15. (4. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
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muscums, das sich seit seiner Gründung in den Dienst der Volkskunde gestellt hat, und als Vorsitzender der „Brandenburgs“, Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg, die dem Verbände, wie erwähnt, eine eigene Festschrift gewidmet hat. Im weiteren Verlauf der Tafel dankte Prof. Dr. Seyffert dem Berliner Ortsausschuß in humorvoller Weise für seine Bemühungen, während Prof. Dr. Bolte die Damen feierte, und Prof. Erich Schmidt den auswärtigen Vertretern, besonders »denen aus Österreich und der Schweiz Worte des Dankes widmete.
Nach Aufhebung der Tafel fanden volkskundliche Aulführungen statt, an denen sich Frl. Anni Bremer und Herr Hjalmar Arlberg durch Vorträge von alten Volksliedern, der Liederdichter Anton Günther durch Gesänge aus dem Erzgebirge und der „Jodlerkönig“ Josef Felder durch Jodler und Heimatlieder beteiligten. Zum Schluß führte der Puppenspieler Ganzauge aus Dresden auf dem Kasperletheater den deutschfranzösischen Krieg vor. Im Anschluß an diesen vorzüglichen Bericht lege ich Ihnen einige der zur Volkskunde-Tagung erschienenen Schriften vor.
a) „Mitteilungen aus dem Vereiu der königlichen Sammlung für deutsche Volkskunde“, Bd. III Heft 1, Berlin 1907,08, worin u. a. der volkskundige Direktor der Sammlung, Herr Dr. Karl Brunner, Vortreffliches über die Neuaufstellung der Sammlung in dem bisherigen Lokal Klosterstr. 36 zu berichten weiß. Sehr merkwürdig ist der Kopfziegel, ein Giebelschmuck aus Oberbaden. Herr Hugo von Preen bildet Hohlziegel mit aufgesetztem Menschenkopf ab, die neid- kopfartig ausselien, über dei'en Bedeutung man aber nichts anderes weiß, als daß sie üblich gewesen sind. Sie werden noch jetzt hier und da angefertigt.
Sollte etwas ähnliches bei uns oder sonst in Norddeutschland bekannt sein, so erbitte ich dringend Nachricht darüber.
U. M. Herr Hermann Söketand berichtet über die dunkelfarbigen Marienbilder, die bekanntlich in Rußland (Heilige Mutter von Kasan) sehr verbreitet sind, aber auch in Deutschland Vorkommen.
b) Leitsätze zur Sammlung der Zaubersprüche und Segen des deutschen Sprachgebiets, die ich, weil auch für Brandenburg wichtig, wörtlich abdrucke.
Auf der letzten Tagung des Verbandes volkskundlicher Vereine zu Eisenach wurde eine aus Geh. Hofrat Pi’of. Dr. A. Dieterich-Heidelbojg, Prof. Dr. B. Kalde-Heidelberg und Dr. H. Hepding-Gießen bestehende Kommission zur Vorbereitung einer Sammlung der Zaubersprüche und Segen des deutschen Sprachgebietes bestellt.’) Der Tod A. Dieterichs, der den Verband zu diesem Beschlüsse angeregt hatte, bedeutete für die Kommission einen harten Schlag. Au seine Stelle tiat auf Voischlag
’) Mitt. des Verbandes No. 5 (1907) S. 3.