HOCHSCHULLEBEN
Nr. 11/93— Seite 3
Thema „Politikverdrossenheit“ zog nur wenige Interessenten an
Gelegenheit zur Diskussion bot am 7. Juni eine im Chemiehörsaal(Gebäude I, Komplex Neues Palais) durchgeführte Veranstaltung zur Thematik„Politikverdrossenheit‘“. Gäste der Universität waren ehemalige Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments. Vor zehn Jahren haben sie sich ihre eigene Vereinigung geschaffen, mit fester Satzung und festem Statut, alle Fraktionen umfassend. Fast monatlich gibt es Zusammenkünfte. Zum Jahresprogramm gehört mindestens eine Reise, die der Vervollständigung der politischen Bildung dient. Diesmal führte die Exkursion der ca. 80 Teilnehmer, gefüllt mit einem vom 6. 6.9. 6. zu absolvierenden „Riesenprogramm“, in die Landeshauptstadt Brandenburgs. Von seiten unserer Alma mater hatten sich vor allem Mitarbeiter eingefunden; nur wenige Studenten hatten sich offensichtlich durch das Thema angesprochen gefühlt.
Eröffnet wurde das zweistündige Forum vom stellvertretenden Gründungsrektor der Universität, Prof. G. Kempter, der einige Fakten zur Geschichte, Perspektive, zum räumlichen und personellen Umfeld der Lehreinrichtung darlegte.
Der Diskussion, die mit Sicherheit nur Probleme anriß, ohne sie in diesem Rahmen klären zu können, ging ein von Prof. W. Bürklin, Bereich Politikwissenschaft, gehaltenes, komprimiertes Referat voraus. In diesem unterschied er zwischen den nicht nur deutschen Phänomenen der Demokratie- und Staatsverdrossenheit, der Parteienverdrossenheit sowie der Politikverdrossenheit.
Nachdem zunächst die Gefahr
einer ausschließlichen Auseinandersetzung zwischen den ehemaligen Abgeordneten und dem Referenten bestand, meldeten sich dann doch einige Mitarbeiter und Studenten zu Wort. Sie versuchten v. a., auf die Spezifik ostdeutscher Erfahrungen, Ssituativer Bedingungen und daraus entstehender Probleme hinweisen. Sehr deutlich wurde während dieses Treffens, daß grundlegend verschiedene Lebensläufe und Identitäten auch eine andere Art der Diskussion bewirken. Natürlich, durch die Kommunikation miteinander, so die Parlamentarier vergangener Jahre, werden Einsichten befördert. Die gegenwärtigen Grenzen und Schwierigkeiten jener Auseinandersetzung waren jedoch auch innerhalb der Veranstaltung zu spüren.
Das sich zur Verfügung stellen der Gäste zum politischen Disput gehört zu ihrem Hauptanliegen. Nach ihren Wünschen für die Zukunft befragt, äußerte sich in ähnlicher Weise Frau U. Benedix-Engler, von 1972-1983 für die CDU im Deutschen Bundestag tätig:„Ich würde mir wünschen, daß wir auf allen Ebenen vorbehaltlos miteinander ins Gespräch kämen. Wir, die sogenannte erfahrene Generation, mit der nachwachsenden Generation, die Ostdeutschen mit den Westdeutschen, die Arbeit Besitzenden mit den Arbeitslosen.
Wir müssen eine vorurteilsfreie, den anderen gelten lassende, annehmende, sellschaft werden.
Auf diesem Weg zur Demokratie müssen wir weiter voranschreiten...!
P. Görlich
tolerantere Ge-|[}
Profilbildung, Transparenz, Leistungsvergleich
Am 7. und 8. Juni 1993 tagten an unserer Universität die Gremien der Hochschulrektorenkonferenz(HRK). Ihr Präsident, Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen, informierte in Anwesenheit des Gründungsrektors, Prof. Dr. Rolf Mitzner, vor der Presse über behandelte Schwerpunkte: Konzept der wissenschaftlichen Weiterbildung an den Hochschulen, Änderung der allgemeinen Bedingungen für die Rahmenprogrammordnung der Diplomprüfungen, Umsetzung des Konzeptes der Hochschulen, Organisation der Forschung an den Hochschulen. Entsprechende Unterlagen werden im Juli dem Plenum der HRK vorgelegt. Prof. Erichsen stellte außerdem den ersten Werkstattbericht aus dem„Pilotprojekt Profilbildung‘ der HRK(Dokumente zur Hochschulreform 82/1993) vor. Zum Anliegen erklärte er: „Hochschulen als vom steuerzahlenden Bürger finanzierte Einrichtungen sind gegenüber der Öffentlichkeit und allen Interessierten— Studienbewerbern und ihren Eltern, Studierenden, Wissenschaftlern, Politikern— rechenschaftspflichtig. Sie geben Rechenschaft über ihre Leistungen in Lehre und Forschung, aber auch über den Umgang mit den ihnen zur Verfügung gestellten Mitteln. Trotz der Verschiedenheit der individuellen Hochschulen und trotz
Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen
aller methodischen Probleme sind fachbezogene Vergleiche anhand verläßlicher Daten ein Beitrag zu größerer TranspareNZ..
Angaben von zehn Hochschulen, die sich freiwillig beteiligten(U Bamberg, U Bayreuth, TU Berlin, HS Bremen, U Dortmund, U Kaiserslautern, U Karlsruhe, GHS Kassel- U, U Osnabrück, U- GHS Wuppertal), über die Lehr-, Studien- und Forschungssituation in den Fächern Physik, Wirtschaftswissenschaften und Germanistik enthält der Bericht. Diese Erhebungen werden ergänzt durch Beschreibungen des besonderen Profils der Hochschulen(Fächerangebot, Schwerpunkte in Forschung und Lehre) und der Rahmenbedingungen von Studium und Forschung(Bibliotheksausstattung, soziale Infrastruktur, kulturelle Angebote). Eine Fortsetzung soll die Analyse im Herbst zu den Fächern Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik erfahren.
Prof. Mitzner begründete die Nichtbeteiligung unserer Universität mit der Übergangssituation, in der sie sich noch befinde. Mit dem vorgelegten Material könne sich jeder Interessierte ein eigenes Bild vom Leistungspotential der Hochschulen und ihrer Fächer machen, also ein persönliches Ranking aufstellen, so Prof. Erichsen. B.E.
Foto: Rüffert