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(1.1.2019) 10
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Interessante Neuerscheinungen- Leipziger Buchmesse 1991

Fast unüberschaubar bot sich die Auswahl wissen­schaftlicher Literatur auf der Leipziger Buchmesse vom 24.- 29. April für den Betrachter dar, so daß an dieser Stelle nur ein kleiner Teil der großen Vielfalt erwähnt werden kann. Die"Hoch­schulnachrichten werden in loser Folge das wis­senschaftliche Programm renommierter Verlage für 1991 vorstellen, vor allem aber unter dem Aspekt des eventuellen Interesses der Kollegen einzelner Fachbereiche der BLH an ganz bestimmten Neu­erscheinungen.

#203

LEIPZIGER BUCHMESSE

So richtet sich mein erster Blick auf den durch ein besonders breites Spektrum ausgewiesenen Verlag C.H. Beck in München. Hier findet der Interessierte literarische Werk- und Klassikerausgaben, ein­schließlich der berühmten"Bibliothek des 18, Jahr­hunderts und der"Österreichischen Bibliothek, Werke zur Geschichte, Kulturgeschichte, Zeitge­schichte, aber auch zur Philosophie, Geistes-, Lite­ratur- und Sprachgeschichte. Im Verlagsprogramm kommen jedoch auch die Naturwissenschaften mit ihrer Geschichte, die Architektur und die Musikwis­senschafft nicht zu kurz.

In die Reihe der Biographien dieses Verlages ordnet sich die von K.-R. Biermann verfaßte Monographie zu Karl Friedrich Gauß unter dem fast euphorischen Titel"DerFürst der Mathematiker in Briefen und Gesprächen ein. Der vorliegende Band zeichnet

Leben und Wirken dieses Mannes in seinen Briefen, in Erinnerungen und Gesprächsnotizen seiner Zeit­genossen nach. In gleicher Weise interessant als Überblick bieten sich die von U. Fölsing geschriebe­nen Porträts von Naturwissenschaftlerinnen("No­bel-Frauen), in deren Mittelpunkt ehemalige No­bel-Preisträgerinnen stehen. Die Autorin hat die Lebensgeschichten der Frauen sorgfältig recher­chiert. Sie schildert die Schwierigkeiten, die diese zu überwinden hatten, bis ihnen offizielle An­erkennung für ihre Leistung zu teil wurde. Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zum Thema"Frauen und Wissenschaff,

Zumindest ebenso interessant sollte für Natur­wissenschaftler und interessierte Laien der von U. Schultz herausgegebene Sammelband, aus 28 Ein­zelbeiträgen bestehend, zum Thema"Scheibe, Ku­gel, Schwarzes Loch. Die wissenschaftliche Erobe­rung des Kosmos sein, dessen Spannungsbogen von der frühen Sternenkunde bis hin zur modernen Radioastronomie reicht.

Auch für den Historiker aller Forschungsgebiete ist das Angebot von C. H. Beck zumindest anregend. Das betrifft auch Dieter Flachs"Römische Agrarge­schichte". Flachs Handbuch ist die erste umfassen­de Darstellung der römischen Agrargeschichte. Es behandelt die staatliche Ebene des römischen Agrarwesens(Feldvermessung, Bodenrecht, kaiser­liche Grundherrschaft usw.) ebenso wie die privat­wirtschaftlichen Aspekte(Leben auf den Gütern, Organisation der Gutshöfe, Landwirtschaft). Für den Spezialisten wie für den Laien, dessen Interesse sich auf das Mittelalter richtet, gibt sicherlich K. Blaschkes Darstellung der"Geschichte des Mittelal­ters neue Anregungen. Das Werk setzt ein mit der Einwanderung der Slawen nach 600 und endet mit dem ausgehenden 15. Jahrhundert.

Ganz in die unmittelbare Vergangenheit führt Ernst Weisenfeld mit seiner Monographie"Charles de Gaulles, Der Magier im Elysee. Weisenfeld, hervor­ragender Kenner Frankreichs, entwirft ein unge­

Bibliotheksadresse Babelsberg

Seit dem 1. Januar dieses Jahres gehört die Biblio­thek der ehemaligen Hochschule für Recht und Verwaltung zur Brandenburgischen Landeshoch­schule, Fast 400 OOO Bände und 400 Periodika weisen auf eine beachtliche Größe hin. Entspre­chend der bis November 1989 in Babelsberg übli­chen Ausbildung zum Diplomstaatswissenschaftier enthielt die Bibliothek vorrangig staats- und rechts­wissenschaftliche sowie politikwissenschaftliche Li­teratur,

Die bis Ende 1990 versuchte Orientierung der Hoch­schule für Recht und Verwaltung auf die Ausbil­dung von Juristen und Politologen nach(damals) westlichem Standard ging auch einher mit einer Aussonderung und Auffüllung der Bib­liotheksbestände. Wie überall an den Universitäten und Hochschulen der ehemaligen DDR standen Aktualisierungen, insbesondere der Aufbau neuer Lehrbuchsammlungen, auf der Tagesordnung. Ob­wohl die Gelder zögerlich kamen und noch nicht allzu üppig ausfielen, wurde eine akzeptable Aus­stattung erreicht; etwa 10 000 neue Bücher konn­ten 1990 eingearbeitet werden.

