aber ein einiges Deut­sches Reich geblieben ist, das allerdings numehr um den ihm gebührenden freien Platz in der Welt schwer kämpfen muß. Zu den blutigen Kriegs­opfern, die namentlich der letzte ungeheure Kampf dem. deutschen Voik auferlegt hat, hat auch mein Heimatdorf und das Stammhaus der Fa­milie meiner Mutter schmerzlich beitragen müssen; zwei von den Ur­enkeln meines Großvaters wurden schwer verwundet, während ein drit­ter leider in Polen gefallen ist. Auch mehrere Urenkel meines Groß­vaters väterlicherseits nahmen am Weltkriege als Frontkämpfer teil, dar­unter mein ältester Sohn, ferner, als oberer Militärbeamter im kaiserlichen Hauptquartier, einer seiner Enkel, ein jüngerer Bruder von mir.

So umfassen meine Erinnerungen vier Geschlechterfolgen aus per­sönlicher Kenntnis und einen Zeitraum von fast 150 Jahren. Denn meine Großväter, die den Freiheitskrieg mitgemacht hatten, waren doch schon um das Jahr 1790 geboren, und in gleicher oder ähnlicher Weise hat das Lehrerhaus in meinem Heimatdorfe an allen diesen Zeitereignissen regen Anteil genommen und mit ihnen innige Beziehungen unterhalten. Besonders auch durch die gegenseitige Durchdringung und Beeinflussung betreffend das Geistes- und Gemütsleben, das in dem märkischen Lehrer­hause hauptsächlich gepflegt wurde. Für die in ihm herrschende ideale Le­bensanschauung war ein fruchtbarer Boden gegeben durch die glückliche Uebereinstimmung der Grundsätze und Neigungen in den beiderseitigen Familien der Eltern und ihrer Vorfahren, die über den gewöhnlichen Stand und Begriff des Landvolkes, wie man wohl sagen kann, weit hin­ausgingen. Die Ragower Verwandten saßen als freie Bauern, wie ich als ,, Pennäler" mit Begeisterung in einer Geschichte der Mark Brandenburg vom Berliner Stadtarchivar Fidicin später las, schon vor dem 30 jährigen Kriege in Ragow und haben stets eine hervorragende Stellung in der steht im Dorfbewohnerschaft inngehabt. Mein dortiger Großvater Kirchenbuche als..eine Zierde der Gemeinde" verzeichnet. Den Namen eines seiner Vorfahren hatte ich schon früher immer mit besonderer An­