Heft 
(1.1.2019) 07
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PUTZ 7/99

Das Letzte

Golmer Rauchzeichen

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So mancher ist für die Uni Pots­dam Feuer und Flamme, sie selbst hat einige Probleme da­mit. Daß nicht immer, wo Rauch ist, tatsächlich auch Feu­er sein muß, zeigte sich im letz­ten Jahr während des Zwischen­falls zur Eröffnung des akade­mischen Jahres im Audimax.

Im Frühjahr dieses Jahres nun sah man wieder Rauchzeichen aufsteigen, diesmal am Golmer Himmel. Und dieses Mal gehör­te auch ein richtiges Feuer dazu. Allerdings schrieb man

den 1. April, ein ungünstiges|

Datum also für Leute, die tatsächlich ausgebrochene Brän­de am Telefon verkünden müs­sen. Die Irritation bei der Si­

Zeichnung: Süring

cherheitsingenieurin der Uni, Helga Krieger, blieb also auch nicht aus, war aber angemessen kurz. Nachdem der Schwel­brand eines Mietkopierers im Institut für Psychologie als un­umstößliche Wahrheit aner­kannt werden mußte, wurde in heller Aufregung die Feuerwehr alarmiert. Nun sind Feuerweh­ren zwar. immun gegen jegliche Art von Aprilscherzen, so natürlich auch die freiwilligen Brandhüter aus den umliegen­den Landkreisen Töplitz, Gel­tow und Golm. Doch eiligst vor­gefahren vor den qualmenden Kopierer, taten sich wider Er­warten frappierende Defizite im Umgang mit dem Feuer

auf. Scheinbar ein wenig aus der Übung gekommen, fiel die Orientierung auf unbekanntem Terrain sichtlich schwer, und so manch Freiwilliger stand da buchstäblich auf dem Schlauch. So waren zum Beispiel erst nach einer langen Dreiviertelstunde die entsprechenden Atemschutz­masken sowie eine lange Leiter besorgt. In den tränenden Au­gen der heldenhaften Feuer­wehrmänner mußte der bren­nende Kasten inzwischen als flammendes Inferno und der Einsatz als nicht unbedingt ge­lückt erscheinen. Eine durch einen Keil verklemmte Flurtür tat für die Rauchentwicklung ıhr übriges, nicht zuletzt für die Folgeschäden im Umfang von 40.000 DM. Dank des psycholo­| gischen Beistandes aber vor Ort konnte nach aufopferungsvol­lem Kampf der Sieg gegen Hit­ze, Qualm und freche Schaulu­stige endlich errungen und das tückische Objekt zur fachmän­nischen Untersuchung ins Lan­deskriminalamt abtranspor­tiert werden.

Auch da also, wie schon beim falschen Alarm im letzten Jahr, ist Gefahr im Verzug, und Handeln tut not, erkannte die Sicherheitsingenieurin. Unge­wöhnliche Vorkommpnisse erfor­derten adäquate Maßnahmen. Da Weiterbildung heutzutage

in aller Munde sei, dürfe diese auch vor den betreffenden Feu­erwehren des Landkreises nicht haltmachen. Um den wahren Charakter der Truppe schließ­lich zu demonstrieren, drückten also Anfang September köp­ferauchend und hochmotiviert die Brandschützer die Vorle­sungsbänke der Golmer Uni. Freiwillig versteht sich, in Uni­form und den blitzenden Silber­helm akkurat auf dem Pult, denn das errungene Wissen ge­langte danach prompt in einer praktischen Übung zur Gefah­renabwehr bei einem Chemika­Lienunfall zur Anwendung. Mit Erfolg und bei bester Lau­ne, wie verlautet wurde. Im si­cheren Gefühl, die Gegebenhei­ten des Geländes sondiert zu ha­ben und im Selbstbewußtsein ge­stärkt, harren nun die Land­

- wehren der Brände, die da hof­

fentlich nicht kommen.

Die Ingenieurin für Sicherheit der Uni Potsdam ist derweil ein beliebter Vortragsgast. Vor an­deren Sicherheitsfachkräften deutscher Universitäten warnt stekriegerisch und mit flam­mender Rede vor dem allgegen­wärtigen Brandherd auf den Fluren und in den Zimmern deutscher Lernfabriken. Wie zu hören war, fing ein Großteil der Zuhörerschaft dabei regelrecht Feuer. Thomas Pösl

Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Herr Kollege Ewers,

mit Interesse las ich.imTa­gesspiegel vom 29. Septem­ber 1999 Ihre Positionen zur Berliner Hochschulplanung. Die nun öffentlich gewordene Kampfstimmung zwischen den Berliner Universitäten und Fachhochschulen habe ich mit einigem Mitgefühl zur Kennt­nis genommen, zeigt sie doch, daß es den Berliner Politikern gelungen ist, die Mittelvertei­lungsprobleme in den Kreis der Berliner Rektoren und Prä­sidenten zu verlagern.

Besonders interessant und schlüssig ist, daß Sie das Gere­de von zu vielen Universitäten in Berlin beklagen. Allerdings

reden Sie im weiteren, bezo­gen auf die Region Berlin­Brandenburg, dann selbst der angeblichen Universitätsinfla­tion Wort.

Aber Sie haben ja wahrschein­lich Recht,; verehrter. Herr Ewers, geographisch ist Berlin die Mitte Brandenburgs. Au­ßerhalb der Metropole Berlins sollten allein landwirtschaftli­che Betriebe und Erholungsge­biete liegen. Ein Golfplatz in Golm wäre strukturpolitisch und aus Gründen der Finan­zierbarkeit angemessener ge­wesen, als sich auf die Branden­burger Idee zu versteifen, ei­nen Wissenschaftspark zu pla­

nen. Zudem hätte eine solche Lösung strapazierten Univer­sitätspräsidenten eine gute Er­holungsmöglichkeit geboten.

Doch Spaß beiseite, die Kon­zentration hervorragender na­turwissenschaftlicher For­schungskapazitäten und die Anzahl gemeinsamer Berufun­gen in Golm und auf dem Te­legraphenberg suchen bereits jetzt ihresgleichen im Bundes­gebiet. Auch die Bautätigkeit in Golm ist in großen Schritten vorangegangen. Max-Planck­Institute haben ihre Arbeit auf­genommen, Fraunhofer zieht in den nächsten Wochen in die bezugsfertigen Gebäude ein. Die Universität Potsdam wird im nächsten Jahr ihr erstes Ge­bäude beziehen können. Die Kooperationen zwischen den universitären und außeruniver­

sitären Einrichtungen funktio­nieren bereits heute.

Kürzlich las ich in Ihrer Hoch­schulzeitung, daß Sie und Ihre Universitätsleitung Adlershof besichtigt haben auch um Potentiale für die TU Berlin zu entdecken.«Ich: möchte Sie daher auch ganz herzlich nach Potsdam einladen, um Ihnen den entstehenden Wis­senschaftspark Golm und seine Potentiale für die Universität Potsdam zu zeigen. Sie sollten sich ein bißchen Zeit dafür re­servieren, denn selbst ein trai­nierter- Golfer, lieber+Herr Ewers, dürfte für die, Bege­hung dieseskleinen Parks mehr als nur ein paar wenige Minuten benötigen.

Mit herzlichen Grüßen, Ihr Wolfgang Loschelder