Heft 
(1.1.2019) 04
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JAHRESTAGUNG DER DVS-SEKTION SPORTGESCHICHTE

Berührungsängste noch nicht vollständig abgebaut

Erst seit kurzem ist die DDR-Sportge- schichte wirklich beendet. Die eigentlich seit fünf Jahren nicht mehr existente Sportmacht erhielt vor wenigen Wochen in Magdeburg ihre 1600. und damit defi­nitiv letzte Medaille. Der Anlaß: Die Fern­schach-Spieler Hans-Ulrich Grünberg, Horst Rittner, Horst Handel, Firitz Baum­bach (alle Berlin), Heinrich Burger (Bir­kenwerder) und Volker-Michael Anton (Magdeburg) belegten den dritten Platz bei der 10. Fernschach-Olympiade. Nichtsdestotrotz beschäftigen sich Wis­senschaftler schon länger mit dem Phä­nomen DDR-Sportgeschichte. An der Uni­versität Potsdam wurde unter anderem zu diesem Zweck im April 1993 der Arbeits­bereich Zeitgeschichte des Sports ge­schaffen- eine bundesweit einmalige Ein­richtung. Deren Leitung hat Prof. Dr. Hans Joachim Teichler inne. Als sein wissen­schaftlicher Mitarbeiter fungiert Dr. Gisel- her Spitzer. Beide organisierten nun die Jahrestagung der dvs (Deutsche Vereini­gung für Sportwissenschaft) - Sektion Sportgeschichte.

Ausgetragen wurde sie an historischer Stät­te: der 1908/09 von Otto March erbauten Neu-Fahrländer Siemens-Villa. Gekommen waren ca. 40 Tbilnehmer, um zu diffizilen Problemen der Nachkriegsentwicklung von Hirnen und Sport in allen Tbilen der heuti­gen Bundesrepublik zu debattieren. Nahe liegt dabei oft der Versuch, die sportlichen Erfolge des ehemaligen sozialistischen Staates lediglich auf die beiden Säulen Sta­si und Doping zu reduzieren. Dieser Gefahr entging auch die diesjähnge Thgung nach Einschätzung einiger Tbilnehmer nicht ganz.

So widmeten sich erstmals nach Offenle­gung einschlägiger Quellen sowohl Tbich- ler als auch Spitzer der Staatssicherheits- Problematik. Demnach war die Hauptabtei­lung XX/3 des entsprechenden Ministeri­ums für den Sport zuständig. Die Mehrzahl der dort befindlichen Akten harrt jedoch noch immer ihrer Erschließung. Giselher Spitzer schätzte die Zahl der Stasi-Mitarbei­ter im DDR-Sport auf nahezu 3000, davon allein 400 in Berlin. Die Potsdamer Wissen­schaftler konzentrierten sich bei ihren Re­cherchen auf die Ausspähung des Sports durch die Stasi in der Bundesrepublik. Die Akten der dafür zuständigen Hauptverwal­tung Aufklärung wurden allerdings vernich­tet. So blieben den Forschern lediglich Um­wege. Spitzer jedenfalls billigte den von ihm durchforsteten Akten einenhohen Wahrheitsgehalt" zu. Der Grund: viele Infor­mationen hätten sich über Querverbindun­gen bestätigt.

Neben diesen Betrachtungen standen wei­

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Holger Behrendt errang 1988 olympisches Gold m Seoul. Er ist einer von früheren DDR-Sportlem der Spitzenklasse. Foto: Firenkel

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tere Sachberichte und kritische Äußerun­gen auf der Tagesordnung. Die Themen­palette reichte dabei beispielsweise von derReeducation durch Sport in der ame­rikanischen Besatzungszone (Dr. Norbert Gissel, Um Gießen) überDie internationa­len Sportbeziehungen der DDR in den 60er Jahren" (Dr. Gerhard Grasmann, Uni Greifs­wald) bis hin zu denAuswirkungen des Leistungssportbeschlusses am Beispiel Basketball in Leipzig" (Prof. Dr. Günther Wonneberger).

Aber auch internationale Aspekte fanden ihre Berücksichtigung. So sprach als Gast Prof. Dr. Bernhard Woltmann (Gorzow, Po­len). Er widmete sich den Sportbeziehun­gen zwischen Polen und der ehemaligen DDR. Sein Urteil: Die Kontakte waren je nach Forschungsgebiet unterschiedlich ent­wickelt. Die Leistungssportforschung je­doch geriet kaum zum Gegenstand des Austausches unter den polnischen und ost­deutschen Sportwissenschaftlern. Auf an­deren Gebieten gestaltete sich dagegen die Zusammenarbeit sehr erfolgreich und für beide Seiten förderlich.

Das Fazit nicht weniger Tbilnehmer der Ver­anstaltung lautete: Auch in Zukunft gibt es noch sehr vielStoff für die weitere Aufar­beitung des einstigen DDR-Sports, Dem wäre allerdings eine noch produktivere Ein­bindung von Zeitzeugen dienlich. Schließ­lich könnten nur sie Sachverhalte aus den damaligen Umständen heraus erklären. In Neu-Fahrland sei dies aufgrund noch vor­herrschender Berührungsängste nur zöger­lich gelungen. RG.

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PUTZ. Die Potsdamer Universitätszeitung ISSN 0947-1650

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Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit;

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der Juni-Ausgabe: Freitag, 26. Mai 1995 Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei. Verlag und Anzeigenverwaltung News & Media Public Relations, Marcus v. Arnsberg,

Köpenicker Str. 9 b, D-10997 Berlin, Tfelefon 030/611 22 91, Telefax 618 92 93 Es gilt Anzeigen-Preisliste Nr. 1 (1.9.1994) Anzeigenschluß der Juni-Ausgabe: 26. Mai 1995

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