Heft 
(1904) 13
Seite
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10. (8. ausserordentliche) Versammlung- des XIII. Vereinsjahres. 243

Ambos, auf dem er mit einem Hammer die Steineben welche nicht passen, zurecht schlägt. Jeder der Mosaikisten besitzt nur einen Ausschnitt aus dem Karton. Diese zerschnittene Arbeitszeichnung ist eine Pause, von dem Original mit den wichtigsten Linien. Die Originale stammen fast ausschließlich von unseren hervorragendsten Künstlern, von denen wir Prof. Schaper, Hannover, Maler Pfannschmidt in Rom, den Direktor der Kgl. Akademischen Hochschule, Prof. Anton v. Werner, Prof. Seliger, Leipzig, Maler August Oetken, Berlin nennen. Der Arbeitskarton ist das Spiegel­bild des Originals, denn diese mit den Mosaiksteinchen belegten Karton­platten werden später so an die Wand in eine Zementschicht hinein­gedrückt, daß die Papierfläche nach außen zeigt. Nachdem der Zement fest geworden ist, wird das Papier entfernt und das Bild steht nun richtig an der Wand. Auf dem Rahmen in der Mitte des Saales waren die Original­gemälde zu den Mosaiken in der Wartburg, wo selbst im Aufträge des Kaisers die gesamten Wandgewölbeflächen der Elisabet-Kemenate mit kostbarem Mosaikschmuck in mittelalterlichem Charakter bedeckt werden, aufgespannt und daneben noch solche für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis- Kirche. An der Wand war der farbige Karton zu einem heiligen Michael befestigt, welcher den Rathausturm in Frankfurt a. M. zusammen mit der Darstellung des Heiligen Florian schmückt.

Eine Treppe tiefer befindet sich der Zeichensaal. Auf großen Tischen werden hier die Pausen und die Arbeitszeichnungen fertiggestellt. Hier hing z. B. das Bild Kaiser Ottos des Großen, das für die Gedächtnis­halle der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche bestimmt ist. Auch der Karton zu einem Gewölbe war hier auf einem in natürlicher Größe aus Holz ausgeführten Gewölbemodell aufgespannt.

Der nächste Raum, den wir aufsuchten, war der Lagerraum. Hier befinden sich die Repositorien mit den Kästen für die farbigen Würfel. Der Guß liefert runde Platten von 10 mm Stärke und 25 cm Durchmesser. Diese Platten werden zerschnitten und zu Würfeln zer­schlagen, denn für die Bilder werden nur die Mosaiken verwendet. Es sind im ganzen 56000 Farbenuancen vorrätig und doch reicht diese Zahl gelegentlich nicht, so daß immer wieder neue Farben hergestellt werden müssen.

Im Erdgeschoß befinden sich die Schmelzöfen, die eben erst in Gang gesetzt worden sind; bisher- waren noch die Öfen in der alten Werkstatt im Gebrauch.

Der interessanteste Saal des ganzen Gebäudes ist wohl der Aus­stellungsraum. Auf seinem Boden sind Teile von Mosaikflächen aus­gebreitet und an den Wänden sind zahlreiche größere und kleinere fertige Mosaikbilder aufgestellt bez. aufgehängt. Unter anderen befindet sich hier ein in Mosaik ausgeführtes Bild Seiner Majestät und ein solches der Königin Luise. Neben den bereits aufgeführten Mosaiken waren an

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