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formation in Niederdeutschland bekannt ist. Dadurch ist auch der Molkenmarkt, dessen Namen im Berliner Stadtbuch in der Form mulken und mollen erscheint, verständlich.
Nun wird geltend gemacht, und besonders von Kretzschmar 20), für die sächsisch- lausitzischen Gebiete verfochten, daß die kolonialen Kaufmannssiedlungen keine Landgemeinden als Vorläuferinnen gehabt haben. Bei vielen der von ihm behandelten Siedlungen mag das zutreffen, obwohl Kretzschmar selbst Ausnahmen zugestehen muß. Doch berührt das unsere Frage, die sich nicht mit der kolonialen, sondern zunächst mit der vorgeschichtlichen Dorfsiedlung befaßt, nur insofern, als in den Jahren zwischen 1170 bis 1220 nach und nach auch deutsche Kaufleute und Gewerbetreibende sich in diesem vorDaß ein solches geschichtlichen Berlin niedergelassen hatten. Zusammenleben vorgekommen ist, beweist das wiederholt angezogene Dorf Schollene; es wird aber auch durch die Anwesenheit von Holländern in der durch den Straßennamen„ Huuk" bemerkenswerten Altstadt Brandenburg wahrscheinlich gemacht.
Es gibt indessen noch einen anderen Einwand gegen eine vorgeschichtliche, bezw. deutsche Vorläuferin Berlins, der zu widerlegen ist. In vielen Urkunden, die von der Gründung deutscher Marktsiedlungen in dem Kolonialgebiete sprechen, stehen in deutscher oder lateinischer Sprache Ausdrücke, die„ bauen“,„ errichten" bedeuten. Kaeber) hat eine Anzahl zusammengestellt, die sich noch erheblich vermehren ließen. Man hat daraus schließen wollen, daß es sich um die Anlage einer ganz neuen Siedlung handelt, obgleich schon Kretzschmar 22) darauf aufmerksam macht, daß dadurch nur auf den Ursprung, nicht auf die Art der Entstehung zu schließen sei. Soweit es sich dabei um eine streng regelmäßige Kolonialanlage handelt, um Stadtgrundrisse, deren Straßen und Plätze keine auffallenden Unregelmäßigkeiten zeigen, werden die Ausdrücke wohl auf Gründungen aus grüner Wurzel schließen lassen, obwohl einzelne Bei der auch beim Wiederaufbau nach Bränden verwandt werden aber genügend nachgewiesenen Tatsache, daß aus praktischen und wirtschaftlichen Gründen ein neuer Ort mit eigenem Namen oft an einer Stelle erbaut wird, wo schon eine ältere Siedlung vorhanden ist oder war, würde es eine der ganzen Siedlungskunde ins Gesicht schlagende Behauptung sein, wenn in Brandenburg innerhalb weniger Jahrzehnte zahlreiche Städte ohne Rücksicht auf Vorsiedlungen angelegt worden wären. Aus dem 12. Jahrhundert zähle ich hier allein 12, ( Cottbus 1126, Lenzen 1136, Putlitz 1136, Freienstein 1136, Belzig 1150, Havelberg 1151, Brandenburg 1151, Jüterbog 1174, Prenzlau 1183, Beeskow 1185, Nauen 1186, Spandau 1197), in der Zeit von 1200 bis 1260 nicht weniger als 18 städtische Gründungen!( Luckenwalde 1217, Rathenow 1217, Friesack 1217, Kremmen 1217/1232, Fürstenberg 1235, Kyritz 1237, Cölln 1237, Perleberg 1239, Berlin 1244, Liebenwalde 1244, Wittstock 1248, Lychen 1248, Frankfurt 1250/1253, Königsberg 1254, Pritzwalk 1256, Neuruppin 1256, Landsberg 1257, Gransee 1262). Wir haben zudem aus einem anderen Gebiete, dessen Geschicke viel Aehnlichkeit mit den brandenburgischen haben, Beweise für das
20) a. a. O.
21) Forschungen zur Brandenburgischen und Preuß. Geschichte 38.( 1925) 22) a. a. O., S. 87.