Heft 
(1.1.2019) 12
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FESTAKT

Nr. 12/94-Seite 3

Das ist der erste akademische Festakt, zu dem die Universität Potsdam einlädt, obwohl wir nun schon drei Jahre existieren. Der Anlaß ist eine Zäsur in der Ent­wicklung: seit dem 1. Januar die­ses Jahres gibt es gewählte Gre­mien und eine gewählte Univer­sitätsleitung. Die Gründungs­phase ist erfolgreich abgeschlos­sen. Die Übergabe der Promoti- ons- und Habilitationsurkunden bietet für den Festakt einen zwei­ten schönen Anlaß.

Wir glauben, daß die Universi­tät Potsdam jetzt, da etwa 80 Pro­zent der vorgesehenen Professu­ren besetzt und viele For­schungsprojekte eingebunden sind, fast alle Voraussetzungen für die meisten Studiengänge existieren, zu einem Zustand ge­funden hat, wo die Eigendyna­mik einsetzt, die die weitere Ent-

Die Universität als Spiegelbild

- Aus der Rede des Rektors -

Wicklung der Universität bestim­men wird.

Es hat sich gezeigt, daß die ge­nerelle Konzeption des Grün­dungssenats, einige wenige gro­ße Fakultäten aufzubauen und den interdisziplinärenAustausch durch geeignete Zentren und die sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit außeruniversitären For­schungseinrichtungen zu reali­sieren, ein ausgesprochenerTref- fer war. Wir haben jetzt Mühe, die Möglichkeiten mit der inzwi­schen entstandenen Geschwin­digkeit materiell und personell abzuarbeiten. Ich bin überzeugt, daß uns die Landesregierung hier weiter unterstützen wird.

An unserer Universität haben sich alle Probleme der Menschen in den neuen Bundesländern ge­spiegelt - vom Übergang zu neu­en rechtlichen Bestimmungen,

vom Zwang zu Kompatibilität bis zur Innovation, von der Sa­nierung aller Gebäude bis zur besseren Ausstattung mit Bü­chern und Geräten. Von der Möglichkeit eines freien politi­schen und wissenschaftlichen Meinungsaustausches ganz zu schweigen.

Auch die Aufgabe, den Men­schen an der Universität Pots­dam diese neuen Aufgaben zu er­öffnen und dabei eine Beurtei­lung der politischen, menschli­chen und fachlichen Vergangen­heit vorzunehmen, ist in den letz­ten drei Jahren unter Mitwirkung einer großen Anzahl von Struk­tur-, Evaluierungs- und Beru­fungskommissionen, wobei aus­wärtige Kollegen stark beteiligt waren, bewältigt worden. Ge­zielte Überprüfungen, massen­haftes Ausschreiben von Profes­

suren und auch die Übernahme von 150 Wissenschaftlern im Rahmen des Wissenschaftler-In- tegrationsprogramms haben ins­gesamt zu einem guten Zustand der Universität geführt.

Es liegt in der Natur der Sache, daß man in Einzelfällen in die Diskussion eintreten kann und muß. Ich kann aber mit gutem Gewissen sagen, daß die Erneue­rung des Personals der Univer­sität Potsdam in fachlicher und auch in politischer Hinsicht ge­lungen ist. Die öffentlichen An­griffe auf die Universität stehen in keinem vernünftigen Verhält­nis zur Situation und werden z. T. von Personen geführt, die ganz andere, persönliche Moti­ve haben.

Akademische Festveranstaltung könnte zur Tradition werden

Die Festveranstaltung am 7. Juni 1994 war die erste Veranstaltung in der fast dreijährigen Geschich­te der Universität Potsdam, die Mitarbeiter, Studenten und Gä­ste der Universität in so großer Zahl zusammenführte. Anlaß boten der Abschluß der Grün­dungsphase und die Überrei­chung der Urkunden an 18 Pro- movenden und 4 Habilitanden.

Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Rolf Mitzner, konnte den Brandenburgischen Ministerprä­sidenten, Dr. Manfred Stolpe, den Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Hinrich Enderlein, den Landtagspräsi­denten, Dr. Herbert Knoblich, den Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Dr. Horst Grämlich, sowie zahlreiche Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Wissen­schaft und Kultur begrüßen. Dar­unter waren Rektoren und Ver­treter der Berliner Universitäten sowie der brandenburgischen

Wissenschaftseinrichtungen, Abgeordnete des Brandenburgi­schen Landtages, Fraktions- und Ausschußvorsitzende. Besonde­rer Dank galt den anwesenden Vertretern des Gründungssena­tes, die in zweijähriger Arbeit das Konzept für die Universität entwickelt haben. Der Rektor be­grüßte herzlich die Gäste aus den Reihen der Universitätsgesell­schaft e. V., die die Hochschule materiell und ideell tatkräftig unterstützen.

Was wäre ein Festakt ohne Fest­redner, und da hatte die Univer­sität den Mann in ihrer Mitte, der ab 1. Juli Deutschlands oberster Repräsentant sein wird. Prof Dr. Roman Herzog, bekannt als Ju­rist, Hochschullehrer und Präsi­dent des Bundesverfassungsge­richts und als solcher im Früh­jahr nach Potsdam eingeladen, löste seine Zusage ein.

Das selbstgewählte Thema war der Freiheit des Geistes gewid­

met, einem Gegenstand, der nicht oft genug ins Bewußtsein breiter Öffentlichkeit gerückt werden kann (den Text der Rede s. S. 4 ff.).

Als gute Einstimmung für die im Programm folgende Übergabe der Urkunden an die zweiund­zwanzig jungen Wissenschaftler und deren Lebensweg bezeich- nete der Rektor die Ausführun­gen des Festredners. Typisch für die Universität Potsdam, so Prof. Mitzner weiter, sei das Her­kunftsspektrum der Geehrten: zwei kommen aus Osteuropa, zwei aus den alten Bundeslän­dern, einige gehörten der ehema­ligen Akademie der Wissen­schaften und dem Fraunhofer- Instituts an, andere entstammen der Brandenburgischen Landes­hochschule. Ihnen allen wurde von verschiedenen Rednern für die wissenschaftliche Leistung gedankt, die die Mehrzahl in schwieriger gesellschaftlicher

Umbruchsituation erbracht hat. Eine schöne alte Sitte aufgrei- fend, sprach im Namen dieser Gruppe Dr. habil. Uwe Schilde die Dankesworte. Er würdigte die Hilfe der Familienangehöri­gen, der wissenschaftlichen Be­treuer und aller an der Kommu­nikation inner- und außerhalb der Universität Beteiligten. Uwe Schilde versicherte, daßunser Augenmerk darauf gerichtet ist, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wohle des Menschen ein­zusetzen, Forschung so zu orga­nisieren, daß diese hilft, existen­tielle Menschheitsfragen - wie klein die Beiträge im einzelnen auch sein mögen - zu lösen.

Hier schloß sich der Bogen der Festveranstaltung. Was in den Grußworten und in der Festan­sprache an Erwartungen und Vorstellungen geäußert wurde, kann mit Hilfe dieser jungen Wissenschaftler vielleicht ein Stück vorangebracht werden.