Heft 
(1910) 18
Seite
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3. (1. ordentliche) Versammlung des XVIII. Vereinsjahres. 265

für historische Wissenschaften. Berlin 1908. S. 257.):Am 1. Novem­ber 1539 nahm Joachim in der Schloßkirche oder im Domstift zu Cölln aus den Händen der der evangelischen Lehre geneigten Brandenburger Bischofs das Abendmahl zuerst unter beiderlei Gestalt; am Tage darauf folgte ihm der Berliner Magistrat in der Nikolaikirche. Es war dies nur der letzte allerdings entscheidende Schritt auf einer seit Jahren ein­geschlagenen Bahn. Er machte deshalb auch herzlich wenig Eindruck, und ein ganzer Sagenkranz hat später dazu dienen müssen, den Vorgang etwas auszuschmücken. Hiervon spukt noch heute die Fabel verwirrend fort, als habe Joachim jenen Schritt in der Nikolaikirclie zu Spandau, dem Witwensitz seiner Muttter, in deren Gegenwart getan. Mangelhafter geschichtlicher Sinn hat sogar durch ein Joachim-Denkmal in Spandau der unausrottbaren Fabel wieder neues Leben geben müssen. In einer Anmerkung rechnet es sich der Verein als ein Verdienst an,daß er seit Jahren gegen den Irrtum, als habe der Übertritt in Spandau statt­gefunden, mit Gründen gekämpft und dabei wenigstens soviel erreicht habe, daß er nach und nach aus den Schulbüchern zu verschwinden be­ginnt, in denen er bisher gewuchert. Geht man den angeführten Gründen auf den Grund, so ergibt sich folgendes: In Heft XXXI des Vereins be­merkt Herr Dr. jur. Friedrich Iloltze in seinem ArtikelDie Berolinensien des Peter Hafftiz, jenes bekannten märkischen Chronisten im Ausgang des 16. Jahrhunderts, auf Seite 33 f.:Der Übertritt des Kurfürsten erfolgte entweder im Schloß oder im Dom zu Cölln (Hafftiz nennt den Tag des 1. November 1539, aber nicht den Ort); denn die Nikolaikirche zu Spandau ist wohl nur irrtümlich zu diesem Rufe gelangt. Die Kur­fürstin-Witwe Elisabeth weilte damals noch nicht in Spandau (seit den urkundlichen Feststellungen Riedels vom Jahr 1862 von allen ernsten Forschern anerkannt und aufgenommen) und ein andrer Beweggrund, Spandau zu wählen, läßt sich nicht ermitteln (?). Auch die Notiz im Hausbuch des Matthias v. Schwanebeck besagt nur (?), daß er und einige Adlige zu Spandau am 1. November 1539 von Matthias v. Jagow das Abendmahl empfangen hätten, nachdem der Kurfürst vorangegangen. Daß der Kurfürst aber vor den Toren seiner Residenz wie im Geheimen jenen wichtigen Akt vollzogen haben sollte, bedurfte, um Glauben zu finden, besserer Beweise. Diebesseren Beweise liegen in der richtig verstandenen Scliwanebecker Aufzeichnung, die den Hergang in schlichter Unmittelbarkeit erzählt, selberIn dem auf dem Geheimen Staatsarchiv befindlichen, dem Magistrat zu Spandau gewidmeten Exemplar des Hafftiz, so lesen wir weiter,wird ebenfalls nichts von jener Abendmahlsfeier in Spandau angegeben, obschon diese doch den wichtigsten Punkt in der Stadtgeschichte darstellen würde. Hafftiz wußte eben nichts genaues. Der Auszug aus dem Schwanebecker Hausbuch, uns durch Thomas Philipp v. d. Hagen 1767 zuerst übermittelt, w r ar ihm selbstverständlich un-

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