Heft 
(1921) 30
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Siedlungsarchäologische Uebungen

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messen, oder was wohl mit größerer Sicherheit anzunehmen ist, besaßen die Mammuts alle bis zu einem gewissen Lebensalter einen ausgeprägten Wandertrieb und wurden erst mit zunehmen­dem Alter Standwild, das sich in den Tälern aufhielt und nur selten dazu kam, rutschend Auf- und Abstiege zu bewältigen, wo­durch kaum Spuren an den Stoßzähnen zurückbleiben konnten. Starke Abrasionsflächen zeigen:

Der Stoßzahn des Beresowka- Mammuts,

Der Stoßzahn desMammutschädels aus der Krakauer Universitätssammlung,

Rechter Stoßzahn im Märkischen Museum( A I 9363) aus Nieder- Lehme bei Königswusterhausen.

Die Farbe der mir bekannten Zähne ist gelbbraun. Die Ab­nutzungsstellen sind grau bis schwärzlichbraun und zeigen zum Teil sehr deutlich die Elfenbeinmaserung, da durch den schrägen Schliff die Hütchen, aus denen sich der Zahn aufbaut, ange= schnitten werden. Jedes Hütchen ist mit einer härteren Schicht umgeben, die weniger als das weiche Zahnbein durch äußere Ein­flüsse eine andere Farbe annimmt. Der äußere Schmelz des

Zahnes zeigt immer eine gleichmäßige Färbung.

Bei heute lebenden Säugern, deren Zahnwachstum dem der Elefanten ähnelt, kommen Abrasionen an Zähnen in veränderter Lage bei Nagern, männlichen Schweinen und beim Celebes­Hirscheber vor.

Seit langen Jahren beschäftigte ich mich mit der Haltung und Pflege von Eichhörnchen. Es geschah, öfter, daß durch einen Unfall, Sprung auf den harten Fußboden, einem Hörnchen ein Nagezahn abbrach. Der mit einer Abrasionsfläche versehene gegenständige Nagezahn wuchs nun gleichmäßig weiter, wurde von dem nachwachsenden abgebrochenen Zahn nicht mehr ge­troffen, und verlängerte sich spiralförmig neben der Gesichtsseite.

In Neu- Guinea erzeugen einzelne Papuanerstämme einen ähnlichen Vorgang künstlich, indem sie ihren männlichen Haus­schweinen die oberen Hauer abbrechen. Der Hauer im Unter­kiefer wächst, da er nicht mehr abgenutzt wird, weiter bis zum Kreis. Derartige Zähne werden als kostbare Schmuckstücke hoch geschätzt.( Vergl. Finsch Abnorme Eberzähne in Mitt. d. An throp. Ges. Wien Bd. 17, 1887.)

Beim alten Celebes- Hirscheber haben wir einen Fall, der sich natürlich abspielt. Beim jungen Tier schleift der obere Hauer mit seiner Vorderfläche an dem unteren Hauer, beide werden zugeschliffen. Während des weiteren Wachstums geht der obere Hauer dem unteren aus dem Wege, und beim alten Tier finden wir die Abrasionsfläche flach über der Stirn.

Siedlungsarchäologische Uebungen und Studien im Märkischen Museum.

Jahresberichte Oktober 1919 bis September 1921.

( Vgl. Brandenburgia 1915 S. 117-120, 1916 S. 73-75 u. 1919 S. 37-38).

Im Herbst 1919 war der Andrang zu den Uebungen so stark, daß die Zahl der Teilnehmer beschränkt werden mußte. Nur Mitglieder mit hin­reichenden Vorkenntnissen wurde zugelassen.