Heft 
(1898) 7
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Friedrich Backsrliat, Kloster Zinna bei Jüterbog.

und einepiscina. Die Särge waren sclion in diesem Jahrhundert aus derselben entfernt und in die neben der Eingangskapelle liegende Kapelle gebracht worden, die dann zugemauert wurde, und haben nun, ebenso wie die unter dem Schifte der Kirche gefundenen Särge, auf dein Fried­höfe eine würdige Wiederbestattung gefunden.

Die Grabsteine der Abte hat i. J. 1730 der Kriegsrat Vieth weg­bringen lassen und zu seinem Schlossbau in Gollssen benutzt.

Auf vielen Stufen steigt man hinauf zum Glockentürmchen, durch dessen Schallöcher man einen wunderbaren Fernblick geniesst über das Städtchen Zinna und das hügelige Land des Fläming bis zu den Türmen der altelmvürdigcn St. Xicolaikirehe von Jüterbog.

Hier im Turme hängen drei Glocken aus der Zeit des Abtes Nicolaus. Die grösste trägt die Inschrift:

anno m° c c c c" 1 x x x x i° tpe nicol* abat ptege. rex. xpe qs fttigit son ft iste z.

= anno 14ftl tempore Nicolai abbatis.

Protege rex Christa, quos contingit sonus iste.

Dazu auf der Haube der Glocke die Worte: fracta et facta. Zu deutsch etwa :

Im .1. 141)1 zur Zeit des Abtes Nicolaus.

O Christus, König der Ehren,

Schütze, die diesen Ton hören!

Auf zwei Seiten der Glocke sieht man auf einem 2 1 /:>" hohen, 1'/*" breiten, parabolisch gespitzten Siegel den Abt unter Laldachin mit dem Krumm­stabe. Darunter anscheinend das Wappen des Klosters, ferner das Lamm Gottes, Maria mit dem Kinde, Pelikan 1), Christuskopf und die Symbole der vier Evangelisten.

Die zweite zeigt Maria mit dem Kinde und trägt die Inschrift: an n dni mcccclxxxxv hilf ilis v mari - anno domini 14ftö. Hilf Jesus und Maria!

Die dritte trägt das Medaillonbild Maria mit dem Kinde und die Worte:

anno dni m c c c c 1 x x x v i i i i (148ft) Mors 1 ).

Der Kreuzgang, von dem sich Spuren an der Südseite der Kirche und am Konventshaus finden, ist verschwunden. In ihm befanden sich zwei Leihen Chorstühle, daran Abte und Mönche eingeschnitzt waren und auch gemalt 20 ).

15 > Pelikan, das Symbol des Opfertodes Christi.

'*) Otte in Foerstemanns Archiv, Bd. VII, will Maria entziffert haben. Dies ist jedoch falsch. Brandt, Gesell, v. Jüterbog, S. 95, giebt fälschlich 1499 an.

*9 Zweifellos sind die unter den Resten von Holzschnitzereien erwähnten 2 Holz­tafeln mit Äbten die letzten Überreste der oben erwähnten Chorstühle.