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“Noch ist Polen nicht verloren”
Aus Anlaß der Premiere des Stückes"Noch ist Polen nicht verloren” am 20. Januar fand fünf Tage zuvor eine Pressekonferenz In Anwesenheit des Intendanten des Hans—Otto—Theaters Gero Hammer, des Regisseurs Günter Rüger und des Autors Jürgen Hofmann statt, zu der auch wir eingeladen waren. Das Stück entstand nach Melchior Lengyels Drehbuch zu dem berühmten Ernst Lubitsch— Kultfilm "Sein oder Nichtsein”(1942 in Hollywood gedreht). Der Autor gab in dem Pressegespräch u. a. darüber Auskunft, auf welchen schwierigen Wegen er zu den Aufführungsrechten gelangte. Ihn beeindruckte im Film die enge, scheinbar nicht zu realisierende Verflechtung von Komödiantentum und Politik, also die Verbindung von*Leichtem” und*Schwerem”. Der Berliner Jürgen Hofmann begann seine berufliChe Entwicklung beim Straßentheater und schrieb dann Stücke für das bürgerliche bzw. Stadttheater. Allerdings existieren von ihm, nach eigenen Aussagen,mehr ungespielte als gespielte Stücke."Die
Geschichte wird darüber urteilen.” Von ihm stam-
men u, a.”"Spagetti carbonara”(eine Polizeikom®die),* Hänseln und kritteln“,.*Der Fürst des Elends” (nach Karl May) und"Die Entscheidung”.
Das Stück”Noch ist Polen nicht verloren” entstand 1984."Hauptschauplatz der Komödie ist ein Gestapo-Büro in Posen zu Beginn des 2, Weltkrieges. Die Hauptakteure sind die polnischen Schauspieler des Posener Stadittheaters, allen voran Joseph Tura, der schon etwas in die Jahre gekommene Heldenspieler und seine Frau Maria Tura, die“Srande dame” des Ensembles, ständig in Affären mit ihren jugendlichen Verehrern verwickelt. Gegenspieler ist die
Spass unterm Dach in der WAB
Mittwoch, 6. Februar 1991, 19.30 Uhr
“Undank ist der Welten Lohn”
Ein Ephraim—Kishon— Abend mit dem Schauspieler GERRY WOLFF, Berlin. Einer der erfolgreichsten Humoristen und Satiriker der Gegenwart ist der Schriftsteller Ephraim Kishon, Sein in ostjüdischer Tradition wurzelnder Witz und der ungarische CharmeKishon wurde 1924 in Budapest geboren-, in den er die nicht immer angenehmen Wahrheiten verpackt, seine Attacken auf Dummheit, Intoleranz und Gleichgültigkeit, aber auch sein Verständnis für die Schwächen der menschlichen Natur eroberten ihm eine internationale Lesergemeinde. Die Vorstellung alter und neuer Kishonscher Meisterwerke durch den Schauspieler Gerry Wolff verspricht einen exellenten Lesespaß..
Autorenstudio in der WAB
Mittwoch, 6. März 1991, 19.30 Uhr“Das Muschelessen”
Lesung und Gespräch mit der Autorin Birgit Vanderbeke, Ingeborg—Bachmann-—Preisträgerin 1991 Die 1956 in Dahme(DDR) geborene Ingrid Vanderbeke lebt seit 1963 in ‚Frankfurt(Main), hat Jura, Germanistik und Romanistik studiert und lebt als freie Autorin,
"Das Muschelessen” ist eine böse Parabel auf das Patriarchat, Psychologisch eindringlich beschreibt B. V. eine bundesdeutsche Familiengeschichte. Frappierend genau schildert sie den langsam sich entwickelnden Aufstand der Mutter und Kinder gegen den Vater—Tyrannen.
