feststellen. Zwar haben unsere Altvordern sicherlich ihre Tiere auch mehr geachtet und nicht so „viehisch" behandelt, wie man dies heute noch in Italien sieht, aber in einem unterscheiden sie sich ganz wesentlich von uns modernen Menschen, daß sie vor Naturdenkmälern, wie sie Bäume oder Steine darstellen, eine ganz andere Ehrfurcht und Achtung hatten wie wir. Sie verehrten in ihnen das Lebendige, das Leben, in gewisser Weise das Ewige, im Gegensatz zu den kurzlebigen Tieren. Unter großen Bäumen fanden die Ratsversammlungen statt, die Thinge, und auch im Kult, im Gottesdienst, bildeten Haine mit großen, Jahrhunderte alten Bäumen den Mittelpunkt. Wer kennt nicht die Donarseiche, die Bonifatius fällte, oder den Upstalsboom, die berühmte Thingstätte Frieslands? An diesen Baum wurde während des Things ein riesiges Schwert gehängt, das noch heute im Museum Emden gezeigt wird. Diese lebendige Verbundenheit zu den Jahrhunderte alten Bäumen oder gar den Jahrmillionen alten Steinen ist uns verloren gegangen. Wir halten gerade auch die Steine für leblos, während die Germanen in ihrer mythischen Einstellung diesen Zeugen der Ewigkeit Leben einhauchten. Erst die wachsende Heimatbewegung der Nachkriegszeit läßt den Menschen immer mehr auch auf die Naturdenkmäler, wie sie Bäume und große Steine darstellen, und ihrer Verbundenheit zu der Heimat sich besinnen.
Unser Kreis Ostprignitz hat in mühevoller Arbeit mit Hilfe von Fragebogen ein Verzeichnis der Naturdenkmäler zusammengebracht, deren wichtigste vom Verfasser besucht worden sind. Und in der Tat kann sich die Prignitz freuen, neben den so wirkungsvollen vorgeschichtlichen Grabhügeln, die sogar das gesamte Landschaftsbild beherrschen, wie bei Zaatzke, auch wundervolle Naturdenkmäler und große Findlingsblöcke zu haben. Ganz besonders bevorzugt ist die Wittstocker Gegend (dort liegt ja übrigens auch Zaatzke), und zwar vor allen Dingen der Stadtforst, in dem sich im Jagen 02 b vier uralte Rotbuchen (Abb. 1) befinden, die geradezu einen gigantischen Eindruck Hervorrufen. Und wenn man unter den grünen Laubdächern steht, kommen einem unwillkürlich die Mammutbäume Kaliforniens in den Sinn. Diese ehrwürdigen Riesen verdienen wirklich, von jedem . Heimatfreund besucht zu werden. Im selben Stadtforst steht die sogenannte Rats-Eiche (Tafel II, 1), eine vielhundertjährige Stieleiche, die leider schon vom Blitz getroffen, und deren Stamm schwer vermorscht ist. Trotzdem bietet sie einen herrlichen Eindruck, zumal die Landzunge, auf der sie steht, von einem prächtigen Bestand alter Kiefern geschmückt ist, von denen jede einzelne bei jedem Naturfreunde durch ihre wuchtige Größe Freude aus-