Auf praktische Kreativitat orientieren
Wie bereits angekündigt, veröffentlichen wir heute einen Auszug aus dem von Dr. Mette gehaltenen Referat auf der 2. Mitgliederkonferenz des Landesfachverbandes Polytechnik/Arbeitslehre(e.V.) Brandenburg. In diesem Teil seiner Ausführungen bezieht sich der Autor insbesondere auf das Verständnis von“Allgemeinbildung”.
Meine Damen und Herren!
... Was die angemessene Vorbereitung unserer Jugendlichen auf Europa anbelangt, so wissen wir, daß neben einer Erweiterung des Sprachangebotes an unseren Schulen natürlich der Bereich der technisch— ökonomischen Allgemeinbildung eine besondere, herausragende Bedeutung einnimmt.
punkt wählt, tritt das Merkmal der Einseitigkeit auf. Die Komplexität des Technikbegriffes hat in seinen Dimensionen die Bereiche Arbeit/Wirtschaft/Beruf/Haushalt/Freizeit/ Öffentlichkeit natürlich mit zu erfassen. Das ist unser erklärtes Ziel,
Wir lassen aber nicht zu, daß bei der notwendigen und anstehenden systemgenetischen Analyse der bisherigen PBE in der DDR die Polytechnik z. B. auf die produktive Arbeit reduziert wird und hier nur die Kindermassenarbeit als Zulieferproduktion für die Betriebe betont wird. Einige Autoren können offenbar von dem eigentlichen Ansatz der PBE und der tatsächlichen Wirklichkeit(was der einzelne jetzt daraus gemacht hat) nicht unterscheiden. Und ich möchte hier einschieben, daß Betriebsexkursionen,
Leider wurde in der Regierungserklärung nur auf das*europäische Aushängeschild” der Berufsausbildung der ehemaligen BRD eingegangen. Auch das ist für unser Land Brandenburg wichtig— keine Frage— umso mehr müssen wir für unseren Verantwortungsbereich unverzüglich Standpunkte einbringen, so daß unsere Menschen sich tatsächlich in einer rasch wandelnden technischen Welt behaupten können, um mit den Worten des Brandenburgischen Ministerpräsidenten zu sprechen. Natürlich ist es schwierig, Allgemeinbildung zu bestimmen. In der Tat, Allgemeinbildung ist eine Möglichkeit und ein Anrecht aller Menschen. Hier hinter steht das Streben nach Chancengleichheit im Leben und im Beruf— das auf einen aktiven, produktiven, kritischen und aufgeschlossenen Umgang mit Technik orientiert. Allgemeinbildung dient der Kultivierung aller Anlagen und Fähigkeiten im Menschen und zielt auf Allseitigkeit und Vielseitigkeit, Der Gegenstand Technik im weitesten Sinne ist dafür besonders prädestiniert, da er die Gefühle, den Kopf, die Sinne und die Hände zu seiner Bewältigung gleichsam anspricht.
Allgemeinbildung kennzeichnet das Allgemeine in den Kulturschöpfungen der Menschheit, Der zu leicht gemachte und z. T. berechtigte Vorwurf des Technizismus bedarf einer prinzipiellen Ausklärung. Immer, wenn man nicht mehr die Beziehungen Mensch—Technik als ganzheitlichen Ausgangs
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Nr.03/91
Foto: Rüffert
—erkundungen, Betriebspraktika auch nicht vergleichbar sind mit der produktiven Arbeit, Das sind Methoden, die auch nicht allein existieren können.
Der letzte Volksbildungsminister Prof, Meyer forderte in der Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Schule— Wirtschaft in Leipzig sinngemäß zu Recht: Wir brauchen praktische Kreativität, weg mit den theoretischen UÜberlastungen in der Schule... und die rationellen Kerne der PBE sollen erhalten bleiben.
Wir meinen, die Polytechnischen Zentren sind genau dafür geschaffen, sie müssen bleiben. Wir wissen, daß wir uns jetzt im nunmehr bekannten Rahmen der BRD bewegen wollen und müssen. Dennoch ist kein Kopieren angesagt. Und eine Haltung, so Prof. Meyer, nach dem Motto"Rette sich wer kann”, ist kurzfristig und nicht gut.
Wir sind uns einig, daß Besonnenheit, Eigeninitiative, eine genaue Bilanz, Mitarbeit von Eltern, Schülern, Lehrern, Studenten... bei der Ausarbeitung von Rahmenempfehlungen gefragt sind. Den Blick für Konfliktstellen im ehemaligen DDR—Konzept in unserem Bildungsbereich, glaube ich, haben wir geschärft— eine Gesamtanalyse wie gesagt steht noch aus...
Dr. sc. D. Mette FB Technische Bildung
durch ein Stichwortregister erschlossen. Beck’scher Ratgeber Recht,— 3., überarb. Aufl.München: Beck, 1990.— XVI, 415 S.
