Heft 
(1928) 37
Seite
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die zur Verfügung stände, hatten nur den Zweck zu zeigen, daß man sich seit dem 16. Jhd. in allen Teilen des deutschen Sprachgebiets bewußt war, daß neben dem verbreiteten dunklen a- Laut das helle a doch der richtige Laut sei, der allerdings zunächst überall nur ein Aussprache­ideal blieb und erst allmählich und spät vordrang.

S. hält die Aussprache des hellen a in Berlin anscheinend für viel älter, als sie ist. Ich sehe aus einer Reihe von Gründen eine Entwicklung der hochdeutschen Zeit in ihr, die verhältnismäßig jung ist, wohl im 18. Jhd. noch vordringend, abgeschlossen wohl erst Anfang des 19. Jhd. Gerade die Beobachtung, daß das helle a nicht sehr alt sein kann, war es, die zuerst Zweifel an E. S.s These in mir wach rief.

Die grundlegende Tatsache, die überhaupt erst die Anschauungen von der berlinischen Mischsprache beseitigt, die Auffassung des Berlini­schen als einer einheitlichen Sprachform möglich gemacht hat, von der jede Seite meines Buches zeugt, ist die Erkenntnis, daß das Berlinische seiner Grundform nach nicht Fortsetzung des früher hier gespro­chenen niederdeutschen Dialekts, nicht einfach aus ihm zu gewinnen ist, sondern daß es die hochdeutsche ostmittel­deutsche Sprachform wiedergibt, die man Anfang des sech­zehnten Jahrhunderts hier aufnahm mit ostmitteldeutschem Lautstand. Zum Niederdeutschen stimmt es( außer in einzelnen Wortaufnahmen) nur dann, wenn dieses vom Ostmitteldeutschen nicht verschieden war. Gewiß sprach man die fremden Laute( z. B. b und p und d und t, wo man die schwierigen sächsischen Laute nicht traf, nicht nachahmen konnte) mit niederdeutscher Zunge, aber die niederdeutsche Lautstufe, der nieder­deutsche Laut stand war aufgegeben. Das hat S., der sich von der alten Ansicht noch nicht ganz frei gemacht hat, in dem besprochenen Abschnitt nicht genügend scheiden können. Man( d. h. die für die Auf­nahme des Sächsischen maßgebenden Klassen) sprach wohl ,, Steen" und ,, Boom", aber nur( das ist der Kern der Beweisführung meines Buches), weil hier beide Sprachen gleichen Vokalismus hatten; dagegen sprach man ,, Haus, mein", nicht wie märkisch ,, Hus, min"; man sprach nicht ,, Bluome" oder Bluot", sondern ,, Blume", ,, Blut", nicht neämen, ,, Eäsel", sondern ,, nämen, Äsel"( nehmen, Esel; die heutige Aussprache mit e ist erst jung, eine norddeutsche Sprachentwicklung die wir in Berlin seit dem Ende des 18. Jhd. nachweisen können), nicht Noame, son­dern Name mit dunklem sächsischen a. Und schließlich die Gruppe -age-, auf der S.s These beruht? Was der meiẞnische Lehrmeister um jene Zeit sprach, was der Berliner lernte, erfahren wir von dem zeitge­nössischen Fabian Frangk, einem Schlesier, der seine Kanzleilehrbücher in Wittenberg schrieb, 1531, der uns für Wagen und Nagel als meiẞni­sche Form ,, woyn, noyl"( woien, noiel) überliefert, Angaben, die dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnen, daß sie für die Neuzeit bei Franke. Der obersächsische Dialekt, S. 10, 19, 31, ebenso in der Sächsischen Volks­kunde bestätigt werden( woan Wagen spricht der südliche Teil der