Heft 
(1.1.2019) 11
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HOCHSCHULLEBEN

Nr. 11/93 Seite 3

Thema Politikverdrossenheit zog nur wenige Interessenten an

Gelegenheit zur Diskussion bot am 7. Juni eine im Chemiehör­saal(Gebäude I, Komplex Neu­es Palais) durchgeführte Veran­staltung zur ThematikPolitik­verdrossenheit. Gäste der Uni­versität waren ehemalige Abge­ordnete des Deutschen Bundes­tages und des Europäischen Par­laments. Vor zehn Jahren haben sie sich ihre eigene Vereinigung geschaffen, mit fester Satzung und festem Statut, alle Fraktio­nen umfassend. Fast monatlich gibt es Zusammenkünfte. Zum Jahresprogramm gehört minde­stens eine Reise, die der Vervoll­ständigung der politischen Bil­dung dient. Diesmal führte die Exkursion der ca. 80 Teilneh­mer, gefüllt mit einem vom 6. 6.9. 6. zu absolvierenden Riesenprogramm, in die Lan­deshauptstadt Brandenburgs. Von seiten unserer Alma mater hatten sich vor allem Mitarbeiter eingefunden; nur wenige Stu­denten hatten sich offensichtlich durch das Thema angesprochen gefühlt.

Eröffnet wurde das zweistündi­ge Forum vom stellvertretenden Gründungsrektor der Universi­tät, Prof. G. Kempter, der einige Fakten zur Geschichte, Perspek­tive, zum räumlichen und perso­nellen Umfeld der Lehreinrich­tung darlegte.

Der Diskussion, die mit Sicher­heit nur Probleme anriß, ohne sie in diesem Rahmen klären zu können, ging ein von Prof. W. Bürklin, Bereich Politikwissen­schaft, gehaltenes, komprimier­tes Referat voraus. In diesem unterschied er zwischen den nicht nur deutschen Phänome­nen der Demokratie- und Staats­verdrossenheit, der Parteienver­drossenheit sowie der Politik­verdrossenheit.

Nachdem zunächst die Gefahr

einer ausschließlichen Ausein­andersetzung zwischen den ehe­maligen Abgeordneten und dem Referenten bestand, meldeten sich dann doch einige Mitarbei­ter und Studenten zu Wort. Sie versuchten v. a., auf die Spezifik ostdeutscher Erfahrungen, Ssi­tuativer Bedingungen und dar­aus entstehender Probleme hin­weisen. Sehr deutlich wurde während dieses Treffens, daß grundlegend verschiedene Lebensläufe und Identitäten auch eine andere Art der Diskus­sion bewirken. Natürlich, durch die Kommunikation miteinan­der, so die Parlamentarier ver­gangener Jahre, werden Einsich­ten befördert. Die gegenwärti­gen Grenzen und Schwierigkei­ten jener Auseinandersetzung waren jedoch auch innerhalb der Veranstaltung zu spüren.

Das sich zur Verfügung stellen der Gäste zum politischen Disput gehört zu ihrem Haupt­anliegen. Nach ihren Wün­schen für die Zukunft befragt, äußerte sich in ähnlicher Weise Frau U. Benedix-Engler, von 1972-1983 für die CDU im Deutschen Bundestag tätig:Ich würde mir wünschen, daß wir auf allen Ebenen vorbehaltlos miteinander ins Gespräch kä­men. Wir, die sogenannte erfah­rene Generation, mit der nach­wachsenden Generation, die Ostdeutschen mit den Westdeut­schen, die Arbeit Besitzenden mit den Arbeitslosen.

Wir müssen eine vorurteilsfreie, den anderen gelten lassende, annehmende, sellschaft werden.

Auf diesem Weg zur Demokra­tie müssen wir weiter voran­schreiten...!

P. Görlich

tolerantere Ge-|[}

Profilbildung, Transparenz, Leistungsvergleich

Am 7. und 8. Juni 1993 tagten an unserer Universität die Gremien der Hochschulrektorenkonfe­renz(HRK). Ihr Präsident, Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen, infor­mierte in Anwesenheit des Gründungsrektors, Prof. Dr. Rolf Mitzner, vor der Presse über behandelte Schwerpunkte: Konzept der wissenschaftlichen Weiterbildung an den Hoch­schulen, Änderung der allge­meinen Bedingungen für die Rahmenprogrammordnung der Diplomprüfungen, Umsetzung des Konzeptes der Hochschulen, Organisation der Forschung an den Hochschulen. Entsprechen­de Unterlagen werden im Juli dem Plenum der HRK vorgelegt. Prof. Erichsen stellte außerdem den ersten Werkstattbericht aus demPilotprojekt Profilbil­dung der HRK(Dokumente zur Hochschulreform 82/1993) vor. Zum Anliegen erklärte er: Hochschulen als vom steuer­zahlenden Bürger finanzierte Einrichtungen sind gegenüber der Öffentlichkeit und allen In­teressierten Studienbewerbern und ihren Eltern, Studierenden, Wissenschaftlern, Politikern rechenschaftspflichtig. Sie ge­ben Rechenschaft über ihre Lei­stungen in Lehre und For­schung, aber auch über den Umgang mit den ihnen zur Ver­fügung gestellten Mitteln. Trotz der Verschiedenheit der indivi­duellen Hochschulen und trotz

Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen

aller methodischen Probleme sind fachbezogene Vergleiche anhand verläßlicher Daten ein Beitrag zu größerer Transpa­reNZ..

Angaben von zehn Hochschu­len, die sich freiwillig beteilig­ten(U Bamberg, U Bayreuth, TU Berlin, HS Bremen, U Dort­mund, U Kaiserslautern, U Karlsruhe, GHS Kassel- U, U Osnabrück, U- GHS Wupper­tal), über die Lehr-, Studien- und Forschungssituation in den Fä­chern Physik, Wirtschaftswis­senschaften und Germanistik enthält der Bericht. Diese Erhe­bungen werden ergänzt durch Beschreibungen des besonderen Profils der Hochschulen(Fä­cherangebot, Schwerpunkte in Forschung und Lehre) und der Rahmenbedingungen von Stu­dium und Forschung(Biblio­theksausstattung, soziale Infra­struktur, kulturelle Angebote). Eine Fortsetzung soll die Analy­se im Herbst zu den Fächern Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik erfahren.

Prof. Mitzner begründete die Nichtbeteiligung unserer Uni­versität mit der Übergangssitua­tion, in der sie sich noch befinde. Mit dem vorgelegten Material könne sich jeder Interessierte ein eigenes Bild vom Leistungspo­tential der Hochschulen und ih­rer Fächer machen, also ein per­sönliches Ranking aufstellen, so Prof. Erichsen. B.E.

Foto: Rüffert