WISSENSCHAFT AKTUELL
LICHT UND SCHATTEN
Das Wissenschaftler-Integrationsprogramm ist beendet
allgemeinen Relativitätstheorie. Ihre Quellen sind zum Beispiel die Kollapsvorgänge bei der Bildung von Neutronensternen und Schwarzen Löchern (sogenannte Supernovae) oder auch Doppelsternsysteme, die aus Neutronensternen oder Schwarzen Löchern bestehen und einander auf Spiralbahnen umkreisen. Sie verhalten sich ähnlich wie elektromagnetische Wellen, nur daß sie in der Regel viel schwächer sind und auf Massen statt auf Ladungen wirken.
Ihre Existenz allerdings konnte bisher noch nicht direkt bestätigt werden (einen indirekten Nachweis fand man zu Beginn der achtziger J ahre aufgrund von Änderungen in der Bahnbewegung eines Pulsars in einem Doppelsternsystem), weil die Detektoren, die empfindlich genug für die schwachen Signale der Gravitationswellen sind, sich noch im Bau befinden. Bei dem Meßverfahren wird ausgenutzt, daß Gravitationswellen den Abstand zweier Körper zueinander in periodischen Abständen vergrößern bzw. verringern (und sie gleichzeitig vertikal stauchen bzw. strecken). In der Abteilung Beobachtungsorientierte Gravitationstheo- ne, geleitet von Prof. Dr. Bernhard Schutz, bereitet man sich auf diese Messungen vor. Da die Signale erwartungsgemäß sehr klein sein werden, müssen sich die Wissenschaftler unter anderem mit der Wirkung von Störungen auseinandersetzen, die ebenfalls kleine periodische Abstandsänderungen bewirken können, wie beispielsweise innere Erdbewegungen. Auch können Schwingungen aufgrund der inneren Energie der Meßinstrumente thermisch angeregt werden. All diese Phänomene müssen sorgfältig studiert und Fehlerquellen wenn möglich eliminiert werden, um im Falle tatsächlich auftreffender Gravitationswellen die Signale als solche interpretieren zu können.
Gravitationswellen und Schwarze Löcher
Ebenso wichtig ist es aber, sich zu überlegen, „was die gemessenen Signale wohl bedeuten. Dazu muß man theoretische Vorstellungen darüber haben, wie die Gravitationswellen erzeugt werden”, erläutert Ehlers eine weitere Aufgabe dieser Abteilung. Tätsächlich sollte ein Neutronen-Doppel- sternsystem sowohl von der Form als auch von der Stärke ein anderes Signal liefern, als beispielsweise schwingende Schwarze Löcher, bestimmte Supernova-Typen oder eben auch zwei kollabierende Schwarze Löcher. Mit dem Nachweis von Gravitationswellen wäre somit nicht nur eine weitere Bestätigung der Allgemeinen Relativitätstheorie, sondern auch eine neue Beobachtungsmethode von Vorgängen im Weltall gefunden. So sollten Gravitationswellen beispielsweise sehr detaillierte Informationen über die Vorgänge im Innern eines kollabierenden Sternes liefern. ade
Nun ist es also Geschichte: das Wissen- schaftler-Integrationsprogramm (WIP). 1991 eingerichtet, lief es zum 31. Dezember 1996 aus. Das Ziel bestand darin, wichtige Forschungspotentiale aus den Akademien der Wissenschaften der DDR an den Hochschulen der neuen Länder einzuglie- dem. Das Programm fing rund 2000 positiv evaluierte Einzelwissenschaftler und Forschergruppen auf. Eine große Zahl der ursprünglich 30.000 qualifizierten Wissenschaftler wurde nach der Wende in neue Institute übernommen.
Wie soll es nun trotz des Endes von WIP weitergehen? Die Bund-Länder-Kommission (BLK) unterbreitete Vorschläge zur Weiterführung erfolgreicher WIP-Projekte. Der Tteil „Innovative Forschung in den neuen Ländern" des Hochschul-Sonderprogramms (HSP) III leistet einen Beitrag zum Erhalt der Potentiale. Allerdings könne dieses Förderinstrument WIP weder fortsetzen noch ersetzen, so der Brandenburgische Wissen- schaftsminister Steffen Reiche. 4,8 Mio. DM stellen der Bund und das Land Brandenburg nun bis zum Jahre 2000 jährlich zur Verfügung, über weitere 4,5 Mio. DM sind Förderkriterien abgestimmt worden. Voraussetzungen, um in die engere Wahl zu gelangen, sind wissenschaftliche Leistungsfähigkeit, die Qualität des beabsichtigten Forschungsvorhabens sowie dessen Paßfähigkeit zum Profil der antragstellenden Einrichtung.
Die bereits im Frühjahr 1996 an der Uni Potsdam eingerichtete Clearingstelle dient der Beratung der WIPianer. „Wir unterstützen sie bei der Beantragung von HSP- und Drittmitteln sowie Mitteln aus anderen Förderquellen", erläuterte Kerstin Schweigel das Anliegen. Seit Einrichtung der Stelle hätten rund 85 Prozent der WIPianer diese Mög
lichkeiten wahrgenommen, von denen fast 80 Prozent eine Perspektive zur Fortführung ihrer Forschungsarbeit sehen, konstatierte der Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, Prof, Dr. Friedrich Buttler. „Mit Respekt und Dank stelle ich fest, daß die WIP- Clearingstelle in kürzester Zeit einen hervorragenden Beitrag geleistet hat, um die Mittel vollständig ausnutzen zu können. Dadurch und durch eine erfolgreiche Drittmitteleinwerbung kann die Weiterbeschäftigung sehr vieler bisheriger WIP-Geförderter gesichert werden.“ So waren von den ehemals 294 Geförderten zum Jahresende 1996 im Land Brandenburg noch 216 Personen im WIP beschäftigt und kamen somit für eine Weiterförderung in Betracht. Der Staatssekretär zeigte sich zuversichtlich hinsichtlich der Tätsache, daß von den rund 150 Antragstellern alle förderfähigen Anträge bewilligt werden können. Dafür würden die veranschlagten 9,3 Mio. DM ausreichen.
Im Zeitraum von 1994 bis 1996 konnten 33 WIPianer - 21 Wissenschaftler und zwölf wissenschaftlich-technische Mitarbeiter - in die Uni integriert werden. Die Zahl beinhaltet auch jene sechs ehemaligen WIPianer, an die Rufe ergingen. In der Clearingstelle trafen 92 Anträge ein, unter ihnen 30 aus der Hochschule. Von den 140 seinerzeit WIP- Geförderten an der Uni reichten 38 Personen 30 Projekte ein. „Gemessen an den Anfangsschwierigkeiten ob der Konstruktion von WIP“ ist der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Alma mater, Prof. Dr. Ralf Menzel, „froh darüber, wieviel trotzdem gelungen ist“. Sowohl Land als auch Uni Potsdam mit ihrer Clearingstelle hätten gute Arbeit geleistet.
Der Astrophysiker Dr. Frank Baier sieht es nicht nur aus persönlicher Sicht kritischer.
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Schon im Oktober 199S machten WIPianer mit einer Mahnwache vor dem Brandenburger Landtag auf ihre Situation aufmerksam. Foto: Günther Faust
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