Integration total
(aus TU Berlin, Akademisches Auslandsamt, Informationen für ausländische Studentinnen und Studenten, Sommersemester 1991, S. 25)
Meine Familie,
mein Beruf und ich
Jeder Pädagoge setzt in der Begegnung mit Kindern seine Persönlichkeit als berufliches HandWerkszeug ein.
Eine pädagogische Ausbildung Ist dann angemessen qualifizierend, wenn sie ihre Lernziele auf der kognitiven, Fakten- und Methodenwissen vermittelnden Ebene ebenso anstrebt wie auf der affektiv-emotionalen Erfahrungs- und Beziehungsebene. D.h., wenn sie Gefühle, Phantasien, Erfahrungen, Werte, Haltungen und Probleme der Lernenden als persönlichkeitsbildend miteinbezieht und- in ihrer jeweils individuellen Gewordenheit thematisiert. Die Eltern sind unsere ersten Lehrer. In . wesentlichen Teilen wird unsere Persönlichkeit durch bzw. in der Herkunftsfamilie geprägt. Im Entdecken und Erkennen der eigenen Familienhintergründe(Systeme, Strukturen, Muster, Regeln, Werte, Normen) haben wir einen Schlüssel, um eigene Stärken und Grenzen zu begreifen, neue Wahlmöglichkeiten zu erkennen und Ressourcen zu erfahren. Thema und Ziel unseres*Schnupperkurses” In familienzentrierter Selbsterfahrung ist es, daß die Studenten einen erlebnisorientierten Austausch über sich und ihre jeweilige Herkunftsfamilie beginnen. Rollenzuschreibungen, Vermächtnisse und Delegationen werden auch im Hinblick auf ihre Bedeutung für die heutige Situation und den zukünftigen Beruf thematisiert. Die Zugangswege hierzu sind das themenzentrierte Gruppengespräch, das Genogramm, die Familienskulptur und das Rollenspiel. Spezifische Vorerfahrungen und Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Erwünscht sind jedoch Neugierde, Bereitschaft sowie spielerische Entdeckungsfreude, sich auf diesen Aspekt der Familiendynamik einzulassen.(Bitte Daten und Fotos über die eigene Familie sammeln und mitbringen!)
Geplant sind fünf, jeweils dreistündige Veranstaltungstermine für 12 bis 15 Studenten höheren Semesters, Als Wochentag schlagen wir entweder Montags, 9.00- 12.00 Uhr, oder sonnabends, 9,30 12.30 Uhr, vor; beginnend am Sonnabend, dem 1.Juni bzw. Montag, dem 3.Junl.
Ein Vorbereitungstreffen aller Interessenten findet SO a9, dem 13. Mai, um 19.00 Uhr im K 321 d statt.
Prof. Dr. sc. B. Kirsch, FB Psychologie Dipl.Psych. D. Kuhnt, Berlin(W)
Nr.09/91
European Student Fair
Unter diesem Motto fand vom 19. bis 23.3.91 In Brüssel zum 4. Mal eine Veranstaltung statt, die die Bezeichnung Messe tatsächlich verdient, da einerseits zahlreiche europäische Universitäten und Fachschulen sich selbst darstellen und die Leistungen anpreisen, die sie Studenten offerieren können und sich andererseits Studenten und Abiturienten diesmal waren es etwa 150 000- darüber informieren, wo sie die von ihnen gewählten Studienfächer unter für sie günstigen Bedingungen studieren können. Die Studentenmesse ist vor allem für westeuropäische Hochschulen von Bedeutung, weil viele von Ihnen vom Staat nicht oder nur geringfügig subventioniert werden und nur die von den Studenten zu zahlenden erheblichen Studiengebühren die Existenz der Einrichtung und ihren Personalbestand garantieren. Die privaten Universitäten und Fachschulen, die es vor allem In England, Frankreich, Belgien und Spanien gibt, kämpfen jedes Jahr erneut hart um Studenten. Als Forum für die Werbung hat eine private Gruppe die Studentenmesse in Brüssel eingerichtet. Sie ist folglich eine Veranstaltung, die von den Veranstaltern als kommerzielles Unternehmen betrieben wird und auf der viele Aktivitäten stattfinden, die vom eigentlichen Anliegen der Messe ablenken, aber finanziellen Gewinn sichern.