Buchtip
Wenn es um die Wahrheit geht
Der Prozeß gegen Walter Janka und andere
Eine Dokumentation
Bestellangaben: 772 733 8/Janka u.a./Prozeßakten Wichtige, wesentliche Dokumente des politischen Schauprozesses gegen Walter Janka, Gustav Just, Heinz Zöger und Richard Wolf im Jahre 1957 sind hier zusammengetragen— Vernehmungsprotokolle aus Jankas siebenmonatiger Stasi— Untersuchungshaft, die schriftliche Aussage Wolfgang Harichs, die Anklageschrift des Generalstaatsanwalts Dr. Melsheimer und das Urteil des Obersten Gerichts der DDR, 1. Strafsenat, sowie die Plädoyers der Verteidiger, des Rechtsanwalts Dr. Friedrich Wolff und der Rechtsanwältin Dr. Carola Schindowski, Dokumentiert ist auch das Kassationsverfahren für diese vier Männer; nach über 32 Jahren, am 4. Januar 1990, wurden sie endlich offiziell rehabilitiert, Ein 10 Seiten umfassendes Nachwort schrieb Prof, Dr. John Lekschas von der Humboldt— Universität Berlin.
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Die Komödie"Noch ist Polen nicht verloren” ist eines der aktuellen Stücke im Spielplan des HansOtto-Theaters,
Auf unserem Foto(Jutta Oloff) Gerd Staiger als Josef Tura und Gertraud Kreißig als Magdalenchen.
"Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz.Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer.
Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äuBerster Grad ist der Tod. Allzu viele kommen uns heute schon vor wie Tote, wie Leute, die schon hinter sich haben, was sie vor sich haben, so wenig tun sie dagegen.
Laßt uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zuwenig gesagt wurde! Laßt uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!
Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden."
Bertold Brecht
zum Wiener Völkerkongreß für den Frieden 1952
Gestapo, an ihrer Spitze der Gruppenführer Erhard — mit dem Spitznamen*der Bluthund von Posen“ — und jener ominöse Professor Siletzky, der über die Namensliste des Posener Widerstandes verfügt.— Und schließlich ist da noch der junge polnische Fliegerieutnant Stasnik, der Liebhaber von Maria Tura und zugleich Verbindungsmann des polnischen Widerstandes, Damit ist er natürlich ganz unmittelbar an der Beseitigung des Gestapospitzels Siletzky samt seiner Namensliste interessiert. Diese wird denn auch durch die aufgeschreckte Schauspieltruppe minutiös und nach allen"Regeln der Kunst” inszeniert. Zuhilfe kommt ihnen dabei die Dekoration ihres Antinazi-Stückes“Gestapo”, das die verunsicherte polnische Regierung noch kurz Vor Kriegsausbruch vom Spielplan nehmen ließ... Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, daß echtes und falsches Gestapo—Büro sich natürlich zum Verwechseln ähnlich sehen und die Schauspieler mit Kostüm und Maske ihr übriges tun, damit man den echten von dem falschen Gruppenführer Erhard und den richtigen Professor Siletzky nicht mehr von dem vermeintlichen unterscheiden kann..."(aus dem Waschzettel)
Nach den aktuellen Bezügen befragt, äußerte der Autor die Auffassung, daß das Theater"nichts mehr zu sagen hat, wenn die Kanonenrohre aufgerichtet sind”, Es müsse aber sehr viel mehr getan werden, “solange die Welt noch nicht in die Luft geht”. In diesem Sinne ist dem Stück nach der erfolgreichen Uraufführung in Lübeck und der Aufführung in Linz auch in Potsdam große Publikumsresonanz zu wünschen.
Dr. B. Eckardt
Theater in englischer Sprache
Am 10. Januar 1991 hatte die English Drama Group des Fachbereiches Anglistik/Amerikanistik zum Besuch ihrer Aufführung von Stücken A. Ayckbourns im Haus 8 des Gebäudekomplexes II der BLH eingeladen. Gekommen waren ca. 50 interessierte Zuschauer, u. a. auch Gäste aus Großbritannien bzw. von der FU Berlin, vorwiegend jedoch Studenten. Die Veranstaltung war unbedingt ein Erfolg. Die Anwesenden erfreuten sich sichtlich an den 3 gespielten Einaktern. Vielleicht ist der eine oder andere zur Mitarbeit in der drama group angeregt worden. Die Akteure, Lehrkräfte und vor allem Studenten des 1., 3. und 4. Studienjahres, würden die tatkräftige Mitarbeit weiterer Theaterenthusiasten sehr begrüßen.
P. Görlich
Alan Ayckbourn 5
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Nr.03/91