Heft 
(1928) 37
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Fahrstände ermöglichen die gleichzeitige Ausbildung von 10 Fahrern in den Fahr- und Bremsgriffen, während den andern Lernenden auf den dahinter angebrachten Sitzplätzen Gelegenheit zur Beobachtung ge­geben ist.

Nach einigen ergänzenden Ausführungen des Führers schieden wir mit der Ueberzeugung, daß die Straßenbahn bei der Auswahl und Aus­bildung der Fahrer alles unternimmt, um Unglücksfällen im Betrieb nach Möglichkeit vorzubeugen. Herr Poetters dankte Herrn Betriebs­ingenieur Schulz für die eingehende und in Anlage und Durchführung vorbildliche Führung, und wir danken der ,, Brandenburgia", den durch Schönheit und Zweckmäßigkeit gleichmäßig ausgezeichneten Straßen­bahnhof und damit eine wertvolle Bereicherung der industriellen Bauten Berlins kennen gelernt zu haben.

F. Paulus.

Vogelkundliche Wanderung durch das Golmer Luch. ( 29. April 1928.)

Wir wollten in das Vogelparadies, in das Golmer Luch, das heute aber nur auf seinen hohen Dämmen betretbar blieb. Am Rande des Luchs wurden wir von den freundlich kullernden, den flötenden Tönen des Brachvogels aus der Familie der Schnepfenvögel begrüßt. Herr Dr. Helfer, der heute die Führung übernommen hatte, stellte uns den brau­nen Gesellen vor, der allen noch unbekannt war. Die Goldammer sang vom hohen Baum. Auch ihre Schwester, die Grauammer, flog zum Gruß uns um die Nasenspitze. Eine Rohrweihe flog niedrig über dem Schilf, Beute zu suchen, Rohrspatzen waren frech und ohne Scheu, der Drosselrohrsänger fehlte nicht im Kranze der Stimmen, auch der Schilf­rohrsänger sang und flog. Hoch in der klaren Luft, wundervoll scharf zu sehen, ein Fischreiher, den Hals in schöner S- Linie geschwungen. Man erfuhr, daß das die charakteristische Flugart des Fischreihers ist, während seine nahen Verwandten, der Kranich und auch der Storch, mit weit vorgestrecktem Hals dahinfliegen. Lustig tanzten die Schwanz­meisen von Ast zu Ast, flink und behende spazierte der Baumläufer den Baum hinauf; wenn er herunterspazieren kann, heißt er Spechtmeise oder Kleiber. Interessiert beobachtete man den Kiebitz, der sich um all die neugierigen Augen gar nicht scherte, sondern ruhig mit den Würmern innigste Freundschaft schloß; er hatte sie zum Fressen gern. Auf das schon im Gange befindliche Brutgeschäft war es wohl auch im großen mit zurückzuführen, daß sich nicht soviel Vögel zur Beobachtung zeig­ten, wie man angenommen hatte. Trotzdem, was man beobachten konnte, war reichhaltig genug. Landschaftlich bot das Luch manche in­timen Blicke auf die kleinen Werder, bei denen wieder andere Naturlieb­haber standen, die tiefsinnig ins Wasser starrten, während wir die Blicke ins Blau erhoben.