Heft 
(1921) 30
Seite
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Heimatkunde und Schule

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können Heimatkunde und heimatkundlicher Unterricht nur erfolgreich wirken, wenn sie in engster Verbindung stehen mit der Wissenschaft, die nicht nur neue Wege erschließt und neue Erkenntnis zu tage fördert, sondern auch das Wertvolle vom Wertlosen, das Echte vom Unechten unterscheiden lehrt. Scharfe Scheidung ist in allen Fällen, in denen das geistige Gut in breite Volksschichten getragen werden soll, bitter notwendig, und gerade auch die Heimatkunde ist der Gefahr der Verflachung in erheblichem Maße ausgesetzt.. So muß von allen Seiten das Streben nach Erweiterung des Wirkungskreises verbunden werden mit dem Streben nach Vertiefung. Die Notwendigkeit der Erweiterung sowohl als der Vertiefung wird denn auch in wissenschaftlichen wie in pädagogischen Kreisen allgemein anerkannt. Ueber eine Reihe von Versuchen mit gutem Erfolge möchte ich in folgendem berichten:

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In der ersten August woche tagte in Hildesheim der Anthropologen­kongreß, der beinahe alle namhaften Forscher aus den Gebieten der Ethno­logie, Anthropologie und Urgeschichte aus Deutschland und Oesterreich ver­sammelte und so stark besucht war wie vorher kein anderer. Die Vorträge über Völkerkunde und Schule"( Univ.- Prof. Weule- Leipzig) und Vor­geschichte und Schule"( der Unterzę nete) wurden von der Kongreß­leitung an die erste und zweite Stelle gesetzt unter besonderer Betonung der Bedeutung gerade dieser Themen für unsere Zeit. Ich behandelte die Vorgeschichte im Rahmen des Heimatunterrichts aller Schnlen bis hinauf zur Universität und forderte auch hier wieder Heimatinstitute zur Vor­bereitung der Lehrer und Oberlehrer für die Erteilung eines erfolgreichen heimatkundlichen Unterrichts. Die Versammlung erkannte die Notwendigkeit einer viel innigeren Verbindung der Wissenschaft mit der Schule an und be­kräftigte ihren Standpunkt durch eine einstimmig angenommene Entschließung, die ebenso wie die Vorträge im nächsten Korrespondenzblatt der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie veröffentlicht werden soll.

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In der zweiten Augustwoche fand in Würzburg die erste vom, Reichs­bund Heimatschule", veranstaltete ,, Heimatschulwoche" statt. Eine stattliche Reihe von Vorträgen und Besichtigungen führten die etwa 400 Hörer in alle wichtigen Fragen und Gebiete der Heimatkunde ein. Die Vorlesungen im großen Hörsaale der Universität fanden außerordentlichen Zuspruch. Der erste Versuch des Reichsbundes muß als großer Erfolg betrachtet werden. Von der Brandenburgia waren als Dozenten auf besonderen Wunsch der bayerischen Lehrerschaft vertreten Herr Ratthey, der Vorsitzende des Reichs­bundes Heimatschule und der Unterzeichnete. Berichte über die Tagung sind veröffentlicht in der Zeitschrift ,, Heimatschule" Jahrg. 1921( Verlag Friedr. Kortkamp, Langensalza). Zur Aussprache für die Heimatschulwoche 1922 und zur Durcharbeit in den Arbeitsgemeinschaften ist unter anderem schon im Dienste der Heimatinstitute jetzt in Aussicht genommen: Lehrerbildung.

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Während der letzten Septemberwoche veranstaltete das ,, Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht", Berlin, Potsdamer Str. 120) in Königs­berg N.-M. einen Herbstlehrgang, der starken Zuspruch aus der ganzen Der Neumark fand und in dem auch die Heimatkunde zu Worte kam. Unterzeichnete sprach über Heimatkunde und Vorgeschichte" und veranstaltete eine Führung zum Burgwall nach Kl. Mantel, wo auch die Be­sichtigung der interessanten Sammlung des Herrn Baron v. Saldern freund­lichst gestattet wurde. Mit Herrn Prof. Dr. Weiske und Herrn Prorektor Bender gemeinsam führte ich durch die kleine vorgeschichtliche Sammlung des Königsberger Museums sowie durch die gut erhaltenen Befestigungs­