Heft 
(1908) 17
Seite
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506 14. (11. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

das die gesamten Sehmelzwasser weit von Osten her zur Elbe, d. Ii. in die Nordsee, abführte. Erst als beim weiteren Zurückgehen des Inland­eises die untere Oder freigeworden war, wurde das Thorn-Eberswalder- Tal trocken, ln dem Tliorn-Eberswalder-Hauptal soll der neue Schiff­fahrtsweg BerlinStettin gegraben werden, er wird in dem alten Bett bis Liepe geführt werden und hier ein mächtiges Hebewerk erhalten, während der jetzige Finowkanal das Gafälle zur Oder in 13 Treppen­stufen überwindet. In einer Mergelgrube am Abhange fanden sich zahl­reiche Feldsteine, die das beste Belegstück für den Transport durch Eis an sich tragen, nämlich die Schrammen und Schleifflächeu; und kein einziger dieser Steine besitzt noch scharfe Kanten und Ecken.

Von hier wanderten wir durch einen schluchtenartigen Waldweg in den herbstlichen Buchenwald hinein. Die Bäume waren schon ziem­lich kahl, aber immer saßen noch genug Blätter fest, um an ihrer Farbe die Jahreszeit erkennen zu lassen. Bald verließen wir den Weg und bogen zum Ufer des Netteigrabens ab, der ein künstlicher Abfluß des Amtssees ist mit hohen und steilen Böschungen, die stellenweise ganz mit Ephen bewachsen sind. Auch hier stehen hohe Buchen, Rüster und Weiden. Zwei alte Stämme, die im Innern ganz vermorscht waren, hatte der Sturm gefällt und sie lagen mit zersprengten Leibern quer über dem Graben.

Wir betraten durch eine Klapptür den Forstgarten und wanderten noch ein Stück am Ufer des Netteigrabens hin bis wir zu einem Gemäuer aus Feldsteinen kamen, wo Herr Redakteur Schmidt einen kurzen Vor­trag hielt und die Mauer als Reste der Klosterbefestigung deutete, zu welchem Zweck auch der Graben aus dem Amtsee hier herum gezogen worden sei. Herr Schmidt führte nun die Gesellschaft durch mehrere Steige, die dicht mit hohen Lebensbäumen flankiert sind, so geschickt, daß wir schließlich am Ende eines Weges den hohen Westgiebel der Kirche (Abb. 1) vor uns sahen, eingerahmt von den schlanken grünen Lebens­bäumen, ein künstlerisch vollendetes Bild. Der Giebel besteht aus drei schlanken Feldern, von denen das mittelste die beiden seitlichen weit überragt: alle drei sind seitlich mit kleinen Türmchen geschmückt und in ihrer Mitte noch etwas höher aufgeführt, so daß sich die Hauptab­stufung hier noch dreimal im kleinen wiederholt. Jede Emporführung trägt ein kleines schräges Dach. Das Hauptfeld enthält drei lange schmale Fenster und darüber eine Rose. Von den beiden Seitenfeldern ist das freistehende, das nördliche, schmaler als das andere, welches also vor dem Westflügel steht. Doch fällt dieser Unterschied erst beim genauen Hinsehen auf, und ist sicher aus baukünstlerischer Voraussicht geschaffen worden, denn der freistehende Giebel wird durch den blauen Himmel dahinter wirkungsvoller gemacht, so daß er mit dem rechten, der sich von dem hohen Dach nicht abhebt, wohl konkurrieren kann.