Heft 
(1908) 17
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10. (3. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

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Geräten aus der älteren und jüngeren Steinzeit angelegt worden, die schon in der kurzen Zeit ihres Bestehens recht zahlreiche, darunter aber auch gute und seltene Exemplare aufzuweisen hat. Die Sammlung ist sehr gut und übersichtlich geordnet: auch Urnen sind aufgestellt worden. Frau Äbtissin von Rohr hegt ein großes Interesse für diese Sammlung und ist bereit, dieselbe jedem, der sich für diese Altertumsfunde inter­essiert, selbst zu zeigen oder zeigen zu lassen.

Es ist nur zu wüuschen, daß diese vorgeschichtlichen Fundstücke von kundiger Hand vorbereitet, aufgestellt und unter Angabe der näheren Fundumstände katalogisiert werden. Das jetzt leider so beliebte planlose Anlegen von dergleichen Sammlungen (gewöhnlich unter dem stolzen NamenMuseum) hat kaum einen rechten Zweck mehr und schadet, nach Ansicht der wirklichen Sachverständigen mehr als es nutzt.

VII. In Ziillichau ist ein Verein für heimische Alter­tumskunde begründet worden. Das Schwiebuser Tageblatt vom 8. August v. J. berichtet hierüber wie nachstehend:

Der Vorstand setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Geheimer Medizinalrat Dr. Siehe, Vorsitzender. Geh. Baurat Engisch, Gymnasialdirektor a. D. Dr. Hanow, stellvertretende Vorsitzende. Super­intendent Splittgerber, Schriftführer. Lehrer Löchel, Konservator. Stadt­kämmerer Biehan, Kassenführer. Landrat von der Beck, Kommerzienrat Eichmann, Feuersozietätsdirektor Franz Bernhardi-Crummendorf, Lehrer Knabe-Palzig, Beisitzer. Der Raum, in dem sich die Sammlung betindet, ist in der Braustraße im Eichmannschen Hause belegen. Der Voistand des neuen Vereins veröffentlicht folgendes Rundschreiben: Seit einer Reihe von Jahren ist in allen gebildeten Nationen das Bestreben wach geworden, die Urgeschichte des Landes, die Herkunft seiner Be­wohner, die Abstammung der Familien und Volksgenossenschaften zu erforschen: auch in deutschen Landen ist dies Bestreben zum Ausdruck gekommen und große Zentralst eilen sind emchfet worden, in denen die Funde gesammelt und gesichtet werden; aber ein genaues Bild kleinerer Bezirke wird durch diese Stellen nicht gegeben; dazu bedarf es engerer, durch Gemeinsamkeit der Interessen verbundener Kreise. Deshalb hat man in unserer Nähe mehrere kleine Sammelpunkte geschaffen, die in wenigen Jahren ein außerordentlich reiches Material zusammengebracht haben. Auch hier hat sich ein Verein gebildet, der die Erinnerung an Heiligtümer, Gebräuche und Sitten der Vorfahren zu wecken, aufrecht zu erhalten und als heiliges Vermächtnis denen, die nach uns kommen, zu hinterlassen strebt. Alles, was noch besteht aus dem Kreise unserer Vorfahren, was uns mit ehernen Banden an die Vergangenheit unseres Volkes knüpft, das will der Verein sammeln, das Gesammelte zusammen­stellen, sichten und ordnen, das Geordnete dem Verständnis des lebenden

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