Nr. 20/92— Seite 2
FRAUENFORSCHUNG
Information zur Arbeit des Gründungssenats
In der 20. Sitzung am 17./ 18. November 1992 hat der Gründungssenat festgelegt,
_ diejenigen seiner Beschlüsse, die keine Personalangelegenheiten betreffen, öf-
_ fentlich zu machen.
; Die Kopien der Protokolle
werden nunmehr den Ge
führenden Direktoren reich
Herausgeber:
Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. rer. nat. habil. Rolf Mitzner
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Dr. Barbara Eckardt und Petra Görlich‘
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Die Ausgabe 1/93 der Universitätszeitung erscheint am 1. Februar
1993. Redaktionsschluß: 19. 1. 1993|
„Wir müssen rigoroser auftreten“
Fortsetzung von S. 1 Gemeinsam wollte man, ohne Illusionen, über Frauenforschung nachdenken, wohl wissend, daß dabei Machtfragen tangiert werden. Dies sei auch deshalb besonders wichtig, weil für diesen Wissenschaftsgegenstand an der Universität eigentlich kein Bedarf sei.„Wir haben bei uns keine Lobby dafür, wir müssen sie uns selbst schaffen‘, so Monika Stein.
Zunächst sei vermerkt, daß die oftmals üblichen Allgemeinplätze, die bei derartigen Unternehmungen teilweise vorgetragen werden, ausblieben. Mehr oder weniger unausgesprochen war man sich darin einig, daß die Forderung nach Gleichbehandlung und Realisierung gleicher Chancen für Frauen in Zusammenarbeit mit Männern Binsenweisheiten sind(zumindest für die Anwesenden). Unstrittig auch die Schwierigkeit des Findens angemessener Begrifflichkeiten für die Gegenstände Feminismus und Frauenforschung, dieses Verständnis„nach außen‘ zu tragen und den eigenen Anspruch permanent ‚in Frage zu stellen (Prof. Dr. Irene Dölling).
Die erste Referentin, Dr. Andrea Kinsky-Ehritt aus dem Fachbereich Anglistik/Amerikanistik der Universität Potsdam, sprach zum Thema„Feministische Forschung und Lehre in der Anglistik“. Sie stellt aufgrund ihrer Erfahrungen fest, daß die deutsche Anglistik sehr konservativ ist. Angesichts der Tendenz zur Professorendominanz auch in Potsdam befürchtet sie daher Folgen für die Frauenforschung in Gestalt von künftiger Verdrängung dieser Themen aus Lehre und Forschung.„Wir fühlen den Legitimationszwang sehr stark.“ Sie plädiert deshalb für eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem zu gründenden Lehrstuhl für Frauenforschung.
Am Beispiel von Max und Marianne Weber legte die Soziologin Dr. Theresa Wobbe(FU Berlin) ihr Thema„Geschlechterunterschiede und Geschlechterverhältnis— einige wissenssoziologische Anmerkungen“ dar.„Im Rahmen soziologischer Frauenforschung bietet die kontextgebundene Kategorie Geschlecht ein Instrumentarium, um nach Geschlechterunterschied
und Geschlechterverhältnis zu fragen und damit eine Perspektivierung zu ermöglichen, die u. a. in Richtung einer Soziologie des weiblichen Lebenszusammenhangs und der Geschlechterverhältnisse weisen könnte.“ Die Biochemikerin Dr. Dagmar Heymann ist sich bewußt, daß sie mit ihren Thesen zur feministischen Naturwissenschaft an Grundfesten rüttelt. Dennoch stellt sie Objektivität und Wertfreiheit der Naturwissenschaften als absolute Größen in Frage. Damit würde auch Verantwortung abgeschafft. Die Philosophin Dr. Christine Eifler(Humboldt-Universität Berlin) sieht im Namen von Objektivität und Rationalität andere Wissenschaftsansätze diskriminiert und das Verständnis von Frauen für frauenspezifische Fragen unterentwickelt. Sie äußerte ihre Gedanken„Zur Rolle der Frauenforschung an einer erneuerten Universität‘. Reden allein werden die Probleme nicht lösen, deshalb forderte Monika Stein dazu auf, im Gleichstellungsrat und anderswo rigoroser aufzutreten.
Dr. Barbara Eckardt
In einer die Tagung abschließenden Gesprächsrunde über Handlungsstrategien bei der Institutionalisierung von Frauenforschung an der Universität Potsdam wurde das Für und Wider unterschiedlicher Standpunkte erörtert(Anbindung der Frauenprofessur in einem Fachbereich und damit Bindung an bestimmte Studiengänge oder Frauenforschung in einem selbständigen Bereich, der auf die anderen Fachbereiche ausstrahlt, feministische Forschung möglicherweise koordiniert). Auf unserem Foto: Dr. Regina Neum, Monika Stein, Dr. Gabriele Jähnert(HUB, ZiF), Dr.
Christine Eifler(HUB), Johanna Kootz(FU Berlin)- v. I. n. r.
U. S. Foto: Eckardt