Heft 
(1.1.2019) 08
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CU

Hospitation an der Ruprecht-Karls-Universität

Heidelberg

Die StudienberaterInnen West haben ihren Kolleg­Innen Ost vielerorts Hilfe angeboten. Die bisher er­folgreichste Aktion war das Hospitationsprogramm der StudienberaterInnen Ost in westdeutschen Be­ratungsstellen. Der Leiter der Zentralen Studienbe­ratungsstelle der Universität Hannover hat seine Idee dazu in die Tat umgesetzt, das Bundesministe­rium für Bildung und Wissenschaft für dieses Projekt interessiert und Mittel für einen Reisekostenzuschuß locker gemacht.

So kam es, daß ich eine Woche lang vor Ort in der Zentralen Studienberatung(ZSB) Heidelberg den Beratungsalltag erlebt habe. Täglich suchen Stu­denten und Studieninteressierte die ZSB auf, Sie werden bereits in der Anmeldung sachkundig durch Hiwis(bezahlte studentische Hilfskräfte) infor­miert und z.B. mit Studienführern zu den einzelnen Studiengängen kostenlos versorgt,

Wenn eine kurze Auskunft nicht ausreicht, wird der Ratsuchende sofort zu einem/einer professionellen StudienberaterIn vermittelt und erhält in einem et­was längerem Gespräch Hinweise für die Lösung seiner Probleme. Stellt sich dabei heraus, daß das Anliegen einer gründlicheren Erörterung bedarf, wird ein Gesprächstermin außerhalb der offiziellen Sprechzeiten vereinbart, Es erfolgt auch eine Ver­mittlung in eine psychologische Einzelberatung oder in eine der Selbsterfahrungs- und Trainings­gruppen der ZSB.

Meine Eindrücke aus den Hospitationen zu diesen

unterschiedlichen Beratungsformen und-metho­den lassen sich so zusammenfassen:

Die studentischen Probleme in Ost und West unter­scheiden sich nicht gravierend. Sie sind hier wie dort vielfältig. Es reicht aber nicht aus, daß der/die Be­raterin Verständnis für die Ratsuchenden hat. Er/sie braucht topaktuelle Informationen über Entschei­dungen, die Konsequenzen für das studentische Leben haben.

Die Heidelberger Kolleginnen hatten letzteres auch bedacht und mir Informationsgespräche aus erster Hand mit den Leitern des Akademischen Aus­landsamtes, der Zulassungsstelle, des Studenten­sekretariates und des BAfÖG-Amtes vermittelt, Ich gewann Einsichten in Arbeitsmethoden und Organisationsformen und konnte manch hilfreiche Information schwarz auf weiß nach Hause bringen. Was mich am meisten erfreut hat:

die Kollegialität, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlos­senheit der Kolleginnen und Kollegen!

Was mich am meisten überrascht hat:

die Einschreibung eines Studenten des Jahrganges 1929 in das Erstsemester für den Diplomstudien­gang Mathematik,

Was mich am meisten beeindruckt hat:

die Selbstverständlichkeit, mit der dieser Studien­anfänger eingeschrieben wurde!

Was ich nicht versäumt habe:

einen Bummel durch eine der schönsten Universitätsstädte der Welt und eine Wanderung entlang des Philosophenweges hoch über dem Neckar.

Dr. I. Fredersdorf Studienberaterin

Der Schlosshof In Heidelberg

Wie finanziere ich mein Studium?

Nicht nach Bedürftigkeit, sondern nach Leistungs­gesichtspunkten werden von zahlreichen Stiftun­gen Stipendien vergeben...

Die STUDIENSTIFTUNG DES DEUTSCHEN VOLKES (Mirbachstr. 7, 5300 Bonn 2) will die Ausbildung besonders begabter Studenten an wissenschaftli­chen und künstlerischen Hochschulen fördern. Vor­aussetzung für die Aufnahme sind deshalb heraus­ragende fachliche Leistungen. Vorschlagsrecht haben Gymnasial- und Hochschullehrer,

Auch selbst bewerben kann man sich bei den kirchennahen und parteinahen Stiftungen: In die BISCHÖFLICHE STUDIENFÖRDERUNG CUSANUS­WERK(Baumschulallee 5, 5300 Bonn 1) werden be­sonders begabte und engagierte katholische Stu­denten aller an wissenschaftlichen Hochschulen vertretenen Fachrichtungen aufgenommen; das EVANGELISCHE STUDIENWERK VILLIGST e. V.(Iserloh­ner Str. 25, 5840 Schwerte 5) fördert Studierende aller Fachbereiche sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen, die neben besonderer Studierfähigkeit auch Aufgeschlossenheit für Leben und Aufgabe der Kirche mitbringen. Beim CDU-nahen INSTITUT FÜR BEGABTENFORDE­RUNG DER KONRAD-ADENAUER-STIFTUNG e.V.(Rat­hausallee 12, 5205 Sankt Augustin 1) können sich überdurchschnittlich begabte deutsche und aus­ländische Studenten und Graduierte um ein Sti­pendium bewerben. Gleiches gilt für die FDP-nahe

Nr.08/91

FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG(Referat Begab­tenförderung, Im Dol 2, 1000 Berlin 33), die SPD-na­he FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG(Studienförderung, Godesberger Allee 149, 5300 Bonn 2) und die CSU­nahe HANNSSEIDEL-STIFTUNG e.V.(Lazarettstr, 33, 8000 München 19,).