Seit Januar dieses Jahres erfolgt die Beschaffung verstärkt auf der Grundlage des Studienplanes für das Fach Rechtswissenschaft und der Konzeption zur Politikwissenschaft. Unterstützung bei der Aus­wahl gewährt in erster Linie der mit der Neugrün­dung des Fachbereiches Rechtswissenschaft be­auftragte Prof, Dr. jur. Rolf Grawert von der Ruhr-Uni­versität Bochum.

Mit der Zusicherung des Brandenburgischen Wis­senschaftsministers, Hinrich Enderlein, daß alle Ba­belsberger Studenten trotz Auflösung der dortigen Hochschule ihr Studium fortsetzen können, war auch die Beibehaltung bzw. Herstellung notwendi­ger Studienbedingungen verbunden. Dazu gehört auf jeden Fall die möglichst ausreichende Bereit­stellung von Literatur, wobei Lehrbüchern, Grund­rissen, Gesetzestexten, Lehrkommentaren und auch Monographien Priorität zukommt. In der Rechtswissenschaft bildet die Literatur zum deut­schen Recht als Hauptgegenstand der Lehre den Schwerpunkt bei den Neuerwerbungen. Vorgese­hen sind weiter Ankäufe zur Absicherung der poli­tikwissenschaftlichen Lehre- die Neugründung die­ses Fachbereiches steht unmittelbar ins Haus- so­wie für den späteren Aufbau der Wirtschaftswissen­schaften. Hier beginnt die Bibliothek schon jetzt mit der Vorbereitung.

Nr. 10/91

Bereits im vorherigen Jahr hat die Babelsberger Bibliothek, die übrigens jedem Interessierten offen­steht und 1200 eingetragene Leser hat, ihre Off­nungszeiten den Bedürfnissen der Nutzer ange­paßt. So kann man täglich von 9.00 Uhr bis 22.00 Uhr und sonnabends von 9.00 Uhr bis 14.00 Uhr in der August-Bebel-Straße 89(Telefon 76701/316) studie­ren. Anschlüsse an den deutschen und internatio­

Bibliothek in Golm

nalen Leihverkehr erlauben auch die Besorgung von ausländischer Literatur, Ein systematischer und ein alphabetischer Katalog sowie Neuerwerbungs­listen ermöglichen dem Leser eine schnelle Orien­tierung.

Zur Beratung der Leser stehen bibliothekarische Fachkräfte zur Verfügung. Wie die Leiterin der Ba­belsberger Bibliothek, Frau Gerda Graf, im Ge­spräch äußerte, würde sie einen Gesamtkatalog

wöhnliches, politisches Porträt de Gaulles, dessen weitsichtige Politik, ein"Europa zwischen Atlantik und Ural, sich als aktueller denn je erweist. Von Interesse dürfte der Band IV eines"Handbuchs der deutschen Bildungsgeschichte sein, der von Ch. Berg herausgegeben wird. Dieser Band des Hand­buchs behandelt das gesamte Bildungssystem für den Zeitraum 1870- 1918 im Zusammenhang mit den sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kul­turellen Wandlungen.

Die Grenzbereiche zwischen Kulturgeschichte und Literaturwissenschaft berührt der amerikanische Kultur- und Literaturwissenschaftler Peter Paretz mit seiner Darstellung"Kunst als Geschichte. Kultur und Politik von Menzel bis Fontane. Dieses Buch zur deutschen Kultur und Politik in den Jahren zwischen 1830 und 1880 verbindet erzählte Geschichte mit kunst- und geistesgeschichtlicher Analyse., Betrachtet man die literaturwissenschaftlichen Neuerscheinungen bei C. H. Beck, so fällt beson­ders V. Wehdekings und 6. Blambergers Darstel­lung der"Erzählliteratur der frühen Nachkriegszeit (1945- 1952)" ins Auge. Gerade hier wird eines der großen Disederata der Wissenschaft auf­gearbeitet,

Mehr dem profanen Alltag wendet sich die sprach­wissenschaftliche Untersuchung von H. J. Heringer "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, Politik, Sprache, Moral zu. Am Beispiel der Informationspolitik zu Tschernobyl, dem Fall Barschel und dem Fall Jen­ninger analysiert der Autor die Maxime kommu­nikativer Moral.

Allein diese Vorstellung wissenschaftlicher Literatur des Verlages C. H. Beck zeigt die weite Spannbreite des Angebots neuer Texte. Ich hoffe, hier zumindest die eine oder andere Anregung gegeben haben zu können.

(Unter Verwendung von: Verlagsprogramm C. H. Beck 1990/91)

P.Görlich

aller Bereichsbibliotheken der Landeshochschule begrüßen. In Babelsberg denkt man ferner an eine Informationsvermittlungsstelle, die Material auf den Gebieten Rechts-, Politik- und Wirtschaftswissen­schaften bereitstellen soll. Auch eine Reihe von speziellen Informationsmitteln für Lehre und For­schung sollen erarbeitet werden und schnell abruf­bar sein. Beantragt bei der Europäischen Gemein­

Foto: Tribukeit

schaft in Brüssel bzw. Straßburg wurden ein Europa­Dokumentationszentrum und ein Depot für Ver­öÖffentlichungen des Europarates. Bei der Zu­stimmung ist an eine Vereinbarung mit dem bereits bestehenden Presse- und Ausschnittsarchiv sowie der vorhandenen UNO-Dokumentationsstelle ge­dacht.

Regine Derdack