Heft 
(1.1.2019) 03
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Noch ist Polen nicht verloren

Aus Anlaß der Premiere des Stückes"Noch ist Polen nicht verloren am 20. Januar fand fünf Tage zuvor eine Pressekonferenz In Anwesenheit des Inten­danten des HansOttoTheaters Gero Hammer, des Regisseurs Günter Rüger und des Autors Jürgen Hofmann statt, zu der auch wir eingeladen waren. Das Stück entstand nach Melchior Lengyels Dreh­buch zu dem berühmten Ernst Lubitsch Kultfilm "Sein oder Nichtsein(1942 in Hollywood gedreht). Der Autor gab in dem Pressegespräch u. a. darüber Auskunft, auf welchen schwierigen Wegen er zu den Aufführungsrechten gelangte. Ihn beeindruck­te im Film die enge, scheinbar nicht zu realisierende Verflechtung von Komödiantentum und Politik, also die Verbindung von*Leichtem und*Schwerem. Der Berliner Jürgen Hofmann begann seine berufli­Che Entwicklung beim Straßentheater und schrieb dann Stücke für das bürgerliche bzw. Stadttheater. Allerdings existieren von ihm, nach eigenen Aus­sagen,mehr ungespielte als gespielte Stücke."Die

Geschichte wird darüber urteilen. Von ihm stam- ­

men u, a."Spagetti carbonara(eine Polizeikom®­die),* Hänseln und kritteln,.*Der Fürst des Elends (nach Karl May) und"Die Entscheidung.

Das StückNoch ist Polen nicht verloren entstand 1984."Hauptschauplatz der Komödie ist ein Gesta­po-Büro in Posen zu Beginn des 2, Weltkrieges. Die Hauptakteure sind die polnischen Schauspieler des Posener Stadittheaters, allen voran Joseph Tura, der schon etwas in die Jahre gekommene Heldenspie­ler und seine Frau Maria Tura, dieSrande dame des Ensembles, ständig in Affären mit ihren jugend­lichen Verehrern verwickelt. Gegenspieler ist die

Spass unterm Dach in der WAB

Mittwoch, 6. Februar 1991, 19.30 Uhr

Undank ist der Welten Lohn

Ein EphraimKishon Abend mit dem Schauspie­ler GERRY WOLFF, Berlin. Einer der erfolgreichsten Humoristen und Satiriker der Gegenwart ist der Schriftsteller Ephraim Kishon, Sein in ostjüdischer Tra­dition wurzelnder Witz und der ungarische Charme­Kishon wurde 1924 in Budapest geboren-, in den er die nicht immer angenehmen Wahrheiten ver­packt, seine Attacken auf Dummheit, Intoleranz und Gleichgültigkeit, aber auch sein Verständnis für die Schwächen der menschlichen Natur eroberten ihm eine internationale Lesergemeinde. Die Vor­stellung alter und neuer Kishonscher Meisterwerke durch den Schauspieler Gerry Wolff verspricht ei­nen exellenten Lesespaß..

Autorenstudio in der WAB

Mittwoch, 6. März 1991, 19.30 UhrDas Muscheles­sen

Lesung und Gespräch mit der Autorin Birgit Vander­beke, IngeborgBachmann-Preisträgerin 1991 Die 1956 in Dahme(DDR) geborene Ingrid Vander­beke lebt seit 1963 in ‚Frankfurt(Main), hat Jura, Germanistik und Romanistik studiert und lebt als freie Autorin,

"Das Muschelessen ist eine böse Parabel auf das Patriarchat, Psychologisch eindringlich beschreibt B. V. eine bundesdeutsche Familiengeschichte. Frappierend genau schildert sie den langsam sich entwickelnden Aufstand der Mutter und Kinder ge­gen den VaterTyrannen.

