Foto: Fritze
Personalia
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Der Entsorger
Nahaufnahme: Ulf Lepszy ist der Umweltschutzbeauftragte
der Universität Potsdam
In seinem Büro steht ein Karton, in dem er alte Tonerkartuschen solange sammelt, bis die Menge lohnt, auf den Weg der Verwertung gebracht zu werden. Einst wurde er scherzhaft der„diplomierte Müllfahrer“ genannt, weil ihn ein dreijähriges Studium unter anderem dazu befähigte, diejenigen Stoffe zu transportieren, die alle schnellstens los sein möchten und bei denen eigentlich jeder froh ist, dass sich jemand darum kümmert. Denn nicht selten sind sie gefährlich.
If Lepszy kümmert sich um die sachge
| rechte Entsorgung aller toxischen und hoch brennbaren Stoffe an der Univer
sität Potsdam. Durch den Umgang mit Gefahrstoffen und Sonderabfall ist Lepszy gleich ein mehrfach Beauftragter: für Gefahrengut, Gefahrenstoffe, für Umwelt- und für Strahlenschutz. In diesem Jahr fuhr er erstmals radioaktiven Müll durch die Landeshauptstadt. Bevor der gebürtige Potsdamer, der in der Wendezeit an
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der Technischen Universität Zittau/Löbau ein damals zukunftsträchtiges Diplom als Umweltwirt erlangte, im Jahre 1996 an die Universität kam, war er bei einem Potsdamer Umweltservice tätig. Er selbst bezeichnet dies als„beste Schule“ für seine jetzige Tätigkeit. Lepszy, der verheiratet ist und eine Tochter hat, weiß, dass Umweltschutz erst mit der richtigen inneren Einstellung praktikabel wird. Und leider fehlen auch hier nötige Gelder, um zum Beispiel das duale System dem Brandschutz, der Hygiene und der Ergonomie entsprechend in die einzelnen Häuser zu bekommen. Er war dabei, als die Liegenschaften der ehemaligen Roten Armee in Wünsdorf oder weite Teile der Bitterfelder Chemieanlagen entsorgt wurden. Inzwischen hat er nicht nur ein Auge auf Ressourcen schonende Maßnahmen, sondern auch darauf, dass die Chemikalien der Uni ordnungsgemäß gelagert und transportiert werden, sowohl auf den internen Transportwegen als auch auf denen zur
Da, wo Kohlenwasserstoff dran steht, muss auch Kohlenwasserstoff drin sein. Ulf Lepszy kontrolliert ein
mal pro Woche die Flaschen seiner Löschanlage.
Sondermüllverbrennungsanlage. Das betrifft ebenso Verpackungen, Asbestplatten oder Batterien. Oft im neuen Chemiegebäude unterwegs, achtet er darauf, dass gefährliche Abfälle ordnungsgemäß im Lager für Sonderabfall landen und nicht im Abwaschbecken. Bei ihm, der begeisterter Hobbyfotograf und Radfahrer ist und gerne am Computer designed, verschmelzen Arbeits- und Umweltschutz. Er bemüht sich um umweltfreundliche Beschaffung und koordiniert in enger Absprache mit der Sicherheitsingenieurin beziehungsweise mit Potsdams Feuerwehr Fragen des Arbeits- und Brandschutzes. Die Chemie jedenfalls scheint zu stimmen. Auf seinem Schreibtisch beispielsweise liegen Flucht- und Rettungspläne für die einzelnen Universitätsstandorte, so bunt und mühevoll detailverliebt erstellt wie eine Schatzkarte aus einem Computerspiel. Er schreibt betriebliche Abfallbilanzen, Gefahrengutberichte, Beschaffungsanträge und hält umweltbewusstseinsfördernde, aber auch gefahrenstoffrechtliche Vorlesungen vor Mitarbeitern und Studierenden, die im weitesten Sinne mit Chemikalien zu tun haben. Lepszy ist eben auch ein Aufklärer. tp
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