KONFERENZ
Nr. 12/94-Seite 19
„Interkulturelle Kommunikation und prozeßorientierte Medienpraxis im Fremdsprachenunterricht - Grundlagen, Realisierung, Wirksamkeit“ (Konferenzbericht)
Vom 21. bis 23. April dieses Jahres fand an der Universität Potsdam das fremdsprachendidaktische Kolloquium zum oben genannten Thema statt. Veranstaltet wurde es vom Lehrgebiet „Didaktik des Englischen“ am Englischen Seminar der Universität Hannover und der Abteilung „Fachdidaktik Englisch“ des Instituts für Anglistik und Amerikanistik der Universität Potsdam. Teilnehmer der Konferenz waren 16 Referenten und 7 Moderatoren aus ganz Deutschland und aus Irland. Unter der Gästeschaft befanden sich u. a. der 1. Vorsitzende der DG FF - Herr Prof. Dr. W. Zyda- tiß, Teilnehmer des Fremdsprachendidaktischen Kolloquiums Berlin-Brandenburg sowie Vertreter des Hueber-Verlages, der Zeitschrift „Fremdsprachenunterricht“, der Universitäten zu Berlin, Halle und Leipzig, des Sprachenzentrums Potsdam sowie Vertreter der Schulpraxis. Die dreitägige Veranstaltung wurde von der Dekanin der Philosophischen Fakultät I der Universität Potsdam, Frau Prof Dr. Helene Harth, und dem Staatssekretär des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Herrn Frank E. Portz, eröffnet, eingeführt durch Herrn Doz. Dr. Wilfried Gienow - Universität Potsdam.
Die vier Hauptreferate trugen grundlegenden, allgemeinüber- greifenden, theorievertiefenden Charakter und beleuchteten die vielgestaltige und komplexe Thematik der Interkulturalität und prozeßorientierten Medien- praxis im Fremdsprachenunterricht aus unterschiedlicher Sicht. So stellte Herr Prof. Dr. W. Hüllen (Uni Essen) das wechselseitige Durchdringen
von Kultur und Sprache dar und betonte u. a., daß die Bereitschaft zu interkultureller Kommunikation als ein moralisches Gebot zu verstehen sei. Frau Prof. Dr. I. C. Schwerdtfeger (Uni Bochum) referierte zum dialektischen Verhältnis des Fremden und Eigenen und verdeutlichte die Unabdingbarkeit des Fremden für jeden einzelnen Menschen, der ohne Konflikte niemals ein Selbst werden könnte. Nachfolgend beschäftigte sich Herr Prof. Dr. D. Wolff (Uni Wuppertal) mit dem Konzept des lemerorientierten Fremdsprachenunterrichts und erläuterte die didaktischen Potenzen der Telekommunikation im Rahmen dieses Ansatzes. Die Ausführungen von Herrn Prof. Dr. K. Hellwig (Uni Hannover) zum Thema „Übertragen von Gedichten als prozeßorientierte Erfahrung bei Lemem des Englischen“ gründeten auf neuesten Erkenntnissen der Übersetzungsdidaktik sowie der psy- cholinguistischen Auseinandersetzung mit dem Sprachprozeß und stellten Ergebnisse einer Pilotstudie mit Englischlemem im 7. Unterrichtsjahr dar.
Die Referate des zweiten Konferenztages, die sich eher schwerpunktartig und stärker praxisbezogen der komplexen Tagungsthematik zuwandten, beinhalteten u. a. die Problematik des prozeßorientierten und initiativen Medieneinsatzes im schulischen Fremdsprachenunterricht (Doz. Dr. W. Gienow - Uni Potsdam) sowie in der interkulturellen Lehrerausbildung (Dr. W. Bufe - Uni des Saarlandes), die Darstellung von Möglichkeiten der Eigenherstellung aktueller Unterrichtsmaterialien durch die Lehrkraft (Prof. Dr. H. Rautenhaus - Uni Oldenburg) sowie
Präsentationen neuer Lemkon- zepte und Technologien (Prof. Dr. B. Rüschoff - Uni Karlsruhe), insbesondere des auf kulturelle und interkulturelle Kompetenz abzielenden, interaktiven multimedialen Fremdsprachenerwerbs (Prof. Dr. D. Little-Uni Dublin). Weitere Schwerpunkte wurden in den Referaten zu Re
Uni Potsdam) sowie zum Videoeinsatz im Russischunterricht (Dr. A. Meyer - Berlin) wurde die praxisbezogene Darstellung der Gesamtthematik fortgeführt, wobei Frau Doz. Dr. R. Kupetz (Uni Leipzig) zugunsten aktueller Anmerkungen zu den Vorrednern auf ihr geplantes Referat verzichtete.
Prof. Helene Harth, Dr. Wilfried Gienow (Mitte), Frank E. Portz (rechts) Foto: Tribukeit
zeptionsweisen für amerikanische Fernsehserien (Prof. Dr. J. Donnerstag - Uni Dortmund), zu Möglichkeiten für einen Französischunterricht mit offenen Lektionseinheiten (Prof. Dr. E. Rattunde - Uni Freiburg) sowie zu Fernlernbriefen als Medium autonomen Lernens bei Erwachsenen (Dr. U. Nebe-Rikabi - Uni Leipzig) aufgegriffen und mit praktischen Beispielen belegt.
In den Vorträgen des letzten Veranstaltungstages zum kombinierten Einsatz von literarischen Texten, Bildern und Musik im Fremdsprachenunterricht (Dr. G. Blell - Uni Potsdam), zu interkulturellen Prozessen in den USA (Doz. Dr. B. Krück -
In seinem Schlußwort stellte Prof. Hellwig die Ganzheitlich- keit und das Gedeihen des Forschungsprojektes dar, das ursprünglich von den Fachdidakti- kem der Universitäten Hannover und Potsdam zu Zwecken der partnerschaftlichen Kooperation und des Abbaus von Ost- West-Informationsdefiziten initiiert worden war, mittlerweile aber zu einem national (z. T. international) bedeutsamen Projekt mit fach- und stufenüber- greifendem Charakter gereift ist und dessen zukunftsorientierte Weiterführung unter zusätzlicher Einbeziehung der Universitäten Rostock und Hamburg realisiert werden soll.
Heike Koernig