Heft 
(1917) 25
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Aus der Mundart.

Von Dr. H. Teuchert.

1. Der Lünsstab.

Wenn der Ackerwagen zum Einfahren der Ernte zurecht gemacht wird, holt der Landmann den Langbaum (laylclöm 1 ), die beiden Leitern {ledern) und die vier Lünsstäbe (Sg. iJnMaf) hervor. Mit dem Langbaum verlängert er den Wagen, und die Lünsstäbe geben den Leitern den Halt.

Der Lünsstab ist am einfachsten als Außenrunge zu bezeichnen. Während die Runge in den Schemeln, vorn fest, hinten lose, sitzt, wird der Lünsstab von außen über die Achse gestreift. Der untere Leiterholm liegt innerhalb der Rungen auf den Schemeln auf, der obere kommt außen auf einem Eisenband zu liegen, das von Runge und Lünsstab getragen wird.

Den Lünsstab fertigt sicli der Landmann wohl noch meistens selber an. Er wählt am liebsten Hasel oder Weißbuche dazu. Die Eisenteile liefert der Dorfschmied. Es sind deren drei: die Lünse (linf.) f.J, die Tülle (in der Neumark Lorwe \lorwd ] genannt) und das obere Eisenband, welches in der Neumark den Namen Dragewede [dräwfds ] 2 ) führt.

Die Lünse ist der Achsnagel, der das Abgleiten der Tülle ver­hindert. Als die Wagen noch Holzachsen besaßen, war er mit einem Schirm versehen, um das Verstauben des Radlagers zu verhüten. Jetzt wird die Kapsel ( [hapsd ) von zwei Schrauben gehalten, zwischen denen die Öse der Lünstülle zu sitzen kommt. Der Name Lünse für den äußeren Achsnagel wird daher bereits durch die Benennung Schraube (srüwd) gefährdet.

ö Wo nichts weiter vermerkt ist, stammen die mundartlichen Bezeichnungen aus meinem Heimatort Loppow, Kreis Landsberg a. W. in der Neumark,

2 ) Mit q wird der offene lange e-Laut bezeichnet.

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