Heft 
(1924) 33
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Der erste Rest eines Gulo aus der norddeutschen

Tiefebene.

Von Dr. MAX HILZHEIMER,

Direktor der naturwissenschaftlichen Abteilung des Märkischen Museums.

Das

as Stück, eine vollständig erhaltene linke Ulna( Elle) eines Viel­fraßes, das nur an der vorderen Seite des oberen Gelenkes etwas abgerieben ist, habe ich bereits 1921 in Niederlehme bei Königs­wusterhausen von Arbeitern in einer Kiesgrube zwischen Liepnitzenberg und Wilhelmshöhe für das Märkische Museum( dortiger Katalog A, I., Nr. 9446) erworben.

Nach Nehring:" Tundren und Steppen" fällt im Allgemeinen die Verbreitung des Vielfraßes mit der des Rentieres zusammen. Obwohl er nun nach Kessler f. Nehring und Eichwald f. Blasius noch im 18. Jahrhundert in Lithauen und Wolhynien vorkam und ihn Brinken f. Blasius noch als Bewohner des Urwaldes von Bialowies nennt, ist sein Vorkommen im Diluvium der norddeutschen Tiefebene bisher nie erwähnt worden. Seine bisherige geologische und geographische Ver­breitung stellt sich, soweit mir die Literatur zugänglich ist, etwa wie folgt dar:

1. Präglazial:

a) Ungarn und zwar in den präglazialen Schichten des Somilyó­hegy bei Püspokfürdö nach Kormos: Drei neue Raubtiere usw." in Mitteilung und Jahrbuch d. kgl. geologischen ung. Reichsanstalt, 22. Band, 1914.

b) Deutschland und zwar in Mosbach nach W. v. Reichenau: ,, Revision der Mosbacher Säugetierfauna" Notizblatt des Vereins für Erdkunde und der großherzogl. geologischen Landesanstalt zu Darmstadt, 4. Folge, 1910.

c) England und zwar im Forestbed nach E. T. Newton: The Vertebrate of the Forestbed Series of Norfolk and Suffolk." London 1882 und Geological Magazine 1880.

Sämtliche anderen Fundorte sind:

2. Glazial:

a) Die englischen Fundorte sind zusammengestellt von Reynolds: Mustelidae." Palaeonto­" The pleistocene Mammalia.

graphical Society London 1912, Vol. 65, und

b) die französischen von Boule: ,, Note sur des restes de Glouton etc. L'Authropologie 1894, sodaß ich es mit der Be­ziehung auf diese beiden Arbeiten bewenden lassen kann, da für uns diese Länder von geringerer Bedeutung sind. Wichtiger sind für uns die östlich von Frankreich gelegenen Fundplätze, die ich aus der Literatur zusammenzustellen mich im Folgenden bemüht habe.

c) Belgien: Chaleux, Trou des Noutons, beide im Tal der Lesse mit Artefakten présentent déjà une regression sensible sur le bel âge du Magdalénien inférieur" nach Rutot: Note sur l'existence des couches à Rongeurs arctiques dans les cavernes de la Belgique" in Bull. de l'Acad. roy. de Belgique ( Cl. de sciences) 1910.

Höhlen bei Lüttich: Schmerling. Recherches sur les ossements fossils" f. Brandt- Woldrich, s. unten.