Heft 
(1.1.2019) 06
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DAS SCHIFFLER" IST NOCH NICHT IM HEIMATHAFEN

Uni beteiligt sich forschungsbegleitend am Projekt Lebensgestaltung - Ethik - Religionen

Wie weiter? So lautet die Frage in Sachen Lebensgestaltung - Ethik - Religionen (LER). Noch ist nichts entschieden. Zur Zeit werten die Verantwortlichen den bun­desweit einmaligen, nicht unumstrittenen Brandenburger Schulmodellversuch LER aus. Die Erprobung begann 1992 unter Beteiligung von ca. 7000 Schülerinnen und Schülern der 7. bis 10. Klassen an 44 Schulen der Sekundarstufe I. Berichte darüber liegen jetzt von den Beteiligten an der wissenschaftlichen Begleitung, der betreuenden Projektgruppe sowie von der evangelischen Kirche vor.

Den Stand der Dinge stellte kürzlich die Ministerin für Bil­dung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Angelika Peter, so dar:Das Schuljahr 1995/96 ist ein Jahr der Auswer­tung und des Übergangs. Eine endgültige Entscheidung über die Einführung eines Lern­bereiches oder des Faches ist noch nicht getroffen. Bis zum Beginn des Schuljahres 1996/97 soll die Zukunft von LER im neu­en Landesschulgesetz geregelt sein. Der ursprünglich für drei Jahre vorgesehene Schulver­such wird um ein weiteres ver­längert.

Befragt nach den gegenwärti­gen Möglichkeiten der Beteili­gung der Uni Potsdam an die­sem Unterfangen, antwortet de­ren Rektor: Wir können uns nicht in den Ausgang des Modellprojektes einmischen, aber im Rahmen der Forschung halte ich entsprechende Über­legungen, LER betreffend, für gut und vernünftig. Ab 1996 seien ein Aufbaustudium bzw. Weiterbildungsmaßnahmen mit dem Ziel des Ablegens einer Lehrbefähigung für ein Fach »LER an der Potsdamer Hoch­schule denkbar, man fange je­doch nicht bei Null an.

Zu den forschungsbegleiten­den Aktivitäten gehört auch die Konstituierung eines interdiszi­plinären Arbeitskreises zur in­haltlichen Weiterarbeit an der Entwicklung des Faches, der Fachdidaktik und der Leh­rerbildung für LER Anfang Mai 1995. Das Interdisziplinäre Zentrum für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung, insbesonde­re deren Arbeitsstelle für Professions­studien und Qualifikationsforschung, die

PUTZ 6/95

Projektgruppe für LER am Pädagogischen Landesinstitut Brandenburg, der Gesell­schaftliche Beirat für LER sowie das Mini­sterium für Bildung, Jugend und Sport ar­beiten dabei intensiv zusammen. Im Ergeb­nis dieser ersten Beratung wurden wichtige Entwicklungsaufgaben benannt. So gehe es um die wissenschaftliche Begründung des Faches LER und damit im Zusammen­hang stehend um die Konkretisierung von Aufgaben, Gegenstand und Grundkonzept sowie um das Verhältnis zu anderen Fä­chern. Weiter will man sich der Entwick­lung von Rahmenrichtlinien und der Mitwir­

kung bei der Entwicklung von Rahmenplä­nen für einzelne Schulstufen und Bildungs­gänge, aber auch von rahmenbegleitenden Materialien widmen. Ebenso gehe es um die Ausarbeitung einer entsprechenden Didaktik unter Berücksichtigung der ver­schiedenen Schulstufen und Bildungsgän­

ge bei Nutzung der bisherigen Erfahrun­gen mit dem Fach. Ein wesentliches Ele­ment bei den Überlegungen der Wissen­schaftler und Praktiker spiele die Lehrerbil­dung.Ausgehend von den zu entwickeln­den Kompetenzen müssen Anforderungen sowohl an Inhalte als auch an die Struktur der Fort- und Weiterbildung und die Ausbil­dung bestimmt werden, erläutert die Lei­terin der Arbeitsstelle für Professions­studien und Qualifikationsforschung, Dr. Regine Keil. Das sei letztlich die entschei­dende Voraussetzung dafür, daß das inter­disziplinäre Anliegen von LER in vollem Umfang umgesetzt werden könne, um den Schülern damit wirkliche Lebenshilfe zuteil werden zu lassen. Die Uni hät­te die Chance, auf diese Wei­se an der Veränderung der Wissenschafts- und Schul­landschaft mitzuwirken. Auch Studierende beteiligen sich, so beispielsweise Andre Falk, dergroße Lust darauf hat, sich aus studentischer Sicht sowohl in die universitäre Ar­beitsgruppe einzubringen, als auch die Diskussionsange­bote zur Veranstaltung werden zu lassen. Dafür sucht er Mit­streiter. Der Religionswissen- schaftler Prof. Dr. Karl E. Grö- zinger von der Potsdamer Alma mater ist seit Sommer 1994 Mitglied des vom Mini­sterium für Bildung, Jugend und Sport berufenen Gesell­schaftlichen Beirates für LER. Er plädiert für einen interdiszi­plinär und integrativ gebilde­ten Pädagogen und damit für einen interdisziplinären Studi­engang. Diese Empfehlung gab auch der Gesellschaftli­che Beirat. Die gegenwärtige Diskussion aufgreifend, merkt der Wissenschaftler an:Eine richtige Idee muß noch nicht durch seine unvollkommene Realisierung zum Scheitern verurteilt sein, wenn man weiß, wo die Gründe dafür lie­gen. Wesentliche Ursachen für die Kritik sieht er in der ob­jektiv bedingten ungenügenden inhaltli­chen Vorbereitung der Lehrer. Das müsse man allerdings von der Gesamtbewertung LER trennen. Seiner Auffassung nach brau­che der Schülerden Kenner und Freund verschiedener Konfessionen, ungeachtet dessen, was er selbst bekennt. B.E.

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Die Anker sind noch an Land, die Vorbereitungen für die große Fahrt des Schiffes LER in vollem Gange. Route und Hafen müssen allerdings noch bestimmt werden. Foto: Eckardt

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