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Carl Bolle, Altmodische Blumen.
Nagel der Petalen. Gar eigen mutet es an, wenn ein Kieler Professor in seiner „Altdeutschen Gartenflora“ schreibt: „In Süd- und Mitteldeutschland sieht man Mohnfelder. In Norddeutschland findet man den Mohn wohl nur in Gärten.“ Unsere Mark, die inan höchstens in Memel zu Süddeutschland rechnen wird, muss Herr Fischer-Benzon zur Zeit der Mohnblüte nie besucht haben. Schon die Wilzen, habe ich früher einmal gesagt, hatten zwar keinen Bacchus, vom Morpheus aber wenigstens das Attribut. Und dies bauen unsere Landleute bis auf den heutigen Tag auf Äckern.
K latschr ose; Coquelicot. P.Rhoeas. Einfach und gefüllt in Gärten alten Stils.
Levkoie. Matthiola annua und M. incana. Letztere, die Winter-Levkoie, hier ausschliesslich als Topfgewächs.
Goldlack. Cheiranthus Cheiri.
Nachtviole. Ilesperis matronalis. Aus feineren Gärten.ausgeschlossen, dafür aber nicht leicht in einem Landgarten, neben Pechnelken, Kittersporn undFeuerlilien, fehlend. Die gefüllte besitzen wir kaum mehr. Gleditsch lehrt uns, dass sie als Gartenviole oder Muskatenblume zur friede- ricianisclien Zeit ein Liebling der Gärten gewesen sei. Er nennt sowohl die weisse wie die rote prächtig und sagt von ihr, sie gehöre in jede gute Blumensammlung. Schade darum!
Gefülltes St. Barbenkraut; Winterkresse mit vollen Blumen. In gleichem Fall wie vorige. „Eine zweijährige recht feine Pflanze, die aus der wilden Art, welche sonst unter den Salatkräutern gezogen wird, entstanden ist. Die Blüten sind recht gefüllt, dass man keinen Samen hoffen kann. Man zerteilt also die Wurzelstöcke ehe sie sich durch Blühen schwächen können.“ (Gleditsch.)
Mandelblume. Arabis albida. Meist zur Einfassung benutzt; wo Pfauen sind, die sie ab weiden, nicht aufzubringen. Zwar im strengen Sinne des Worts keine eigentlich altmodische Pflanze, aber doch jetzt weit seltener anzutreffen als früher.
Gefülltes Schaumkraut; Wiesenkresse. Ebenso wenig mehr in Kultur. „Ihre grossen roten gefüllten Blumen verdienen, dass man sie an nasse, niedrige Orte verpflanze.“ (Gleditsch.)
Mondviole; Silberblatt; Judaspfennig. Lunaria annua. Hier manchmal ebenso in Menge verwildert wie in den Gärten, wo sie schwarzen fetten Boden liebt, selten geworden. Aus dem Park von Petzow, den sie zahlreich bewohnt, wohl in die Nachbarschaft anderer Edelsitze des Ilavellandes übergetreten, z. B. nach Kemnitz u. a. m.
B auern senf. Iberis amara und I. umbellata.
Veilchen; Märzveilchen. In gleicher Häufigkeit, wie sonst, külti viert; oft wirklich wild oder zum Verwildern in Parks angepflanzt; auch gefüllt und weissblüliend. Die feineren Sorten meist unter Glas als Treibveilchen, von Ascherson als Viola maderensis erkannt.