JAHRESTAGUNG DER DVS-SEKTION SPORTGESCHICHTE
Berührungsängste noch nicht vollständig abgebaut
Erst seit kurzem ist die DDR-Sportge- schichte wirklich beendet. Die eigentlich seit fünf Jahren nicht mehr existente Sportmacht erhielt vor wenigen Wochen in Magdeburg ihre 1600. und damit definitiv letzte Medaille. Der Anlaß: Die Fernschach-Spieler Hans-Ulrich Grünberg, Horst Rittner, Horst Handel, Firitz Baumbach (alle Berlin), Heinrich Burger (Birkenwerder) und Volker-Michael Anton (Magdeburg) belegten den dritten Platz bei der 10. Fernschach-Olympiade. Nichtsdestotrotz beschäftigen sich Wissenschaftler schon länger mit dem Phänomen DDR-Sportgeschichte. An der Universität Potsdam wurde unter anderem zu diesem Zweck im April 1993 der Arbeitsbereich Zeitgeschichte des Sports geschaffen- eine bundesweit einmalige Einrichtung. Deren Leitung hat Prof. Dr. Hans Joachim Teichler inne. Als sein wissenschaftlicher Mitarbeiter fungiert Dr. Gisel- her Spitzer. Beide organisierten nun die Jahrestagung der dvs (Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft) - Sektion Sportgeschichte.
Ausgetragen wurde sie an historischer Stätte: der 1908/09 von Otto March erbauten Neu-Fahrländer Siemens-Villa. Gekommen waren ca. 40 Tbilnehmer, um zu diffizilen Problemen der Nachkriegsentwicklung von Hirnen und Sport in allen Tbilen der heutigen Bundesrepublik zu debattieren. Nahe liegt dabei oft der Versuch, die sportlichen Erfolge des ehemaligen sozialistischen Staates lediglich auf die beiden Säulen Stasi und Doping zu reduzieren. Dieser Gefahr entging auch die diesjähnge Thgung nach Einschätzung einiger Tbilnehmer nicht ganz.
So widmeten sich erstmals nach Offenlegung einschlägiger Quellen sowohl Tbich- ler als auch Spitzer der Staatssicherheits- Problematik. Demnach war die Hauptabteilung XX/3 des entsprechenden Ministeriums für den Sport zuständig. Die Mehrzahl der dort befindlichen Akten harrt jedoch noch immer ihrer Erschließung. Giselher Spitzer schätzte die Zahl der Stasi-Mitarbeiter im DDR-Sport auf nahezu 3000, davon allein 400 in Berlin. Die Potsdamer Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihren Recherchen auf die Ausspähung des Sports durch die Stasi in der Bundesrepublik. Die Akten der dafür zuständigen Hauptverwaltung Aufklärung wurden allerdings vernichtet. So blieben den Forschern lediglich Umwege. Spitzer jedenfalls billigte den von ihm durchforsteten Akten einen „hohen Wahrheitsgehalt" zu. Der Grund: viele Informationen hätten sich über Querverbindungen bestätigt.
Neben diesen Betrachtungen standen wei
PUTZ 4/95
Holger Behrendt errang 1988 olympisches Gold m Seoul. Er ist einer von früheren DDR-Sportlem der Spitzenklasse. Foto: Firenkel
r ■ v *
tere Sachberichte und kritische Äußerungen auf der Tagesordnung. Die Themenpalette reichte dabei beispielsweise von der „Reeducation durch Sport in der amerikanischen Besatzungszone „ (Dr. Norbert Gissel, Um Gießen) über „Die internationalen Sportbeziehungen der DDR in den 60er Jahren" (Dr. Gerhard Grasmann, Uni Greifswald) bis hin zu den „Auswirkungen des Leistungssportbeschlusses am Beispiel Basketball in Leipzig" (Prof. Dr. Günther Wonneberger).
Aber auch internationale Aspekte fanden ihre Berücksichtigung. So sprach als Gast Prof. Dr. Bernhard Woltmann (Gorzow, Polen). Er widmete sich den Sportbeziehungen zwischen Polen und der ehemaligen DDR. Sein Urteil: Die Kontakte waren je nach Forschungsgebiet unterschiedlich entwickelt. Die Leistungssportforschung jedoch geriet kaum zum Gegenstand des Austausches unter den polnischen und ostdeutschen Sportwissenschaftlern. Auf anderen Gebieten gestaltete sich dagegen die Zusammenarbeit sehr erfolgreich und für beide Seiten förderlich.
Das Fazit nicht weniger Tbilnehmer der Veranstaltung lautete: Auch in Zukunft gibt es noch sehr viel „Stoff“ für die weitere Aufarbeitung des einstigen DDR-Sports, Dem wäre allerdings eine noch produktivere Einbindung von Zeitzeugen dienlich. Schließlich könnten nur sie Sachverhalte aus den damaligen Umständen heraus erklären. In Neu-Fahrland sei dies aufgrund noch vorherrschender Berührungsängste nur zögerlich gelungen. RG.
Segeln im Havelland
FAMILIENSEGELN
BOOTSVERLEIH
SEGELSCHULE
Werder/Havel
Vermietung von BM-Kieljollen
mit Gaffelsegel, für 4 bis 6 Personen
One-Way-Touren Sail & Rail
Familienrabatt • Gruppenpreise Öffnungszeiten
Sa und So von 9 Uhr bis max. 21 Uhr Mo bis Fr nach Vereinbarung
Ulrich Topp Top-Sail GmbH
Am Zernsee 5 • 14542 Werder/H. Telefon 0171/246 26 26
Impressum
PUTZ. Die Potsdamer Universitätszeitung ISSN 0947-1650
Herausgeber
Der Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Rolf Mitzner Redaktion
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit;
Myriam Honig (Hg.) (v.i.S.d.P), Regine Derdack (De.), Dr. Barbara Eckardt (B.E.), Petra Görlich (EG.) Tfexterfassung Sigrid Penquitt Titelfoto Karla Rüffert Anschrift der Redaktion Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam, ffelefon 0331/977-1496 oder -1474, -1782, - 167S, Telefax 0331/977-1145 Redaktionsschluß
der Juni-Ausgabe: Freitag, 26. Mai 1995 Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei. Verlag und Anzeigenverwaltung News & Media • Public Relations, Marcus v. Arnsberg,
Köpenicker Str. 9 b, D-10997 Berlin, Tfelefon 030/611 22 91, Telefax 618 92 93 Es gilt Anzeigen-Preisliste Nr. 1 (1.9.1994) Anzeigenschluß der Juni-Ausgabe: 26. Mai 1995
Seite 31