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ZUSAMMENARBEIT
Universitätsgesellschaft zu starkem Engagement bereit
Einundfünfzig Mitglieder zählt die Universitätsgesellschaft Potsdam zum Beginn des Jahres 1994. Nach dem Willen ihrer Mitglieder soll das Jahr 1994 eine starke Ausstrahlung der Universität in die Öffentlichkeit bringen. Daran wollen die Vertreter der Wirtschaft, von Banken und Handel, Verwaltung, Kunst und Kultur mitarbeiten.
Sie verstehen sich ausdrücklich als intellektuelle und materielle Förderer der neuen Universität in Brandenburgs Landeshauptstadt. Die Fürsprache für die
Hochschule und deren Popularisierung weit über die Region hinaus sehen die Mitglieder als wichtigste Aufgabe ihres Zusammenschlusses an. Einzubringen haben die Persönlichkeiten, zumeist schon lange im Licht der Öffentlichkeit arbeitend, vielfältige Lebens- und Berufserfahrungen, bewährte Kontakte in unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft und auch Gelassenheit im Umgang mit Negativdarstellungen, die schwierige Aufbausituationen häufig begleiten. Hier können die Mitarbeiter der Universität
einen Fundus nutzen, wenn es um die Öffnung ihrer Einrichtung nach außen geht. Ohne Zweifel wird 1994 größeren Raum für die notwendige Imagepflege der Universität lassen. Mit dem Abschluß der Arbeit des Gründungssenates, den Wahlen zu den Gremien sowie des Rektors und der Prorektoren wird mehr Ruhe in die Universität einziehen und dem einzelnen Mitarbeiter produktive Freiräume zur Gestaltung seiner Arbeit eröffnen.
In diesem Sinne bestehen auch gute Grundlagen für ein stärke
res Zugehen auf die Universitätsgesellschaft als Ganzes und auf jedes einzelne Mitglied. Ob es sich um Hilfe bei der Beschaffung im Bereich der Lehre und Forschung oder finanzielle Zuwendungen handelt, die Bereitschaft der Mitglieder ist vorhanden. Die Zusammenarbeit hat gerade begonnen, Reserven auf beiden Seiten sollten genutzt werden.
Zu Beginn des Jahres haben wir einige Mitglieder der Universitätsgesellschaft um Gedanken, Wünsche und Anregungen zur Zusammenarbeit gebeten.
Carl Gottfried Rischke, Vorsitzender des Vorstandes
der LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG Dr. Detlef von Schwerin, Polizeipräsident Potsdam
Herzlichen Glückwunsch dem Gründungssenat unter Leitung von Prof. Dr. Rolf Mitzner zu der hervorragenden Aufbauleistung! Auf den vorgelegten Rechenschaftsbericht kann nach wenigen Monaten harter Arbeit mit Stolz verwiesen werden. Für Brandenburg und die Stadt Potsdam ist diese Arbeit von außerordentlicher Bedeutung. Nur im Zusammenspiel von Wissenschaft, Lehre, Wirtschaft, Verwaltung, Kunst und Kultur können die wichtigsten Impulse ausgehen, die unsere Region zu neuer Blüte und den Menschen ein lebenswertes Zuhause bringen können.
Für die Universität Potsdam wünsche ich mir eine unabhängige Forschungstätigkeit, eine Lehre, die frei von Vorgaben, jedoch ihren Beitrag auch zur Weiterentfaltung der wirtschaftlichen Kraft leistet. In unserem Unternehmen benötigen wir Anstöße vielfältiger Art, um besser für die Wettbewerbsgesellschaft gerüstet zu sein. Wir suchen den Dialog mit Lehre und Studierenden, um selbst zu lernen. Gern wollen wir praktische Erfahrungen vermitteln, dazu stehen bei uns Praktikantenplätze zur Verfügung. Über Dauerteilzeitarbeitsplätze wollen wir helfen, nötigenfalls Stu
dierenden eine wirtschaftliche Grundlage zu vermitteln. Zentrales Anliegen wird jedoch die Bearbeitung der besonderen Fragestellungen und Lösungs- erfordemisse als Konsequenz der Wirtschafts-, Währungsund Sozialunion und des Beitritts bleiben müssen. So arbeitet unser Unternehmen z. B. an Fragen der unterschiedlichen Vermögensstruktur ost- und westdeutscher Haushalte, der Privatisierung von Wohneigen- tum zugunsten ostdeutscher Haushalte, der Optimierung des Einsatzes öffentlicher Mittel zur umfassenden Wohnungsversorgung und der vergleichenden Analyse unterschiedlichen Verbraucherverhaltens Ost/West.
Die Praxis hat in den letzten drei Jahren viele schnelle Lösungen finden müssen. Pionierarbeit steht hier auch für methodisch nicht abgesicherte Entscheidungen. Inzwischen sind wieder andere Kriterien in den Vordergrund gerückt. Die Wirtschaft - gerade bei rein ostdeutschen Betrieben - bedarf der Unterstützung der Universität Potsdam, der Institute und Fachbereiche, die schon vorhanden sind, und hoffentlich in naher Zukunft auch einer betriebswirtschaftlichen Fakultät.
In unserem Land, das nicht mit vielen natürlichen Ressourcen gesegnet ist, sind seine Menschen das wichtigste Kapital.
Dies ist eine der gemeinsamen Erfahrungen, die nach dem Krieg in beiden Teilen Deutschlands gemacht wurden. Sie gilt auch heute noch. Eine gute und zeitgemäße Ausbildung ist darum von größter Bedeutung für unsere Gesellschaft. Ein freier, ungehinderter Zugang aller zu den Bildungsinstitutionen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine moderne Industriegesellschaft. So vielschichtig unsere Gesellschaft ist, so vielgestaltig ist auch unser Ausbildungssystem. Die Universität nimmt darin einen zentralen Platz ein.
Die ehemalige DDR hat der Universität einen sehr viel geringeren Stellenwert im Ausbildungssystem zuerkannt als die alte Bundesrepublik. So war z. B. der Anteil der Studierenden an der Gesamtbevölkerung ab Ende der siebziger Jahre in der Bundesrepublik mehr als doppelt so hoch wie in der DDR. Um das so entstandene Ungleichgewicht möglichst rasch zu beheben, hat das Land Brandenburg u. a. die Universität Potsdam gegründet.
Mit der wachsenden Anzahl der Universitäten und Studenten tragen die modernen Industriestaaten dem rapiden Wandel der Berufe, der Ausbildungsgänge und wachsenden Anforderungen an den arbeitenden Menschen Rechung. Auch die Universität selbst muß sich diesem steten Wandel in unserer Gesellschaft stellen, sich nicht nur anpassen, sondern auch vorausdenken.
Auch für unsere Stadt ist diese Universität eine Bereicherung. Vor allem dann, wenn sie sich nicht beschränkt auf die Heranbildung von „Fachidioten“. Obrigkeitsstaatliches oder unpolitisches Denken und Elfenbeinturm waren viel zu lange herausragende und noch selbst erlebte Aspekte unserer Universitäten. Eine Universität, die kritisches Denken fördert und Gelegenheit zu verantwortlicher Eigeninitiative gibt, wird unserer Gesellschaft entscheidende Impulse geben können.
Ein Neuanfang ist auch immer Verheißung. So wünsche ich mir, daß unsere Potsdamer Universität sich demokratisch einmischt, Stellung bezieht, auch wenn das unbequem sein sollte, und voller Neugierde wahrhaft universal ihre Tore der Welt öffnet.