Als Studienförderungswerk des Deutschen Gewerk­schaftsbundes(DGB) fördert die HANS-BOCKLER­STIFTUNG(Referat Studienförderung Bertha-von­Suttner-Platz 3, 4000 Düsseldorf 1) überdurchschnitt­lich begabte Studenten aus Arbeitnehmerkreisen an Universitäten, Fachhochschulen und Instituten zur Erlangung der Hochschulreife,

Anträge sind an die örtliche Verwaltungsstelle der zuständigen DGB-Gewerkschaft zu richten... Adressen und Informationen über die jeweiligen Förderungsvoraussetzungen listen zwei Broschüren auf; der von der Deutschen Studentenschaft herausgegebene Führer*Durch Stipendien studie­ren(12. Auflage, DHB Hochschul-Buch GmbH, München. 192 S., 18 Mark) und*Förderungsmög­lichkeiten für Studierende, herausgegeben vom Deutschen Studentenwerk(8. Auflage, Verlag Karl Heinrich Bock, Bad Honnef, 328 S., 22,80 Mark). (aus: Hochschul Welt Nr. 8, Wintersemester 90/ 91)

Kurt Lewin-Vater der experimentellen Sozialpsychologie

Kurt Lewin hat die Psychologie, besonders die So­zialpsychologie, mit seinen theoretischen Arbeiten und Forschungsergebnissen stark beeinflußt, Viele seiner Begriffe gehören heute zur selbstverständli­chen Terminologie dieser Wissenschaft, Begriffe wie psychische Sättigung, Aufforderungscharakter, Gruppendynamik und Aktionsforschung. Lewin gilt als der eigentliche Theoretiker der Gruppendyna­mik und wird auch als Vater der experimentellen Sozialpsychologie bezeichnet. Doch seine theore­tischen und praktischen Arbeiten umfassen weit mehr als nur experimentell- sozialpsychologische Probleme.

Auffallend im Schaffen Kurt Lewins ist die breite Palette seiner Interessen und Untersuchungen. SO beschäftigte er sich auch mit entwicklungs-, mofi­vations-, persönlichkeits- und arbeitspsychologi­schen Fragestellungen.

Die Bedeutung und den Einfluß Lewins für die Psy­chologie nachzuzeichnen, ist allerdings nicht nur aus schon genanntem Grund schwer, sondern auch, da er eine Reihe bedeutender Schüler hatte, die Lewins Ideen in eigenständiger Art und Weise aufgriffen, bearbeiteten und weiterentwickelten. Zu den Schülern Lewins zählen so bekannte Psycho­logen wie Festinger, Zeigarnik, Kelley, Schachter, Thibaut u.a.

Eine seiner herausragenden Leistungen war das Bestreben, eine allgemeine Theorie oder besser eine allgemeine Methode zu erstellen, die es ge­stattet, psychische Gesetzmäßigkeiten zu erken­nen, Phänomene zu erklären und psychologische Innovationen abzuleiten. In Auseinandersetzung mit den zur damaligen Zeit vorherrschenden wis­senschaftstheoretischen Auffassungen versuchte Lewin eine psychologische Rahmentheorie zu schaffen, die sowohl die Ableitung allgemeiner Ge­setzmäßigkeiten zuläßt, als auch bei Einzelfallunter­suchungen Anwendung findet.

Seine daraus entstandene*Feldtheorie, die(kurz gesagt) das Verhalten einer Person als abhängig von ihrem Zustand und der von ihr wahrgenomme­nen Umwelt bzw. auf sie wirkenden Umweltkräfte beschreibt, wurde mit Hilfe vielfältigster Forschungs­ergebnisse bestätigt und weiterentwickelt, u.a, mit kinderpsychologischen Arbeiten; Forschungser­gebnisse, die sicherlich auch für Lehrer und Erzieher von Interesse sind. So veröffentlichte er z.B. folgen­de Arbeiten:*Fimaufnahmen über Trieb- und Af­fektäußerungen psychopathologischer Kinder ver­glichen mit normalen und schwachsinnigen (1926),*Kindlicher Ausdruck(1927),"Ge­stalttheorie und Kinderpsychologie(1929) und Die psychologische Situation bei Lohn und Strafe (1931).

Aber auch seine sozialpsychologischen Arbeiten, denen er sich verstärkt ab 1933 nach seiner Emigra­tion aus Deutschland in die USA zuwendet, sind für die pädagogische Arbeit interessant. Seine Unter­suchungsgebiete waren hier u.a. Gruppenprozes­se, Führungsverhalten, die politische Erziehung jüdi­scher Kinder, Gruppenkonflikte und Minderheiten­probleme.

Beispielhaft sei hier nur die 1938 durchgeführte Un­tersuchung zur Wirkung verschiedener Führungs­bzw. Leitungsstile auf Kinderfreizeitgruppen ge­nannt, mit deren Hilfe er die pädagogisch negati­ven Auswirkungen des autokratischen Führungsstils nachweisen konnte.

Bei der Breite der Lewinschen Forschungsinteressen konnte und sollte hier nur ein kleiner Ausschnitt vorgestellt werden, der jedoch zur weiteren Be­schäftigung mit dem Schaffen Lewins anregen wollte,

B. Halberstadt FB Psychologie