FESTAKT
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Das ist der erste akademische Festakt, zu dem die Universität Potsdam einlädt, obwohl wir nun schon drei Jahre existieren. Der Anlaß ist eine Zäsur in der Entwicklung: seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt es gewählte Gremien und eine gewählte Universitätsleitung. Die Gründungsphase ist erfolgreich abgeschlossen. Die Übergabe der Promoti- ons- und Habilitationsurkunden bietet für den Festakt einen zweiten schönen Anlaß.
Wir glauben, daß die Universität Potsdam jetzt, da etwa 80 Prozent der vorgesehenen Professuren besetzt und viele Forschungsprojekte eingebunden sind, fast alle Voraussetzungen für die meisten Studiengänge existieren, zu einem Zustand gefunden hat, wo die Eigendynamik einsetzt, die die weitere Ent-
Die Universität als Spiegelbild
- Aus der Rede des Rektors -
Wicklung der Universität bestimmen wird.
Es hat sich gezeigt, daß die generelle Konzeption des Gründungssenats, einige wenige große Fakultäten aufzubauen und den interdisziplinärenAustausch durch geeignete Zentren und die sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu realisieren, ein ausgesprochenerTref- fer war. Wir haben jetzt Mühe, die Möglichkeiten mit der inzwischen entstandenen Geschwindigkeit materiell und personell abzuarbeiten. Ich bin überzeugt, daß uns die Landesregierung hier weiter unterstützen wird.
An unserer Universität haben sich alle Probleme der Menschen in den neuen Bundesländern gespiegelt - vom Übergang zu neuen rechtlichen Bestimmungen,
vom Zwang zu Kompatibilität bis zur Innovation, von der Sanierung aller Gebäude bis zur besseren Ausstattung mit Büchern und Geräten. Von der Möglichkeit eines freien politischen und wissenschaftlichen Meinungsaustausches ganz zu schweigen.
Auch die Aufgabe, den Menschen an der Universität Potsdam diese neuen Aufgaben zu eröffnen und dabei eine Beurteilung der politischen, menschlichen und fachlichen Vergangenheit vorzunehmen, ist in den letzten drei Jahren unter Mitwirkung einer großen Anzahl von Struktur-, Evaluierungs- und Berufungskommissionen, wobei auswärtige Kollegen stark beteiligt waren, bewältigt worden. Gezielte Überprüfungen, massenhaftes Ausschreiben von Profes
suren und auch die Übernahme von 150 Wissenschaftlern im Rahmen des Wissenschaftler-In- tegrationsprogramms haben insgesamt zu einem guten Zustand der Universität geführt.
Es liegt in der Natur der Sache, daß man in Einzelfällen in die Diskussion eintreten kann und muß. Ich kann aber mit gutem Gewissen sagen, daß die Erneuerung des Personals der Universität Potsdam in fachlicher und auch in politischer Hinsicht gelungen ist. Die öffentlichen Angriffe auf die Universität stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zur Situation und werden z. T. von Personen geführt, die ganz andere, persönliche Motive haben.
Akademische Festveranstaltung könnte zur Tradition werden
Die Festveranstaltung am 7. Juni 1994 war die erste Veranstaltung in der fast dreijährigen Geschichte der Universität Potsdam, die Mitarbeiter, Studenten und Gäste der Universität in so großer Zahl zusammenführte. Anlaß boten der Abschluß der Gründungsphase und die Überreichung der Urkunden an 18 Pro- movenden und 4 Habilitanden.
Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Rolf Mitzner, konnte den Brandenburgischen Ministerpräsidenten, Dr. Manfred Stolpe, den Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Hinrich Enderlein, den Landtagspräsidenten, Dr. Herbert Knoblich, den Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Dr. Horst Grämlich, sowie zahlreiche Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur begrüßen. Darunter waren Rektoren und Vertreter der Berliner Universitäten sowie der brandenburgischen
Wissenschaftseinrichtungen, Abgeordnete des Brandenburgischen Landtages, Fraktions- und Ausschußvorsitzende. Besonderer Dank galt den anwesenden Vertretern des Gründungssenates, die in zweijähriger Arbeit das Konzept für die Universität entwickelt haben. Der Rektor begrüßte herzlich die Gäste aus den Reihen der Universitätsgesellschaft e. V., die die Hochschule materiell und ideell tatkräftig unterstützen.
Was wäre ein Festakt ohne Festredner, und da hatte die Universität den Mann in ihrer Mitte, der ab 1. Juli Deutschlands oberster Repräsentant sein wird. Prof Dr. Roman Herzog, bekannt als Jurist, Hochschullehrer und Präsident des Bundesverfassungsgerichts und als solcher im Frühjahr nach Potsdam eingeladen, löste seine Zusage ein.
Das selbstgewählte Thema war der Freiheit des Geistes gewid
met, einem Gegenstand, der nicht oft genug ins Bewußtsein breiter Öffentlichkeit gerückt werden kann (den Text der Rede s. S. 4 ff.).
Als gute Einstimmung für die im Programm folgende Übergabe der Urkunden an die zweiundzwanzig jungen Wissenschaftler und deren Lebensweg bezeich- nete der Rektor die Ausführungen des Festredners. Typisch für die Universität Potsdam, so Prof. Mitzner weiter, sei das Herkunftsspektrum der Geehrten: zwei kommen aus Osteuropa, zwei aus den alten Bundesländern, einige gehörten der ehemaligen Akademie der Wissenschaften und dem Fraunhofer- Instituts an, andere entstammen der Brandenburgischen Landeshochschule. Ihnen allen wurde von verschiedenen Rednern für die wissenschaftliche Leistung gedankt, die die Mehrzahl in schwieriger gesellschaftlicher
Umbruchsituation erbracht hat. Eine schöne alte Sitte aufgrei- fend, sprach im Namen dieser Gruppe Dr. habil. Uwe Schilde die Dankesworte. Er würdigte die Hilfe der Familienangehörigen, der wissenschaftlichen Betreuer und aller an der Kommunikation inner- und außerhalb der Universität Beteiligten. Uwe Schilde versicherte, daß „unser Augenmerk darauf gerichtet ist, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wohle des Menschen einzusetzen, Forschung so zu organisieren, daß diese hilft, existentielle Menschheitsfragen - wie klein die Beiträge im einzelnen auch sein mögen - zu lösen.“
Hier schloß sich der Bogen der Festveranstaltung. Was in den Grußworten und in der Festansprache an Erwartungen und Vorstellungen geäußert wurde, kann mit Hilfe dieser jungen Wissenschaftler vielleicht ein Stück vorangebracht werden.