Nr. 11/92— Seite 12
PODIUM
PODIUM'92- Das muß man gesehen haben
Studenten-Werkstatt
Zum dritten Male nun schon initiierte der Bereich KULTUR unserer Universität die Veranstaltung„Podium“‘.
Diesmal also„Podium'92‘‘, Künstlerische Leistungen verschiedener Genres stellten StudentInnen am 19. und 20. Mai dem zahlreich erschienenen Publikum, ca. 90 Gäste pro Abend, in der
Oberen Mensa vor.
An beiden Tagen fielen die aufgeschlossene Atmosphäre, die warmherzige und ehrliche Reaktion der Anwesenden und das gewachsene Interesse an derartigen Unternehmungen auf. Beifall, Begeisterung ohne Neid spürte man
Die Motive der Vortragenden für ihren Auftritt mögen vielfältig sein, ihren Mut, sich zu„stellen“, finde ich.beachtlich, vielleicht ein Zeichen für noch Unentschlossene.
Vorgestellt wurden am 19. Mai eigene Texte von Yvonne Manti
und Jörn Strohner. Martina Irrgang und Claudia Tomaschewsky von der LITERATUR-BÜHNE lasen Franz Kafkas„Die Vorüberlaufenden/Entschlüsse‘“. Mitglieder des Studententheaters der Primarstufe zeigten von Rainer Kirsch „Der Mehrzweckschreibtisch‘“‘, Cornelia Naasner sang zwei Lieder. Katrin Schauer überraschte mit ihrem Hobby, dem Klöppeln. Ein junger Soldat der GUS kam mit Gitarre und animierte zum Mitsingen.
Podium'93 kommt bestimmt.
Aus einem elenden Zustand sich zu erheben muß selbst mit gewollter Energie leicht sein. Ich reiße mich vom Sessel los, umlaufe den Tisch, mache Kopf und Hals beweglich, bringe Feuer in die Augen, spanne die Muskeln um sie herum. Arbeite jedem Gefühl entgegen, begrüße A. stürmisch, wenn er jetzt kommen wird, dulde B. freundlich in meinem Zimmer, ziehe bei C. alles, was gesagt wird, trotz Schmerz und Mühe mit langen Zügen in mich hinein.
Aber selbst wenn es so geht, wird mit jedem Fehler, der nicht ausbleiben kann, das Ganze, das Leichte und das Schwere, stok
Franz Kafka Entschlüsse
ken, und ich werde mich im Kreise zurückdrehen müssen. Deshalb bleibt doch der beste Rat, alles hinzunehmen, als schwere Masse sich verhalten und fühle man sich selbst fortgeblasen, keinen unnötigen Schritt sich ablokken lassen, den anderen mit Tierblick anschaun, keine Reue fühlen, kurz, das, was vom Leben als Gespenst noch übrig ist, mit eigener Hand niederdrücken, das heißt, die letzte grabmäßige Ruhe noch vermehren und nichts außer ihr mehr bestehen lassen.
Eine charakteristische Bewegung eines solchen Zustandes ist das Hinfahren des kleinen Fingers über die Augenbrauen.
„Die geistige Potenz der Studenten ist unser Pfund“
Chanson Studio vor begeistertem Publikum
„Die Studenten sind über sich hinausgewachsen.‘“ Voller Begeisterung bestätigen dies Frau Arndt (Regie) und Frau Reckin(musikalische Leitung) ihren„Schützlingen‘, Sie freuen sich gemeinsam mit den 22 StudentInnen verschiedener Semester des im September 1990 gegründeten Chanson Studios(FB Musik) über die gelunge
ne Aufführung ihres Programms|
„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“. Wir unterhalten uns aus Anlaß der erfolgreichen Darbietung am zweiten Abend von Podium'92. Dreigroschenoper und Dreigroschenroman (Brecht, Weill) bilden die Grundlage für die Collage aus Songs, Szenen und Texten.
Die überzeugenden, oft professionellen Leistungen der Akteure und ihr sichtbar werdender unbedingter Wille, die Aktualität der Texte mitzuteilen, kommen an.
Bis zum Erfolg wurde hart und intensiv gearbeitet. Jeder Student, der sich am Projekt beteiligen wollte, hat letztlich„seine“ Rolle gefunden. Nach der Ideenfindung
und einem Besuch im Berliner Ensemble ging es im Januar diesen Jahres in die Einzelproben, es folgten eine Intensivwoche im Februar und ein Wochenende mit konzentrierter Vorbereitung.
Viel Freizeit investierten die Studierenden, Spielfreudigkeit und die Idee wuchsen. So mancher wurde von seiner schauspielerischen Fähigkeit überrascht.„Die Potenzen sind da, sie müssen gefördert werden.‘“, so Frau Arndt. Gewinn in vielfacher Hinsicht sei bei allen Beteiligten zu verzeichnen, ergänzt Frau Reckin.
Neben der eigenen künstlerischen| Aktivität können die Studenten auf|
diese Weise zugleich Erfahrungen
für ihre spätere Lehrertätigkeit|
sammeln. Ab September wird das Programm in Gymnasien, in Abitur-Klassen
aufgeführt. Meine Gesprächspart- Im
nerinnen sehen dies auch als Werbung-eine sehr originelle, wie ich finde— für unsere Universität an. Neue Pläne können leider noch nicht artikuliert werden, weil die Situation im Fachbereich unklar ist. Text und Fotos: Dr. Barbara Eckardt
Conny Deutrich als Erzählerin (links)
und Antje Langner als Jenny (rechts)