Nr. 7/93— Seite 12
KULTUR
Aufruf an alle Studenten und Lehrkräfte der Universität Potsdam
Am 10.‘Mai vor 60 Jahren wurde eines der finstersten Ereignisse deutscher Kulturund Literaturgeschichte und auch Universitätsgeschichte inszeniert. Unter Führung na
zistischer Kulturfunktionäre und Studentenführer, aber auch von Lehrstuhlinhabern für deutsche Literaturgeschichte(!) warfen braun uniformierte Studenten(!) in einem mittelalterlich-inquisitorischen Ritual Bücher von Schriftstellern, Philosophen und Publizisten auf Scheiterhaufen. Mit neun standardi
sierten:„Feuersprüchen‘,. die „möglichst wörtlich der Rede des studentischen Vertreters zugrunde zu legen“ waren, sollte die Einheitlichkeit dieser barbarischen Aktion gesichert werden. So verbrannten vor der Universität in Berlin, aber auch in Göttingen, München, Frankfurt, Breslau und anderen Universitätsstädten Bücher von Heinrich Mann, Remarque, Kästner, Marx, Kautsky, Freud, Tucholsky, Ossietzky und vieler anderer. 131 Autoren enthielt die „erste amtliche Liste des Preußischen Ministeriums für Wissen
schaft, Kunst und Volksbildung“ als Richtlinie zur Säuberung der Volksbüchereien.„Undeutscher“ Geist sollte da ausgetrieben werden und neuem„völkischen Bewußtsein“ Platz schaffen.
Lehrkräfte und Studenten unserer Universität wollen im Gedenken an den Tag der Bücherverbrennung Texten der Verfemten ihre Stimme geben. Wer sich lesend oder nur zuhörend daran beteiligen will, ist herzlich eingeladen.
Zur Abstimmung des Leseprogramms bitten wir alle, die sich
„MARIA MAGDALENE“
Sechs Jahrzehnte nach Schillers„Kabale und Liebe“ und acht Jahre nach Büchners„‚Woyzeck“ schreibt Friedrich Hebbel 1843 seine ‚„‚Maria Magdalene“— eine der letzten großen„bürgerlichen Tra
gödien“‘.
Unter der Regie von Gert Jurgons und in der Ausstattung von Angelika Dubufe ist das Stück am 5. und 20. Mai, jeweils 19.30 Uhr, und am 30. Mai, 17.00 Uhr im Theaterhaus Am Alten Markt
zu sehen.
Auf unserem Foto(Jauk): Ruth-Claire Lederle als Meister Antons Frau und Katrin Pollitt als Tochter Klara(v. 1. n. r.).
Wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen der Universität
Fachbereich Musik: 5. Ma 19.00 Uhr, Golm, Haus 6, Kammermusiksaal, KOMPONISTENPORTRÄT, Der Potsdamer Komponist:
nach eigener Auswahl lesend an der Veranstaltung beteiligen wollen, um Kontaktaufnahme im Bereich Kultur(Prof. Dr. Bergstedt) oder im Fachbereich Germanistik(Prof. Dr. John).
Der Fachbereich Musik wird sich mit musikalischen Beiträgen beteiligen.
Die Veranstaltung findet am Montag, 10. Mai 1993, 19.30 Uhr, in der„Galerie am Neuen Palais“ statt.
Bereich Kultur
Fachbereich Germanistik Fachbereich Musik
Gerhard Rosenfeld spricht über sein Schaffen, Gesprächsleitung: Prof. Dr. G. Eisenhardt
Fachbereich Germanistik:
11. Mai, 14.00 Uhr,—
Golm, Haus 14/517,)
„Der Witz im Deutschunter
richt“,. Referent: Prof. Dr. ‚Ulrich(Päd-; Sqogische Hochschule Kid)