Heft 
(1914) 1
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100 Paul Quente. Ein germanisches Dorf bei Kyritz. s4

Pfahl 8. Befand sich am Knick von Schwelle 3. Er war tiefschwarz gebrannt, vollkommen verkohlt in einem Pfostenloche von 135 ein Durchmesser. Das Pfostenloch war vollkommen mit Brandschutt und obenauf mit hartgebranntem Lehm vom Lehmbewurf des Hauses angefüllt. Zm Lehm fanden sich Abdrücke von Haferstroh. Oer Durchmesser des Pfostens war 75 ovo, seine höhe 76 om, er war am unteren Ende zu gespitzt.

Schwelle 1 . Sie hatte eine Stärke von 20 cm und eine Breite von 35 om. Oie Oberfläche war glatt geschlagen. Ihre Länge betrug 5,50 m.

Schwelle 2. Sie besaß eine Stärke von 20 cm u nd eine Breite von 40 cm, war auf der Oberfläche abgeplattet. Ihre Länge betrug 4,70 in.

Schwelle 3. Die Breite betrug 30 ein, ihre Stärke desgleichen. Die Schwelle war nur wenig geglättet. Sie zog sich in einem knick neben Pfosten 8 auf seiner Innenseite hin. Beim Knick besaß sie eine kurze Unterbrechung.

Scherbenmaterial. An Scherben fanden sich meist Stücke der rohen unverzierten Topfform, die ich immer auf den Urnenfeldern der römischen Zeit fand und einmal auch auf einem Zriedhof der vorrömischen Zeit und auf einem der frühesten Eisenzeit. Sie stellen sich also damit als langlebige Zormen dar und sind für eine absolute Zeitbestimmung nicht zu brauchen, trotzdem ich sie auf Grund meiner Zünde dem älteren Teil der römischen Zeit zurechnen möchte, wenigstens in ihrer Mehrzahl. Dann aber fand sich in Herd 1 eine Scherbe, die noch den Charakter der vorrömischen Eisenzeit trägt. Ebenso auch eine in der Abfallgrube l. Oie Scherbe aus Herd 1 zeigt vom halse des Gefäßes bis zum Boden laufende senkrechte Strichmuster in einer Art, die der vorrömischen Eisenzeit angehört. Ähnliche Gefäße fanden sich auch bei der ersten Ausgrabung von Vahlhausen im Jahre 1891 und werden von Weigel dort auch für vorrömisch erklärt.

Das Verhältnis dieser Gefäße zu den spätrömischen Friedhöfen ist noch nicht genügend aufgeklärt; dazu bedarf es noch weiteren Materials.

Ähnlich ist es mit der in Abfallgrube 1 gefundenen Scherbe mit Zinger- nageleindrücken. Auch diese finden sich meist in der vor- und frührömischen Eisenzeit. Beide Scherben würden dafür sprechen, daß die Siedelung schon in der Zeit um Christi Geburt angelegt worden ist und wir bis jetzt nur den Zried­hof der spätrömischen Zeit gefunden haben. Abweichend von den ersten 3 Scherben, zeigt die kleinste vollkommen die verzierungsart der spätrömischen Zeit, wie ich sie auf dem kgritzer Friedhofe selbst oft gefunden habe. Vas würde erst recht dafür sprechen, daß die Siedelung mit dem Urnenfelde gleich­zeitig ist und uns nur noch der ältere Friedhof fehlt, für dessen Lage ich aber bereits Anhaltspunkte besitze. Vas Hauptergebnis ist eben das Auffinden mehrerer Herde in einem Hause und das gleichzeitige Benutzen von pfosten- und Schwellenbau.

Sämtliche Zünde aus dem Hause kommen insHeimatmuseum f. d. prignitz in heiligengrabe."