Märkische \V a sse rge i sie r.
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vcnisiage hört man den ganzen Tag über eine herrliche Musik, wie von Pauken und Trompeten und auch Gesang, und die kommt aus dem Koffer. Ein Schäfer war einst gerade an diesem Tage mit einem alten Fischer und noch anderen dort in der Nähe, und es war ihnen allen schon den ganzen Tag wie Musik in den Ohren; als sie nun dem Sec näher kamen, wurde diese immer deutlicher, und wie sie endlich am Ufer anlangten, sahen sie den Koffer und hörten die Musik in ihrer ganzen Schönheit.
Wunderbareres kann man aber noch am Neujahrstagc dort erleben, denn da sieht man Leinen quer über den ganzen Sec gezogen, darauf hängt die allcrfeinstc Wäsche, und zwar so schöne Hemden, Ueberzüge, Handtücher, Laken und dergleichen mehr, daß sie wohl jeder gern haben möchte. Zum See führen dann ordentliche, von Rasen gemachte Stufen hinab, und es scheint so recht einladend gemacht, daß einer die Wäsche haben solle. Eine Frau kam nun auch einmal am Neujahrstagc des Weges, und da der See immer an dem Tage zugefroren ist, heute aber gerade so fest war, daß man noch die Spuren der schweren Holzwagen sah, die darüber gefahren waren, konnte sie dem Gelüste nicht widerstehen und wollte eins der schönsten Stücke haben, aber wie sie hingeht und faßt nur kaum die ersten Klammern, an, gibt’s ein fürchterliches Krachen, das Eis bricht unter ihr zusammen, und sie hätte unfehlbar ertrinken müssen, wenn ihr nicht noch die irischer,, die gerade auf dem Sec fischen wollten, zur rechten Zeit zu Hilfe gekommen wären. Wie Einige erzählen, soll sich dies alles nicht auf dem Blumen - thal-, sondern auf dem Straussee zutragen.
Kreis Oberbarnim.
44. Der Tcufelssec bei Schönwalde.
Der Teufelssee bei dem osthavelländischen Dorfe Schönwalde soll sehr sumpfig sein und von großer Tiefe. Ein Dorf soll auf dem Grunde ruhn und an der tiefsten Stelle die Kirche. Oft hat man den See in der Mitte ausmessen wollen, hat lange Leinen aneinander gebunden, und einen Stein daran heruntergelassen, der fand aber keinen Grund. Schönwalder bischer holten einmal einen großen Barsch aus dem See, als sie ihn aber in einem Kober wegtragen, wollten, riefen ihnen die Geister aus der Tiefe des Sees nach; „Bringt uns unsern Barsch zurück, sonst geht’s Euch schlecht!“ Da die Rufe immer lauter und dringender erschollen, wurden die Fischer ängstlich, trugen den Kober nach dem See zurück und öffneten ihn. Und mit einem mächtigen Satz ist der befreite Barsch zurückgesprungen in sein Element. Kreis Osthavelland.
(Schluß folgt.)