An dieser Messe hat in diesem Jahr der Deutsche Akademische Austauschdienst unter dem Thema *Studieren in Deutschland” teilgenommen. Die Absicht dieser Präsentation unterschied sich von denen nicht deutscher vor allem dadurch, daß nicht die Werbung für einzelne Hochschulen im Mittelpunkt stand, sondern die Information über allgemeine Bedingungen für ein Studium in Deutschland und über Studentenaustauschprogramme- vor allem über das Programm“Erasmus”. Trotzdem hatte das DAAD einige Hochschulen eingeladen, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich und ihr Programm darzustellen. Die Eingeladenen waren die Universitäten von Bamberg, Göttingen, Marburg, Leipzig und Rostock, die Technische Hochschule Ilmenau, die Medizinische Akademie Magdeburg und die Brandenburgische Landeshochschule. Die von den angereisten Vertretern der Hochschulen aus den alten und den neuen Bundesländern verfolgten Absichten waren durchaus unterschiedlich. So sahen die Vertreter aus den alten Bundesländern Ihre Aufgabe darin, das allgemeine Anliegen des DAAD zu unterstützen. An den ihnen vertretenen Hochschulen studieren ausreichend viele Studenten, konkrete zusätzliche Werbung hielten sie für unangebracht. Die Vertreter der Hochschulen der neuen Bundesländer versuchten vorrangig,
potentielle Studenten für Ihre Einrichtungen zu werben. Dabei zeigte sich, daß bei vielen Besuchem mangelndes Informiertsein zu spontaner Ablehnung eines Studiums an einer"ostdeutschen Hochschule”- diese Bezeichnung wurde auf den Titelblättern einiger Informationsmaterlalien Im Gegensatz zu"bundesdeutschen Universitäten” gebraucht- führte. Bezüglich unserer eigenen Einrichtung galt es immer wieder das Mißverständnis aufzuklären, daß die Brandenburgische Landeshochschule keine Fachhochschule oder gar eine Fachschule ist. Universitäten gelten schon durch Ihre Bezeichnung als Universität als ausreichend ausgewiesen für qualitätsgerechtes Studium. Bei Hochschulen- außer technischen Hochschulen- muß diese Qualität und auch die europaweite Anerkennung der Abschlüsse immer wieder im Einzelgespräch nachgewiesen werden. Das Ist eine Erfährung, die vielleicht diejenigen nachdenklich werden läßt, die heute noch die Umwandlung unserer Hochschule in eine Universität für Snobismus halten. Ein weiterer Aspekt Ist deutlich geworden. Über die Attraktivität einer Hochschule entscheiden heute nicht mehr nur die Studienbedingungen im engeren Sinn, sondern auch das sozlale, wirtschaftliche und kulturelle Umfeld, insbesondere Standort und Infrastruktur. Studenten westeuropälischer Länder und der alten Bundesländer begreifen die Hochschule als Lebensraum für eine wichtige Entwicklungsphase eines wesentlichen Tells ihrer Jugend, und sie erwarten, daß dieser Lebensraum für sie umfassend ausgestaltet wird. Universitäten, In deren Umfeld dies gut gelungen Ist, haben das vor allem einem effektiv arbeitenden Studentenwerk zu danken.
Es ist nicht die Aufgabe dieses Beitrags, die Schlußfolgerungen aus den Erfahrungen der Anwesenheit auf der Studentenmesse darzustellen; sie sind den Vertretern der Studienberatung und des Akademischen Auslandsamtes sowie dem Pressereferenten des Rektors mitgeteilt worden. Etwa 100 Interessenten wurde unsere Hochschule auf der Studentenmesse vorgestellt- darüber hinaus auch dem flämischen Minister Belgiens für Bildung, Herrn Rufin Grijp. Das scheint ein mageres Ergebnis zu sein, das aber aufgewertet wird durch die Tatsache, daß sich die Brandenburgische Landeshochschule erstmalig international gegenüber Studienbewerber darstellen konnte.