Buchtip

Wenn es um die Wahrheit geht

Der Prozeß gegen Walter Janka und andere

Eine Dokumentation

Bestellangaben: 772 733 8/Janka u.a./Prozeßakten Wichtige, wesentliche Dokumente des politischen Schauprozesses gegen Walter Janka, Gustav Just, Heinz Zöger und Richard Wolf im Jahre 1957 sind hier zusammengetragen Vernehmungsprotokol­le aus Jankas siebenmonatiger Stasi Untersuchungshaft, die schriftliche Aussage Wolf­gang Harichs, die Anklageschrift des General­staatsanwalts Dr. Melsheimer und das Urteil des Obersten Gerichts der DDR, 1. Strafsenat, sowie die Plädoyers der Verteidiger, des Rechtsanwalts Dr. Friedrich Wolff und der Rechtsanwältin Dr. Carola Schindowski, Dokumentiert ist auch das Kassations­verfahren für diese vier Männer; nach über 32 Jah­ren, am 4. Januar 1990, wurden sie endlich offiziell rehabilitiert, Ein 10 Seiten umfassendes Nachwort schrieb Prof, Dr. John Lekschas von der Humboldt Universität Berlin.

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Die Komödie"Noch ist Polen nicht verloren ist eines der aktuellen Stücke im Spielplan des Hans­Otto-Theaters,

Auf unserem Foto(Jutta Oloff) Gerd Staiger als Josef Tura und Gertraud Kreißig als Magdalenchen.

"Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaun­lich kurz.Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer.

Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äu­Berster Grad ist der Tod. Allzu viele kommen uns heute schon vor wie Tote, wie Leute, die schon hinter sich haben, was sie vor sich ha­ben, so wenig tun sie dagegen.

Laßt uns das tausendmal Gesag­te immer wieder sagen, damit es nicht einmal zuwenig gesagt wurde! Laßt uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!

Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die ver­gangenen wie armselige Ver­suche sind, und sie werden kom­men ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlich­keit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden."

Bertold Brecht

zum Wiener Völkerkongreß für den Frieden 1952

Gestapo, an ihrer Spitze der Gruppenführer Erhard mit dem Spitznamen*der Bluthund von Posen und jener ominöse Professor Siletzky, der über die Namensliste des Posener Widerstandes verfügt. Und schließlich ist da noch der junge polnische Fliegerieutnant Stasnik, der Liebhaber von Maria Tura und zugleich Verbindungsmann des polni­schen Widerstandes, Damit ist er natürlich ganz unmittelbar an der Beseitigung des Gestapospitzels Siletzky samt seiner Namensliste interessiert. Diese wird denn auch durch die aufgeschreckte Schau­spieltruppe minutiös und nach allen"Regeln der Kunst inszeniert. Zuhilfe kommt ihnen dabei die Dekoration ihres Antinazi-StückesGestapo, das die verunsicherte polnische Regierung noch kurz Vor Kriegsausbruch vom Spielplan nehmen ließ... Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, daß echtes und falsches GestapoBüro sich natür­lich zum Verwechseln ähnlich sehen und die Schauspieler mit Kostüm und Maske ihr übriges tun, damit man den echten von dem falschen Grup­penführer Erhard und den richtigen Professor Siletz­ky nicht mehr von dem vermeintlichen unterschei­den kann..."(aus dem Waschzettel)

Nach den aktuellen Bezügen befragt, äußerte der Autor die Auffassung, daß das Theater"nichts mehr zu sagen hat, wenn die Kanonenrohre aufgerichtet sind, Es müsse aber sehr viel mehr getan werden, solange die Welt noch nicht in die Luft geht. In diesem Sinne ist dem Stück nach der erfolgreichen Uraufführung in Lübeck und der Aufführung in Linz auch in Potsdam große Publikumsresonanz zu wün­schen.

Dr. B. Eckardt

Theater in englischer Sprache

Am 10. Januar 1991 hatte die English Drama Group des Fachbereiches Anglistik/Amerikanistik zum Be­such ihrer Aufführung von Stücken A. Ayckbourns im Haus 8 des Gebäudekomplexes II der BLH einge­laden. Gekommen waren ca. 50 interessierte Zu­schauer, u. a. auch Gäste aus Großbritannien bzw. von der FU Berlin, vorwiegend jedoch Studenten. Die Veranstaltung war unbedingt ein Erfolg. Die Anwesenden erfreuten sich sichtlich an den 3 ge­spielten Einaktern. Vielleicht ist der eine oder ande­re zur Mitarbeit in der drama group angeregt wor­den. Die Akteure, Lehrkräfte und vor allem Studen­ten des 1., 3. und 4. Studienjahres, würden die tatkräftige Mitarbeit weiterer Theaterenthusiasten sehr begrüßen.

P. Görlich

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Nr.03/91