Heft 
(1922) 31
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Von der Arbeit des Ausschusses für Heimatschutz

Von der Arbeit des Ausschusses für Heimatschutz. Von Dr. K. Keller.

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Der Ausschuss hat seit seiner ersten Sitzung am 9. Juni vorigen Jahres eine rege Tätigkeit entfaltet. Zunächst richteten wir an den Oberpräsidenten eine Eingabe, in der wir gegen eine weitere Abholzung der Pürschheide zwischen Potsdam und dem Schwielowsee Einspruch erhoben. Hierauf erhielten wir am 30. November 1921 die Antwort, die zuständige staatliche Forstverwaltung werde bemüht sein, insbesondere den an die Havel angrenzenden Teil der Pürschheide möglichst in seinem Baum­bestande zu erhalten. Wir möchten auch an dieser Stelle den Wunsch aussprechen, dem wir bereits in unserer Eingabe Ausdruck gegeben haben, die für das Landschafts­bild bedeutsamen Wälder möchten nach Möglichkeit als Mischwald, nicht als reiner Kiefernforst und im Plenter-, nicht im Kahlschlagbetrieb bewirtschaftet werden. Es ist bekannt, daß zahlreiche namhafte Forstleute auch aus wirtschaftlichen Gründen dem Mischwald und der Plenterwirtschaft den Vorzug geben.

Eine zweite Frage, die uns eingehend beschäftigt hat, war die drohende Ver­unstaltung des Tegeler Fliesstales durch den zweigleisigen Ausbau der Eisenbahn­strecke Berlin- Hennigsdorf und die Anlage eines Verschiebebahnhofs. Wir wandten uns auch wegen dieser Angelegenheit am 18. Juli 1921 in einer Eingabe an den Ober­präsidenten und erhoben ausserdem gegen die Feststellung der Pläne wegen Gefähr­dung öffentlicher Interessen Einspruch. Unsere Eingabe wurde am 18. Oktober im wesentlichen abschlägig beschieden. Bei einem landespolizeilichen Prüfungstermin, der am 27. Oktober zur Erledigung der Einsprüche abgehalten wurde, konnte nur er­reicht werden, dass die Eisenbahndirektion Berlin die Erhaltung der Bergnase zu­sagte, die, von der Chaussee Tegel- Schulzendorf gesehen, das Fliesstal im Hinter­grunde abschliesst.

Wir begnügten uns hiermit nicht, sondern forderten in einer zweiten Eingabe vom 2. November, dass künftig bei der Aufstellung von Bebauungsplänen die Ver­treter des Heimatschutzes gehört werden sollten, und dass für das gesamte Gebiet, in dem das Fliesstal liegt, ein Generalbebauungsplan aufgestellt werde. Auf diese Eingabe erhielten wir am 14. März den Bescheid, dass der Brandenburgia" ein ge­setzliches Recht auf Anhörung nicht zustehe. ,, Ich habe aber", schrieb der Ober­präsident weiter, dem Herrn Polizeipräsidenten von Berlin. Abteilung I und den Herren Regierungspräsidenten in Potsdam und Frankfurt a. O. von Ihrem Wunsche Kenntnis gegeben und diese Behörden ersucht, bei der Prüfung von Bebauungsplänen, bei denen wichtige Heimatschutzinteressen in Frage kommen könnten, wenigstens der Staatlichen Stelle oder. soweit die Provinz Brandenburg in Fräge kommt, der Bran­denburgischen Provinzialkommission für Naturdenkmalpflege Gelegenheit zur Stellung­nahme zu geben. Insoweit die Stadt Berlin für die Aufstellung von Bebauungsplänen in Betracht kommt, stelle ich ergebenst anheim, sich mit dem Magistrat dahingehend in Verbindung zu setzen, dass er bei sich eine Stelle für Naturdenkmalpflege er­richte, falls er es nicht vorzieht, die staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege oder Ihre Gesellschaft bei der Aufstellung von Bebauungsplänen heranzuziehen." Ferner teilte der Oberpräsident mit, dass er den Magistrat und den Polizeipräsidenten von Berlin ersucht habe, der Erhaltung des Fliesstales nördlich von Tegel volle Anteil­nahme entgegenbringen zu wollen und die nachgeordneten Dienststellen zu anlassen, ihr die ganze Aufmerksamkeit zu widmen.

ver­

Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit steht die drohende Abholzung eines Waldstreifens nördlich von Schulzendorf zwecks Sandentnahme für den Bahnbau. Unsere Bitte, diesen Waldstreifen zu erhalten, lehnte das Landwirtschaftsministerium am 6. Januar ab mit dem Hinweis auf die Bedeutung des Bahnbaues für den täglichen Hin- und Rücktransport von Zehntausenden von Industriearbeitern nach Hennigsdorf. Die öffentlichen" Interessen gingen in vorliegendem Falle denen des Heimatschutzes vor. Abgesehen von der etwas eigenartigen Auffassung, dass Heimatschutzinteressen keine öffentlichen seien, widerspricht es allen Grundsätzen einer gesunden Wohnungs­politik, durch besondere Verkehrserleichterungen die Zusammendrängung der Be­völkerung in den Mietskasernenvierteln der Grosstadt zu fördern, statt die Arbeiter am Orte ihrer Tätigkeit in Gartenstädten anzusiedeln.

Grösseren Erfolg hatten wir mit einer Eingabe an den Regierungspräsidenten zu Potsdam für Erhaltung der Georgenkapelle in Straussberg. Es gelang uns, dieses Bauwerk, das abgebrochen oder in eine Bahnhofswirtschaft umgewandelt werden sollte,

zu retten.

Unsere grösste Arbeit in den vergangenen Monaten war der Entwurf eines Heimat­und Denkmalschutzgesetzes, den wir auf Bitte des Deutschen Bundes Heimatschutz fertigstellten und sowohl diesem wie dem Kultusminister einreichten. Der Bund seinerseits hatte vom Minister die Aufforderung erhalten, Vorschläge zu machen.