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Sensortechnik aus
Sachsen Sonderpreis für Innovation
Der Innovationspreis der deutschen Wirtschaft steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Forschung und Technologie und wurde vom Wirtschaftsclub Rhein—Main e.V. Frankfurt und der Düsseldorfer Wirtschaftswoche in Kooperation mit dem Münchener Magazin highTech zum elften Mal verliehen.*
Den Preis erhielt diesmal die Kölner KHD Humboldt Wedag AG für den Supraleitungs—Magnetschneider"Descos”. Weltweit wurde erstmals eine Prototypanlage mit einer integrierten supraleitenden Spule zur Aufbereitung von primären und sekundären Rohstoffen, insbesondere von Erzen, entwickelt, die sich nicht nur in Labors, sondern auch im rauhen Industriealitag bewährt hat. Bundesforschungsminister Dr. Riesenhuber hatte angeregt, für 1990 einen*Sonderpreis DDR” zu vergeben. Zu jener Zeit, als dieser Gedanke geäußert wurde, war die Wende gerade erst zehn Wochen alt. Unter dem Eindruck der fallenden Mauer entschlossen sich die Initiatoren des Preises, diese Idee zu realisieren, Sie wurden von den Ereignissen überholt, denn aus der ehemaligen DDR entstanden inzwischen neue Bundesländer,
Erstmals wurde daher in diesem Jahr im Rahmen des Innovationspreises ein"Sonderpreis für die neuen Bundesländer” vergeben. Er ging an das Forschungsinstitut"Kurt Schwabe” Meinsberg im sächsischen Waldheim, einem Mekka der Sensortechnik. Die Institute unserer Fachbereiche Chemie und Biologie sind seit langem zufriedene Kunden dieser Einrichtung und setzen dort produzierte Geräte mit Erfolg in den chemischen Kurspraktika, in den ökologischen Geländepraktika und in der Forschung ein.
Das 1945 gegründete Forschungsinstitut war als selbständig arbeitende Einrichtung den damaligen Ministerium für Wissenschaften und Technik unterstellt. Seine Besonderheit lag darin, daß die Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Elektrochemie mit der Fertigung von Kleinserien elektrotechnischer Sensoren und Labormeßgeräten sowie von Meß-, Steuer— und Regelanlagen verknüpft wurde. Da das Institut die für die Forschung benötigten Mittel selbst erwirtschaftet und keine staatlichen Zuschüsse erhalten hat, konnte es die Freiheit bei der Wahl der wissenschaftlichen Themenstellung bewahren. Das Meinsberger Institut entwickelte ein weltweit einmaliges Sensor— System auf Mikroelektronikbasis, das auch in den alten Bundesländern Ohne Konkurrenz ist. Der Sensor beruht auf einem lonensensitiven Feldeffektiransistor. An einer sehr dünnen, chemisch sensitiven Membran entsteht beim Kontakt mit dem zu untersuchenden Medium eine elektrische Spannung, die über die zu messende Stoffkonzentration Auskunft gibt. Allgemein läßt sich dieser Sensor, mit dem die Meinsberger Forscher der Konkurrenz in aller Welt einen entscheidenden Schritt voraus sind, zur Konzentrationsbestimmung chemischer Bestandteile von Flüssigkeiten und Gasen einsetzen. Speziell ist bisher die Bestimmung des Säuregehaltes(pH—Wert) in kleinsten Flüssigkeitsmengen bis zur Marktreife entwikkeit worden. Der nur 8 mm große Sensor erlaubt die direkte pDH— Messung eines Tropfens eines Pflanzensaftes, während mit herkömmlichen Sensoren das zehn— oder gar hundertfache Volumen erforderlich wäre, Arzten wird mit dem System ein neues Diagnoseinstrument in die Hand gegeben, denn damit I&ßt sich der Säuregrad im Magen, den des Schweißes auf der Haut oder gar den der Flüssigkeit unter dem Augenlid, bedeutsam als Entscheidungshilfe für die Anpassung von Kontaktlinsen, ermitteln. Große Zukunftschancen für ihr System sehen die Preisträger auch im Umweltschutz, in der Land— und Wasserwirtschaft, in der Medizin— und Korrosionsmeßtechnik, in der Biotechnologie und in der Lebensmittelindustrie. Demnächst werden sich die Meinsberger auf das Gebiet der Entwicklung von Biosensoren vorwagen, mit dem die Qualität von Lebensmitteln, aber auch Krankheitserreger im menschlichen Körper bestimmt werden können. Der Forschungsminister selbst hat den Preis, der nicht mit einer Geldzuweisung verbunden ist— hier zählt allein die Ehre und der Imagegewinn— am 19.1.1991 in der Alten Oper zu Frankfurt/M. verliehen.
Dr. Rammelt