Heft 
(1.1.2019) 02
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WISSENSCHAFT AKTUELL

LICHT UND SCHATTEN

Das Wissenschaftler-Integrationsprogramm ist beendet

allgemeinen Relativitätstheorie. Ihre Quellen sind zum Beispiel die Kollapsvorgänge bei der Bildung von Neutronensternen und Schwarzen Löchern (sogenannte Super­novae) oder auch Doppelsternsysteme, die aus Neutronensternen oder Schwarzen Lö­chern bestehen und einander auf Spiral­bahnen umkreisen. Sie verhalten sich ähn­lich wie elektromagnetische Wellen, nur daß sie in der Regel viel schwächer sind und auf Massen statt auf Ladungen wirken.

Ihre Existenz allerdings konnte bisher noch nicht direkt bestätigt werden (einen indirek­ten Nachweis fand man zu Beginn der acht­ziger J ahre aufgrund von Änderungen in der Bahnbewegung eines Pulsars in einem Doppelsternsystem), weil die Detektoren, die empfindlich genug für die schwachen Signale der Gravitationswellen sind, sich noch im Bau befinden. Bei dem Meßverfah­ren wird ausgenutzt, daß Gravitationswellen den Abstand zweier Körper zueinander in periodischen Abständen vergrößern bzw. verringern (und sie gleichzeitig vertikal stau­chen bzw. strecken). In der Abteilung Beobachtungsorientierte Gravitationstheo- ne, geleitet von Prof. Dr. Bernhard Schutz, bereitet man sich auf diese Messungen vor. Da die Signale erwartungsgemäß sehr klein sein werden, müssen sich die Wissenschaft­ler unter anderem mit der Wirkung von Stö­rungen auseinandersetzen, die ebenfalls kleine periodische Abstandsänderungen bewirken können, wie beispielsweise inne­re Erdbewegungen. Auch können Schwin­gungen aufgrund der inneren Energie der Meßinstrumente thermisch angeregt wer­den. All diese Phänomene müssen sorgfäl­tig studiert und Fehlerquellen wenn möglich eliminiert werden, um im Falle tatsächlich auftreffender Gravitationswellen die Signale als solche interpretieren zu können.

Gravitationswellen und Schwarze Löcher

Ebenso wichtig ist es aber, sich zu überle­gen,was die gemessenen Signale wohl bedeuten. Dazu muß man theoretische Vor­stellungen darüber haben, wie die Gravita­tionswellen erzeugt werden, erläutert Eh­lers eine weitere Aufgabe dieser Abteilung. Tätsächlich sollte ein Neutronen-Doppel- sternsystem sowohl von der Form als auch von der Stärke ein anderes Signal liefern, als beispielsweise schwingende Schwarze Löcher, bestimmte Supernova-Typen oder eben auch zwei kollabierende Schwarze Löcher. Mit dem Nachweis von Gravita­tionswellen wäre somit nicht nur eine wei­tere Bestätigung der Allgemeinen Relativi­tätstheorie, sondern auch eine neue Beob­achtungsmethode von Vorgängen im Welt­all gefunden. So sollten Gravitationswellen beispielsweise sehr detaillierte Informatio­nen über die Vorgänge im Innern eines kol­labierenden Sternes liefern. ade

Nun ist es also Geschichte: das Wissen- schaftler-Integrationsprogramm (WIP). 1991 eingerichtet, lief es zum 31. Dezem­ber 1996 aus. Das Ziel bestand darin, wich­tige Forschungspotentiale aus den Akade­mien der Wissenschaften der DDR an den Hochschulen der neuen Länder einzuglie- dem. Das Programm fing rund 2000 posi­tiv evaluierte Einzelwissenschaftler und Forschergruppen auf. Eine große Zahl der ursprünglich 30.000 qualifizierten Wissen­schaftler wurde nach der Wende in neue Institute übernommen.

Wie soll es nun trotz des Endes von WIP weitergehen? Die Bund-Länder-Kommission (BLK) unterbreitete Vorschläge zur Weiter­führung erfolgreicher WIP-Projekte. Der Tteil Innovative Forschung in den neuen Län­dern" des Hochschul-Sonderprogramms (HSP) III leistet einen Beitrag zum Erhalt der Potentiale. Allerdings könne dieses Förder­instrument WIP weder fortsetzen noch er­setzen, so der Brandenburgische Wissen- schaftsminister Steffen Reiche. 4,8 Mio. DM stellen der Bund und das Land Brandenburg nun bis zum Jahre 2000 jährlich zur Verfü­gung, über weitere 4,5 Mio. DM sind Förder­kriterien abgestimmt worden. Voraussetzun­gen, um in die engere Wahl zu gelangen, sind wissenschaftliche Leistungsfähigkeit, die Qualität des beabsichtigten Forschungs­vorhabens sowie dessen Paßfähigkeit zum Profil der antragstellenden Einrichtung.

Die bereits im Frühjahr 1996 an der Uni Pots­dam eingerichtete Clearingstelle dient der Beratung der WIPianer.Wir unterstützen sie bei der Beantragung von HSP- und Dritt­mitteln sowie Mitteln aus anderen Förder­quellen", erläuterte Kerstin Schweigel das Anliegen. Seit Einrichtung der Stelle hätten rund 85 Prozent der WIPianer diese Mög­

lichkeiten wahrgenommen, von denen fast 80 Prozent eine Perspektive zur Fortführung ihrer Forschungsarbeit sehen, konstatierte der Staatssekretär im Wissenschaftsmini­sterium, Prof, Dr. Friedrich Buttler.Mit Re­spekt und Dank stelle ich fest, daß die WIP- Clearingstelle in kürzester Zeit einen hervor­ragenden Beitrag geleistet hat, um die Mit­tel vollständig ausnutzen zu können. Da­durch und durch eine erfolgreiche Dritt­mitteleinwerbung kann die Weiterbeschäfti­gung sehr vieler bisheriger WIP-Geförderter gesichert werden. So waren von den ehe­mals 294 Geförderten zum Jahresende 1996 im Land Brandenburg noch 216 Personen im WIP beschäftigt und kamen somit für eine Weiterförderung in Betracht. Der Staatsse­kretär zeigte sich zuversichtlich hinsichtlich der Tätsache, daß von den rund 150 Antrag­stellern alle förderfähigen Anträge bewilligt werden können. Dafür würden die veran­schlagten 9,3 Mio. DM ausreichen.

Im Zeitraum von 1994 bis 1996 konnten 33 WIPianer - 21 Wissenschaftler und zwölf wissenschaftlich-technische Mitarbeiter - in die Uni integriert werden. Die Zahl beinhal­tet auch jene sechs ehemaligen WIPianer, an die Rufe ergingen. In der Clearingstelle tra­fen 92 Anträge ein, unter ihnen 30 aus der Hochschule. Von den 140 seinerzeit WIP- Geförderten an der Uni reichten 38 Personen 30 Projekte ein.Gemessen an den Anfangs­schwierigkeiten ob der Konstruktion von WIP ist der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Alma mater, Prof. Dr. Ralf Menzel,froh darüber, wieviel trotzdem gelungen ist. Sowohl Land als auch Uni Potsdam mit ihrer Clearing­stelle hätten gute Arbeit geleistet.

Der Astrophysiker Dr. Frank Baier sieht es nicht nur aus persönlicher Sicht kritischer.

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Schon im Oktober 199S machten WIPianer mit einer Mahnwache vor dem Branden­burger Landtag auf ihre Situation aufmerksam. Foto: Günther Faust

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