510
14. (11. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
Eberwalder Vereins, Herr Amtsgericlitsrat Hirschberg, die Brandenburgs als die Führerin auf dem Gebiete der Heimatkunde.
Nach dem Frühstück ergriff Herr Redakteur Schmidt das Wort zu seinem Vortrage „Kloster und Amt Choriu.“ Wir machen darauf aufmerksam, daß sich Jahrg. III. S. 127 ein Vortrag unseres verstorbenen 1. Schriftwartes Ferdinand Meyers über die Geschichte des Klosters abgedruckt findet. Die Brandenburgia hat nämlich am 2. September 1894 schon einmal einen Ausflug nach Chorin gemacht. Aus der Geschichte des Klosters seien deshalb nur einige Tatsachen erwähnt. Es ist hervorgegangen aus einem Hospital der Prämonstratenser auf dem Pehlitz- Werder im Paarsteiner See, dessen Verlegung an die heutige Stelle im Jahre 1273 bestätigt wird. Im Jahre 1334 ist wohl die Kirche erst fertig geworden. Das Kloster erhielt manche Gerechtsamen, z. B. 1288 die Zollfreiheit. Es gehörten zu dem Besitz 15 Dörfer, 25 Seen und 11 Mühlen, im ganzen eine Fläche von 5000 Morgen. Mit der Einführung der Reformation wurde es 1542 ein kurfürstliches Amt, das zeitweise verpfändet war und zeitweise von Amtleuten verwaltet wurde. Die Gebäude hatten natürlich die Verwüstungen des 30 jährigen Krieges auszuhalten, und seit dem 17. Jahrhundert fehlt das südliche Seitenschiff. Unter Friedrich Wilhelm I waren hier 29 alte Soldaten einquartiert.. Im Jahre 1705 wurde die Glashütte eingerichtet. Die Abtswohnung ist seit 18G1 zur Wohnung des Oberförsters eingerichtet.
Nach dem Frühstück wurde eine kleine Pause eingelegt, die von einzelnen Teilnehmern mit einer kurzen Promenade in die Umgebung ausgefüllt wurde, worauf der Kaffee eingenommen wurde.
Hierauf war es Zeit zum Aufbruch geworden. Der Heimweg zum Bahnhof führte noch einmal durch den Forstgarten und an dem Bauwerk vorüber. Vor der Nordwand der Kirche befindet sich ein kleiner Kirchhof mit zwei sehr merkwürdigen Gedenksteinen, die dem Amtsrat Nobbe und seiner Frau gehören. Der erste ist eine halbmannshohe Säule aus Granit, die oben eine beckenartige Vertiefung besitzt, in der eine über kopfgroße Kugel aus Granit liegt, die daher beweglich ist. Der Denkstein für die Frau ist eine vierseitige schmale Pyramide, die neben einem kreisrunden Becken aus Granit steht. Auf der Frontseite der Pyramide findet sich ein eigenartiges Relief, das sich ungefähr mit einem Kanonenrohr vergleichen läßt; doch trägt es auf seiner Mündung einen Baum oder Strauch und auf dem entgegengesetzten Ende eine Verzierung, die sich ungefähr mit einer Hand vergleichen läßt. Eine merkwürdige Sage über den Amtwann Nobbe berichtet unser Mitglied Hermann Berdrow, Jahrg. XIV., S.492. Wir wanderten nun wieder den Hauptsteig entlang und warfen nach rückwärts noch einmal einen Blick auf den hohen Westgiebel, der, von den goldenen Strahlen der untergehenden Sonne beschienen, in einem besonders warmen Ton erglühte. Ein Stück in das Innere des