CU
Hospitation an der Ruprecht-Karls-Universität
Heidelberg
Die StudienberaterInnen West haben ihren KollegInnen Ost vielerorts Hilfe angeboten. Die bisher erfolgreichste Aktion war das Hospitationsprogramm der StudienberaterInnen Ost in westdeutschen Beratungsstellen. Der Leiter der Zentralen Studienberatungsstelle der Universität Hannover hat seine Idee dazu in die Tat umgesetzt, das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft für dieses Projekt interessiert und Mittel für einen Reisekostenzuschuß locker gemacht.
So kam es, daß ich eine Woche lang vor Ort in der Zentralen Studienberatung(ZSB) Heidelberg den Beratungsalltag erlebt habe. Täglich suchen Studenten und Studieninteressierte die ZSB auf, Sie werden bereits in der Anmeldung sachkundig durch Hiwis(bezahlte studentische Hilfskräfte) informiert und z.B. mit Studienführern zu den einzelnen Studiengängen kostenlos versorgt,
Wenn eine kurze Auskunft nicht ausreicht, wird der Ratsuchende sofort zu einem/einer professionellen StudienberaterIn vermittelt und erhält in einem etwas längerem Gespräch Hinweise für die Lösung seiner Probleme. Stellt sich dabei heraus, daß das Anliegen einer gründlicheren Erörterung bedarf, wird ein Gesprächstermin außerhalb der offiziellen Sprechzeiten vereinbart, Es erfolgt auch eine Vermittlung in eine psychologische Einzelberatung oder in eine der Selbsterfahrungs- und Trainingsgruppen der ZSB.
Meine Eindrücke aus den Hospitationen zu diesen
unterschiedlichen Beratungsformen und-methoden lassen sich so zusammenfassen:
Die studentischen Probleme in Ost und West unterscheiden sich nicht gravierend. Sie sind hier wie dort vielfältig. Es reicht aber nicht aus, daß der/die Beraterin Verständnis für die Ratsuchenden hat. Er/sie braucht topaktuelle Informationen über Entscheidungen, die Konsequenzen für das studentische Leben haben.
Die Heidelberger Kolleginnen hatten letzteres auch bedacht und mir Informationsgespräche aus erster Hand mit den Leitern des Akademischen Auslandsamtes, der Zulassungsstelle, des Studentensekretariates und des BAfÖG-Amtes vermittelt, Ich gewann Einsichten in Arbeitsmethoden und Organisationsformen und konnte manch hilfreiche Information schwarz auf weiß nach Hause bringen. Was mich am meisten erfreut hat:
die Kollegialität, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen!
Was mich am meisten überrascht hat:
die Einschreibung eines Studenten des Jahrganges 1929 in das Erstsemester für den Diplomstudiengang Mathematik,
Was mich am meisten beeindruckt hat:
die Selbstverständlichkeit, mit der dieser Studienanfänger eingeschrieben wurde!
Was ich nicht versäumt habe:
einen Bummel durch eine der schönsten Universitätsstädte der Welt und eine Wanderung entlang des Philosophenweges hoch über dem Neckar.
Dr. I. Fredersdorf Studienberaterin
Der Schlosshof In Heidelberg
Wie finanziere ich mein Studium?
„Nicht nach Bedürftigkeit, sondern nach Leistungsgesichtspunkten werden von zahlreichen Stiftungen Stipendien vergeben...
Die STUDIENSTIFTUNG DES DEUTSCHEN VOLKES (Mirbachstr. 7, 5300 Bonn 2) will die Ausbildung besonders begabter Studenten an wissenschaftlichen und künstlerischen Hochschulen fördern. Voraussetzung für die Aufnahme sind deshalb herausragende fachliche Leistungen. Vorschlagsrecht haben Gymnasial- und Hochschullehrer,
Auch selbst bewerben kann man sich bei den kirchennahen und parteinahen Stiftungen: In die BISCHÖFLICHE STUDIENFÖRDERUNG CUSANUSWERK(Baumschulallee 5, 5300 Bonn 1) werden besonders begabte und engagierte katholische Studenten aller an wissenschaftlichen Hochschulen vertretenen Fachrichtungen aufgenommen; das EVANGELISCHE STUDIENWERK VILLIGST e. V.(Iserlohner Str. 25, 5840 Schwerte 5) fördert Studierende aller Fachbereiche sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen, die neben besonderer Studierfähigkeit auch Aufgeschlossenheit für Leben und Aufgabe der Kirche mitbringen.€ Beim CDU-nahen INSTITUT FÜR BEGABTENFORDERUNG DER KONRAD-ADENAUER-STIFTUNG e.V.(Rathausallee 12, 5205 Sankt Augustin 1) können sich überdurchschnittlich begabte deutsche und ausländische Studenten und Graduierte um ein Stipendium bewerben. Gleiches gilt für die FDP-nahe
Nr.08/91
FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG(Referat Begabtenförderung, Im Dol 2, 1000 Berlin 33), die SPD-nahe FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG(Studienförderung, Godesberger Allee 149, 5300 Bonn 2) und die CSUnahe HANNSSEIDEL-STIFTUNG e.V.(Lazarettstr, 33, 8000 München 19,).
