Heft 
(1.1.2019) 12
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ANSPRACHE

Nr. 12/94-Seite 7

neue Ideen, und erst die Zukunft kann meist erweisen, ob es sich bei diesen Ideen um Produkte einer Narrenfreiheit oder um Grundlagenforschung handelt, ob ihre Urheber Genies oder nur Spinner waren.

Ich sage das hier deshalb so poin­tiert, weil ich - und nicht nur vom Hörensagen - natürlich auch weiß, wie schwer sich die­se Art von Wissenschaften tun kann, wenn es in unseren Haus­halten um die Verteilung der fi­nanziellen und noch mehr der personellen Ressourcen geht. Es liegt ja auf der Hand, daß diese Ressourcen zunächst in solche Disziplinen und Institute fließen, von denen man sich einen Nut­zen zumindest mit einiger Wahr­scheinlichkeit erwarten kann. Aber das darf, wie ich meine, nicht alles sein. Etwas Geld muß auch für die sogenannten Orchi­deenfächer und für die leicht als Spinner abqualifizierten Au­ßenseiter vorhanden sein. Man weiß nie, ob nicht gerade einer von ihnen es ist, der die geistige Entwicklung voranbringt, und noch weniger weiß man, ob nicht gerade aus seiner Arbeit dereinst das entspringt, was man so schön und obenhin als wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen bezeichnet. Die Atmosphäre der Freiheitlichkeit, die das Gewäh­renlassen solcher Außenseiter schafft, ist übrigens ein Gewinn, den eine solche Politik von An­fang an in sich trägt - auch wenn man sich über sie gelegentlich nach Kräften ärgern muß. (Sie sehen, daß ich meine Jahre als Universitätsprofessor nicht ver­gessen habe.) Aber ich mißtraue zutiefst jenen herrschenden Leh­ren, ohne die die Außenseiter gar keine Außenseiter wären. In der Medizin können wir, wenn ich recht sehe, gerade heute ein Lied davon singen.

Daß auch hier nicht alles so ge­leistet werden kann, wie es wün­schenswert wäre, weiß natürlich auch ich. Das gilt besonders für jene Außenseiterpositionen, de­

Urkunden ausgehändigt

Prof. Mitzner überreichte an 22 Promovenden und Habilitan­den aller Fakultäten die Urkunden. Unter ihnen Dr. Uwe Schil­de (r.), der sich im Namen der Wissenschaftler bei allen be­dankte, die zum Gelingen ihrer wissenschaftlichen Arbeiten beigetragen haben.

Fotos: Rüffert

An 18 Promovenden und 4 Habilitanden aller Fakultäten wurden durch den Rektor Urkunden überreicht.

Die Mehrzahl dieser Wissenschaftler studierte in den neuen Bun­desländern und promovierte an der Universität Potsdam. Mehrere Promovenden haben in den alten Bundesländern studiert und ihr Promotionsstudium zum Teil an der Potsdamer Hochschule ab­solviert. Unter denjenigen, die einen wichtigen Abschnitt ihres wissenschaftlichen Lebens beendeten, befinden sich zwei Ost­europäer, Mitarbeiter aus den WIP-Gruppen und eines Fraunhofer- Institutes.

ren wissenschaftliche Verfol­gung ihrerseits nicht mit ein paar Professoren- oder Assistenten­stellen zu sichern ist, sondern die sich im Bereich der sogenannten Großforschung abspielen. Ohne Planungs- und Nützlichkeits­überlegungen kann es hier, wie auch ich einsehe, nicht abgehen, und selbstverständlich muß auch dann noch überlegt werden, wo man solche Positionen am besten ansiedelt: an den Universitäten, an Max-Planck-Instituten, Fraunhofer-Instituten oder was dergleichen mehr ist. Aber ir­gendwo, irgendwo muß jemand sitzen, der darauf achtet, daß auch hier die Außenseiter nicht restlos unter den Tisch gebügelt werden - auch wenn der Nutzen ihrer Arbeit nicht auf den ersten Blick erkennbar und berechen­bar ist. Gregor Mendel hat die nach ihm benannten Gesetze 1865 veröffentlicht. Aber es hat volle 35 Jahre gedauert, bis ihre Richtigkeit in den Arbeiten von Correns, Tschermak und de Vries erkannt, bestätigt und zur Grundlage einer völlig neuen Disziplin, der Genetik, gemacht wurde; den Brief, mit dem er Charles Darwin einen Abdruck seiner ersten Publikation zuge­sandt hat, soll man in dessen Nachlaß noch ungeöffnet vorge­funden haben. Wer weiß, ob er zu seinen Forschungen über­haupt je gekommen wäre, wenn ihm nicht ausgerechnet sein Abt die Gelegenheit dazu gelassen hätte, sondern wenn er dafür die Mittelzuweisung durch ein mo­dernes Forschungsministerium nötig gehabt hätte.

In der Wissenschaft, meine Da­men und Herren, ist es wie beim Friseur: Im allgemeinen wird auch hier mit dem Strich gebür­stet, und das ist ja auch gut und richtig so. Aber es muß dafür Sorge getragen werden, daß ge­legentlich auch einmal einer zum Zug kommt, der gegen den Strich der herrschenden For­schungsrichtungen bürstet. Das sollten wir immer bedenken.

Dr. Lissy Jäkel Dr. Bozena Pedzisz

Birgit Giebel Ria Nolte

Anneliese Felger-Pärsch Simone Hesse Rene Hofmann Holger Kapp Eva Erbach Jürgen Gericke Heike Schmidt

Dr. Wulff Possart Dr. Uwe Schilde

Susanne Zager Jörg Koppitz Ralf-Uwe Syrbe Frank Idler

Martina Schimmelmann Thomas Wilke Dr. Reinhard Ketelhut Sabine Vogel Kai Altemann

Promovenden