Heft 
(1.1.2019) 06
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Fotos: Fritze

Titel

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Was sind die Ideen für die Zukunft? Gerhard-Multhaupt: Zum Beispiel, dass man

eines Tages in der Lage ist, die Signalverarbei­

tung, wie sie im Gehirn geschieht, durch Einsatz

von synthetischen und bioanalogen Materialien nachzubilden. Oder, dass man Materialien her­stellen kann, die dem Körper helfen, beschädig­te Organe oder Teile wieder nachwachsen zu las­sen. Ein solches Material würde als Prothese eine

Zeit lang im Körper bleiben, dort die Struktur des Wachstums vorgeben und später vom Kör­per absorbiert und durch natürliches Gewebe ersetzt werden. Manche halten es sogar für mög­lich, auf diese Weise zum Beispiel einen ganzen Arm zunächst künstlich nachzubilden, der dann mit der Zeit wieder natürlich wird.

Das sind kühne Visionen, worum geht es heute?

Gerhard-Multhaupt: Bei Hautstücken, gibt es solche vom Körper resorbierbaren Materialien schon heute. Aber es gibt auch andere Ideen, nahe am Alltag. So kann man aus Polymeren tak­tile Sensoren, also Berührungssensoren, die schon mehr können als nur tasten, herstellen. Sie reagieren ganz empfindlich auf Druck und Temperatur. Damit kann man Roboter bauen, derenFinger auf Wärme und auf mechanische

Spannungen reagieren. Die wären zum Beispiel|

bestens zum Verpacken von rohen Eiern oder druckempfindlichem Obst einsetzbar. Das klingt im Vergleich zu den anderen Ideen vielleicht ein wenig trivial, ist aber in der Praxis tatsächlich ein Problem. Und dann gibt es noch den Bereich der Elektronik. Schon heute gibt es zum Beispiel Leuchtdioden und Transistoren ausSoft Matter.

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Welche Rolle spielt Potsdam bei der Erforschung derSoft Matter?

Gerhard-Multhaupt: Im Raum Potsdam dürf­ten mittlerweile rund die Hälfte aller For­schungsaktivitäten der Region Berlin-Branden­burg zu diesem Thema konzentriert sein. Dies ist vor allem auf das Max-Planck-Institut für Kol­loid- und Grenzflächenforschung und das Fraun­hofer-Institut für Angewandte Polymerfor­schung(beide in Golm) sowie weitere außeruni­versitäre Institute und vor allem auch auf die damit abgestimmten Berufungen an die Uni Potsdam zurückzuführen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Was sind Polymere?

Wer heute einen Joghurt isst, der hat es oft mitSoft Matter zu tun. Wer einen Pulli aus Kunststoff trägt, auch. Sowohl Joghurtbecher als auch Textilfasern können Polymere enthalten, die in ihrer unglaublichen Vielfalt einen Großteil

derSoft Matter ausmachen. Das Wort Polymere ist ein Oberbegriff für Riesenmoleküle. Sie entstehen durch Verknüpfen vieler einzelner Moleküle mit nur wenigen Atomen. Dadurch bil­den sich lange Ketten, die je nach Herstellungsverfahren und Grundbausteinen mehr oder weniger stark miteinander vernetzt sind. Ab etwa 1000 Atomen spricht man von Polymeren, nach oben sind der Zahl der Atome keine Gren­zen gesetzt. Neben den synthetischen Polymeren, den Kunststoffen, gibt es auch natür­liche Polymere. Dazu zählen beispielsweise Stärke, Zellulose, Wolle, Proteine oder die DNA, die bis zu etwa eine Millionen Atome enthalten kann. Die Eigen­schaften der Polymere werden stark durch die Zahl der Querverbindungen zwischen den Kettenmolekülen beeinflusst. Je mehr Querverbindungen einge­baut sind, desto geringer werden beispielsweise Elastizität und Löslichkeit. Zu den bekanntesten synthetisch hergestellten Polymeren gehören zum Bei­spiel Polyethen(PE), PVC(Polyvinylchlorid), Teflon(Polytetrafluorethen), Plexi­glas(Polymethacrylsäuremethylesther), Polyester, Polyamide(Perlon und Nylon), Bakelit(in Steckdosen und Lichtschaltern) und Polyurethane(in Schaumstoffen).'

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