Als Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes(DGB) fördert die HANS-BOCKLERSTIFTUNG(Referat Studienförderung Bertha-vonSuttner-Platz 3, 4000 Düsseldorf 1) überdurchschnittlich begabte Studenten aus Arbeitnehmerkreisen an Universitäten, Fachhochschulen und Instituten zur Erlangung der Hochschulreife,
Anträge sind an die örtliche Verwaltungsstelle der zuständigen DGB-Gewerkschaft zu richten... Adressen und Informationen über die jeweiligen Förderungsvoraussetzungen listen zwei Broschüren auf; der von der Deutschen Studentenschaft herausgegebene Führer*Durch Stipendien studieren“(12. Auflage, DHB Hochschul-Buch GmbH, München. 192 S., 18 Mark) und*Förderungsmöglichkeiten für Studierende”, herausgegeben vom Deutschen Studentenwerk(8. Auflage, Verlag Karl Heinrich Bock, Bad Honnef, 328 S., 22,80 Mark). (aus: Hochschul Welt Nr. 8, Wintersemester 90/ 91)
Kurt Lewin-“Vater” der experimentellen Sozialpsychologie
Kurt Lewin hat die Psychologie, besonders die Sozialpsychologie, mit seinen theoretischen Arbeiten und Forschungsergebnissen stark beeinflußt, Viele seiner Begriffe gehören heute zur selbstverständlichen Terminologie dieser Wissenschaft, Begriffe wie psychische Sättigung, Aufforderungscharakter, Gruppendynamik und Aktionsforschung. Lewin gilt als der eigentliche Theoretiker der Gruppendynamik und wird auch als Vater” der experimentellen Sozialpsychologie bezeichnet. Doch seine theoretischen und praktischen Arbeiten umfassen weit mehr als nur experimentell- sozialpsychologische Probleme.
Auffallend im Schaffen Kurt Lewins ist die breite Palette seiner Interessen und Untersuchungen. SO beschäftigte er sich auch mit entwicklungs-, mofivations-, persönlichkeits- und arbeitspsychologischen Fragestellungen.
Die Bedeutung und den Einfluß Lewins für die Psychologie nachzuzeichnen, ist allerdings nicht nur aus schon genanntem Grund schwer, sondern auch, da er eine Reihe bedeutender Schüler hatte, die Lewins Ideen in eigenständiger Art und Weise aufgriffen, bearbeiteten und weiterentwickelten. Zu den Schülern Lewins zählen so bekannte Psychologen wie Festinger, Zeigarnik, Kelley, Schachter, Thibaut u.a.
Eine seiner herausragenden Leistungen war das Bestreben, eine allgemeine Theorie oder besser eine allgemeine Methode zu erstellen, die es gestattet, psychische Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, Phänomene zu erklären und psychologische Innovationen abzuleiten. In Auseinandersetzung mit den zur damaligen Zeit vorherrschenden wissenschaftstheoretischen Auffassungen versuchte Lewin eine psychologische Rahmentheorie zu schaffen, die sowohl die Ableitung allgemeiner Gesetzmäßigkeiten zuläßt, als auch bei Einzelfalluntersuchungen Anwendung findet.
Seine daraus entstandene*“Feldtheorie”, die(kurz gesagt) das Verhalten einer Person als abhängig von ihrem Zustand und der von ihr wahrgenommenen Umwelt bzw. auf sie wirkenden Umweltkräfte beschreibt, wurde mit Hilfe vielfältigster Forschungsergebnisse bestätigt und weiterentwickelt, u.a, mit kinderpsychologischen Arbeiten; Forschungsergebnisse, die sicherlich auch für Lehrer und Erzieher von Interesse sind. So veröffentlichte er z.B. folgende Arbeiten:*Fimaufnahmen über Trieb- und Affektäußerungen psychopathologischer Kinder verglichen mit normalen und schwachsinnigen” (1926),*Kindlicher Ausdruck”(1927),"Gestalttheorie und Kinderpsychologie”(1929) und “Die psychologische Situation bei Lohn und Strafe” (1931).
Aber auch seine sozialpsychologischen Arbeiten, denen er sich verstärkt ab 1933 nach seiner Emigration aus Deutschland in die USA zuwendet, sind für die pädagogische Arbeit interessant. Seine Untersuchungsgebiete waren hier u.a. Gruppenprozesse, Führungsverhalten, die politische Erziehung jüdischer Kinder, Gruppenkonflikte und Minderheitenprobleme.
Beispielhaft sei hier nur die 1938 durchgeführte Untersuchung zur Wirkung verschiedener Führungsbzw. Leitungsstile auf Kinderfreizeitgruppen genannt, mit deren Hilfe er die pädagogisch negativen Auswirkungen des autokratischen Führungsstils nachweisen konnte.
Bei der Breite der Lewinschen Forschungsinteressen konnte und sollte hier nur ein kleiner Ausschnitt vorgestellt werden, der jedoch zur weiteren Beschäftigung mit dem Schaffen Lewins anregen wollte,
B. Halberstadt FB Psychologie