Neuruppinische Leichenpredigten.
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und Tnspcctorem der Stadt N. Ruppin und des dahin gehörigen Cräyses. Berlin, Gedruckt bey Christoff Runge 1660.
Gewidmet ist die Rede der Witwe des Verstorbenen Dorothea geb. Bergmann, den Schwiegersöhnen (Eid-Männern) M. Casper Christian Torben, Pastor und Inspektor in Zehdenick, und Lorenz Gerike, Pfarrer in Kialitz, der Tochter Katharina Bullichens, Frau des Gerichtsassessors und Ratssekretärs Daniel Protzen in Neu-Ruppin, Schwägerin des M. Sclnvartzkopf, und den beiden Söhnen Ulrich Bullichius, Student der Iheologie in Rostock, und Christian Bullichius, Alumnus der Schule in Neustadt Brandenburg.
Der \ erstorbene war geboren am 18, April 1585 in Witstock, wo sein aus Westfalen stammender Vater Gosmann Biilch Kauf- und Handelsmann war. Nachdem er die Schola patria besucht hatte, verschickete ihn 16 Jahre alt sein Vater in andere vornehme IVmiaf-Schulen. 1605 ging er auf die Acadcmie zu Wittenberg, wo er namentlich unter Weren- berger Philosophie, von 1607 an auch noch Medizin studirte. 1608 nahm er den Ruf zum Kantor in Witstock an, wo er auch als Arzt praktizirte. 1609 trat er seine „Kavaliierreise“ durch Deutschland, Tyrol und Welschland an.*)
In Padua half er dem Dr. Julius Casserins in dessen Theatro ana- tamico und in Basel hielt er unter dem Dr. Zwinger ein Collegium Prac- ticum und machte er auch seinen Uoctor. 1610 kehrte er nach Deutschland zurück; er praktizirte in Wismar und Witstock und ließ sich 1612 in Neu-Ruppin nieder, wo er noch in demselben Jahre Katharina Litz- mann, Witwe des Bürgermeisters Caspar Witte, heiratete. Von den fünf Kindern dieser Ehe starben drei ganz jung und die jüngste Tochter Sophrosyne als Frau des Pfarrers Gerike in Krahtz. Die älteste Tochter Katharina war die Frau des Stadtschreibers Protzen in Neu-Ruppin. Aus der Ehe mit seiner Witwe Dorothea Bergmann hatte er sieben Kinder, von denen vier in zarter Jugend und die Tochter Dorothea als Witwe des Pfarrers und Inspektors Gabriel Woltersdorf und Frau des Pfarrers und Inspektors Caspar Christian Torben starben. Er war ein guter Christ, hat manche Scripta Theologica gelesen und glossiret und über sie seine meditationes niedergeschrieben, auch sonsten eine gute Hauszucht und llauskirche, auch mit seinen Tischgängern gehalten. In seiner Pro- fessione Medicinali ist er auch sehr fleißig gewesen und in Thcot ia sehr viel geschrieben und in Praxi noch mehr observiret. 1624 wurde er Physicus Ordinarius der Stadt. 1655 wurde in Berlin seine Pamumathia
*) In Rom hat er den damaligen Rabat in einer procession unter einem dazu aufgerichteten Himmel herumbtragend gesehen, worüber er auch nebst seinen Ge- färten erkannt / und bald in Arrest genommen worden wäre, wenn sie sich nicht alsbald davon gemacht hätten,