Heft 
(1908) 17
Seite
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Neuruppinische Leichenpredigten.

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Pastorn, des gantzen Creyses Inspectnrn und der Grafschaft Metro- pohtannm. Gedruckt zu Berlin / durch Christoph Runge.

Der Verstorbene war geboren am 19. Oktober 1597 als Sohn des Bürgermeisters Johannes Lietzmannals der dem Consulat 45'Jahr vor­gestanden hat, denn er das 80. Jahr seines Alters erreicht, und der Margarete Rägelin (Reuchlin), eines sehr alten und wohlbekandten Ge­schlechts in dieser Stadt f so dem Publico allhier mit Verwaltungen des Consxiates, Richter-Ambts J und andere guten Verrichtungen /'lange be- drauet gewesen. Die beiden Großelternpaare waren Hanß Lietzmann, Giildemeister der Tuchmacher-Innung und Vorsteher der Pfarrkirche, und Katharina V> üneken und Hieronymus Reuchlin, Ratsverwandter, und Katharina Berlin. Bis zu seinem 17. Jahre besuchte er die Trivialscliuie in Iiuppin, dann (1614) kam er auf das Gymnasium in Berlin. 1616 ist ernaclier Stettin studierens halber gezogen (gemeint ist wohl das her­zogliche Pädagogium, dessen Direktor damals der berühmte Micrälius war). Nachdem er Hauslehrer bei den Söhnen einer pommerschen Gräfin gewesen war, studierto er seit 1618 in Wittenberg Medizin. Nach einer Reise peregrinationis grafia nach Prag kehrte er 1621 nach Haus zurück, wo er unter dem Einfluß des Vaters beschloß, Jurist zu werden. Zu diesem Zwecke ging er 1622 wieder nach Wittenberg. Schon 1623 kehrte er wieder nach Hause zurück, wo er sichalsobald in Praxi getibet, sich vor dem Herrn Häuptmann zu Alten Rupin/'Herrn Christian von Ballin /unnd den Churfürstlichen Gerichten mit gutem Contento der Partlie adrocando gebrauchen lassen. In Ao 1624 hat er sich in Publicum Xiitariiuii von dem damahligen Herren Decano Juridicae facultatis zu Rostock creiren lassen. In Ao 1627 überzogu leider der Kriegs Schwall diese Lande und weill es zum schweren Contribiitiono Werck hinaus­schlug f hat die löbliche Ritterschafft dieses Rupinischen Creyses Ver­fassung machen / und eine Cassam anrichten müssen f derselben ist der selige Defunctus als Eynnehmer vorgesetzet / und wohlbedachter löblicher Ritterschafft in sothanem Officio und dem Secretariatu biß in Anno 1632 bedienet gewesen. Ostern 1628 wurde er zum Gerichtsassessor gewählt und 1629 zum Senator. In demselben Jahre heiratete er Regina Hansen, Tochter des Bürgermeisters in Neu-Ruppin Thomas Hansen; die Ehe war gesegnet mit drei Kindern; der Sohn Jacob starb früh, die Töchter Sabina und Regina wurden groß. Er wurde 1633 Verwalter des kur­fürstlichen Gerüchts, 1637 zum Konsulat und Bürgeramt berufen, 1643 von den Städten der Mittelmark zum Verordneten der Landschaft zum neuen Biergelde gewählt und vom Kurfürsten bestätigt und endlich 1647 Direktor des Kirchenwerks. Um die Beendigung des Quotisationsstreites zwischen Ritterschaft und Städten und um die gleichmäßige Verteilung der Kriegslasten erwarb er sich großes Verdienst. Seit 1643 kränkelte er, und seinen Tod verschuldete mittelbar eine Reise nach Berlin, wo