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Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.
seinen schönen, gotischen Ziergiebel aus. Von 1553—Ibüö war es die Residenz des Markgrafen Christian Wilhelm, und lange Zeit lebte in diesem Gebäude bei der Familie des Administrators die Gemahlin des Schwedenkönigs Gustav Adolf. lbOb residierte hier einige Zeit das Domkapitel von Magdeburg, als es die Stadt wegen der daselbst ausgebrochenen Pest verlassen musste; auch die Markgrafen von Brandenburg weilten öfter in seinen Mauern.
Beide Häuser weisen im Innern Spuren von Wandmalereien auf.
Zur Rechten des „Fürstenhauses“ liegt das frühere Siechenhaus, ein unscheinbares Gebäude, das jetzt zur Pfarrerswohnung dient.
Auf der Westseite ist noch das Konventshaus erhalten; in seinem Keller, der äusserst geräumig und schön gewölbt ist, findet sich, wie beim Falkonierhaus zu Lehnin, oben in der Mitte eine grosse kreisrunde Öffnung; man wird nicht fehl gehen, wenn man annimmt, dass er zur Aufnahme des Kornes gedient hat. Unweit von diesem steht ein altes Giebelhaus, welches in seinen unteren Räumen die Geisselkammer der Mönche enthält.
An dem nach Griina führenden Wege, dicht an der Nuthebrücke, steht die „Heidenlinde“, ein sehr alter Baum, in dessen Fuss einige starke Eisenstangen eingetrieben sind.
Der Mönchsgesang ist verklungen, der Kreuzgang, in dem er vielfach wiederhallte, eingesunken, aber noch viele Trümmerreste malmen uns an die vergangene Herrlichkeit Zinnas.
Über die Zeit der Stiftung giebt uns die Magdeburger Schöppenchronik Auskunft.
Anno 1157 nahm Albrecht der Bär mit Hilfe Wiclmianns, des Erzbischofs zu Magdeburg 21 ) einen Zug gegen die Jüterboger Wenden vor, bezwang das Land zu Jüterbog, vertrieb die Wenden und setzte Fläminger und Holländer als Kolonisten ein. Er „makede dat laiul dissem godeshuse tinsaftich. (Ao. 1171) he stiebte dat closter Sinna. 22 ) Es erhielt den Namen „coena beatae Mariae“ (Marientafel), wahrscheinlich im Einklang mit dem Namen des Dorfes Czynna, auf dessen Feldmark das Kloster gegründet wurde.
Der Stiftungsbrief ist weder zu Zinna, noch im Kgl. Provinzial- Arcliiv zu Magdeburg vorhanden; wahrscheinlich ist es, dass er mit
al ) vgl. Forschungen zur Deutschen Geschichte. Göttingen, 1685. Bd. V, S. 417 bis 562: „Leben des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg“ von Dr. H. Fecliner in Erfurt. — Ferner: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg. Jahrg. 21, S. 9 bis 71: Territorialpolitik Erzbischof AVichmanns von Magdeburg von Dr. phil. Hartung und Jahrg. 21, S. 253—271: Kleine Beiträge zur Geschichte Erzbischof AVichmanns von M. v. Dr. G. Sello.
Die Chroniken der niedersächsischen Städte. Magdeburg. Leipzig 1869. Die Magdeburger Schöppenchronik, pag. 117, 22—24.