P.,S. Für diejenigen, die es interessiert, die Kosten hat der Deutsche Akademische Austauschdienst getragen.
Prof. Dr. H. Barthel FB Chemie
Arbeitskreis Siedlungsgeographie tagle
Am 26. und 27. März 1991 richtete das Institut für Wirtschafts- und Sozialgeographie der BLH eine turnusmäßige Tagung des Arbeitskreises Siedlungsgeographie aus. Dr. sc. Saupe und Dr. Pokorny hatten durch ihr großes Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung maßgeblich zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen.
Auf der Potsdamer Tagung vereinigten sich der Arbeitskreis Stadtgeographie aus den alten und der Arbeitskreis Siedlungsgeographie aus den neuen Bundesländern. Damit waren Absprachen zur Organisation und inhaltlichen Profilierung der künftigen Arbeit des Gremiums notwendig geworden. Nach kontroverser Debatte kamen die Mitglieder überein, die Benennung“Arbeitskreis Siedlungsgeographie” fortzuführen. Hauptanliegen der künftigen Forschung wird es sein, In vergleichenden Studien die Prozesse der Siediungsentwicklung- vor allem in den neuen Bundesländern- zu analysieren und zu bewerten. Deshalb standen im Mittelpunkt dieser Tagung in Potsdam brandaktuelle Fragestellungen zur urbanen und suburbanen Entwicklung im Osten Deutschlands. Die gewachsenen Raumstrukturen auf dem Gebiet der früheren DDR sind in der Gegenwart mit grundlegend geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert. Betroffen davon sind u.a. die Großstadtregionen, wo eine mit Westeuropa vergleichbare Entwicklung durch eine Vielzahl verschiedener gesellschaftlicher Mechanismen ausblieb, z.B. durch das Fehlen von Bodenmarkt und-preis, durch die zentralistisch gesteuerte Flächeninanspruchnahme für Wohn- und Investitionsbauten sowie durch die restriktive Ansiedlungspolitik, Werden die veränderten Rahmenbedingungen künftig ein massives Nachvollziehen urbaner und suburbaner Entwicklungsprozesse westeuropäischer Großstädte zur
Folge haben? Daß sie bereits in Gang gekommen sind, bestätigen die im Institut für Wirtschafts- und Sozialgeographie mit Studenten durchgeführten Untersuchungen zum Funktionswandel in der Innenstadt und an der Peripherie Potsdams oder zum Verkehrsaufkommen. Die Referenten aus den Amtern für Raumordnung, Regionalplanung bzw., Stadtentwicklung machten In Ihren Ausführungen transparent, daß es schwer, Ja bisweilen unmöglich ist, ihrerseits darauf Einfluß zu nehmen, daß diese Prozesse In einem für Mensch und Umwelt erträglichen Rahmen ablaufen... Planung und Gestaltung der Siedlungsstruktur im großstädtischen Raum kann- wie anderswo auch- nur von ökonomisch und organisatorisch starken Kommunen geleistet werden, die sich an einer begründeten regionalen Planung orientieren können, welche durch eine ausgewogene Landesentwicklungsgesetzgebung gestützt wird.
Kommunalpolitiker nahmen zwar an dieser Tagung nicht teil, aber die Busexkursion am Abschlußtag machte die Teilnehmer nicht nur mit dem südlichen Umland von Potsdam bekannt, sondern brachte ihnen in Wildenbruch auch die Begegnung mit einem jungen engagierten Bürgermeister. Seine Ausführungen zur aktuellen Situation und zu Entwicklungskonzepten des Ortes im Rahmen eines regionalen Siedlungsverbandes weckten In den Geographen keineswegs Illusionen, stimmten jedoch optimistisch, daß in dieser Zeit durch weitsichtige, verantwortungsbewußte Entscheidungen von Kommunalpolitikern Fehlentwicklungen im Suburbanisationsprozeß vermieden werden können, zumal wir doch hier Voraussetzungen für ein enges Zusammenwirken von Geographen, Planungsorganen und Kommunalpolitikern haben.
W. Lindner